Spielzeugfreie Kindergärten – Mutter will Sohn umplatzieren
Einige Stadtzürcher Kindergärten verzichten während einigen Wochen auf Spielsachen. Das sorgt bei einer Mutter für Kopfschütteln.

Das Wichtigste in Kürze
- Über acht bis zehn Wochen verzichten einige Zürcher Kindergärten komplett auf Spielzeug.
- Das Ziel: Die Kinder sollen kreativer und selbstständiger werden.
- Eine Mutter ist besorgt – und sieht das Projekt kritisch.
Mehrere Stadtzürcher Kindergärten testen ein neuartiges Konzept. Über acht bis zehn Wochen verzichten sie komplett auf herkömmliches Spielzeug. Die Kinder sollen stattdessen mit einfachen Gegenständen spielen.
Das Projekt stammt von der Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich. Kisten, Tücher, Stühle und Naturmaterialien ersetzen Puppen und Bauklötze. Die Lehrpersonen greifen nur bei Konflikten ein. Sonst halten sie sich bewusst zurück.
Das Ziel: Kinder sollen kreativer und selbstständiger werden. Soziale und emotionale Fähigkeiten stehen im Fokus. Diese Kompetenzen sollen später vor Suchtproblemen schützen, argumentiert die Stadt Zürich.

Eine besorgte Mutter sieht das Projekt kritisch. Gegenüber der «Limmattaler Zeitung» spricht sie von einem «psychologischen Experiment an Vierjährigen». Sie befürchtet negative Auswirkungen auf die Psyche der Kinder.
«Die Verantwortlichen haben gesagt, es sei im Rahmen dieses Projekts völlig normal, wenn unser Kind traurig nach Hause komme, nicht reden wolle oder sofort einschlafe», berichtet die Mutter. Sie kritisiert diese Haltung scharf: «Entschuldigung, aber das ist eine krasse Relativierung von kindlicher Verhaltensstörung!»
Die Mutter eines viereinhalbjährigen Kindergärtlers bemängelt zudem, dass die Eltern nie um Zustimmung gebeten worden seien.
Die 40-Jährige zweifelt an der Grundidee des Projekts: «Wenn jemand süchtig wird, dann wegen der Lebensumstände, und nicht, weil die Person als Kind mit einem Teddy gekuschelt hat.»
Deshalb wolle sie ihren Sohn nach dem ersten Kindergartenjahr in eine private Schule geben.
Die Zürcher Suchtpräventionsstelle hingegen sieht das Projekt als Erfolg. Sowohl Eltern als auch Lehrpersonen bewerten es positiv, wie die «Limmattaler Zeitung» schreibt. Die Nachfrage von Kindergärten sei hoch. Im aktuellen Jahr nehmen 21 Kindergartenklassen teil.
Fortschritte würden die Lehrpersonen «insbesondere in Bezug auf Kreativität, soziale Kompetenzen und Sprachentwicklung» feststellen. Hinweise auf «Stress oder Belastungen durch das Projekt» für die Kinder seien bislang nicht bekannt.
«Sehr spekulativ»
Allan Guggenbühl, Kinder- und Jugendpsychologe an der Pädagogischen Hochschule Zürich, kritisiert in der «Limmattaler Zeitung» die angenommene Verbindung zwischen Spielzeug und Sucht. «Die Frage, ob man nun mit oder ohne Spielzeug suchtanfälliger wird, ist sehr spekulativ», sagt Guggenbühl.
Er ist der Meinung, dass es gewichtigere Einflussfaktoren für Suchtentwicklung gibt – beispielsweise das Beziehungsnetz oder das Elternhaus.
Schädlich sei das Projekt dennoch nicht, beruhigt Guggenbühl.












