Anti-WEF-Demo: Kaputte Kübel kosten Zürich bis zu 30'000 Franken
Bei der Anti-WEF-Demo in Zürich kam es zu zahlreichen Sachbeschädigungen. Mehrere Tische und Abfallbehälter sind am Morgen danach kaputt.

Das Wichtigste in Kürze
- Am Montagabend eskalierte eine Anti-WEF-Demo in Zürich.
- Scheiben wurden eingeschlagen, Gebäude versprayt und Tische mitgeschleift.
- Die SVP Stadt Zürich fordert nun eine Aufstockung der Polizeikräfte.
Am Montagabend kam es in Zürich zu einer grossen Anti-WEF-Demo mit weit über 1000 Teilnehmenden. Darunter befanden sich auch zahlreiche Chaoten, die eine Schneise der Verwüstung hinterliessen.
Vor allem auf dem Weg von der Bahnhofstrasse zum Stauffacher gab es zahlreiche Schmierereien an Gebäudewänden und Schaufenstern. Unzählige Scheiben wurden auch eingeschlagen, unter anderem beim Cadillac-Showroom. Auch ein Bagger wurde stark beschädigt.
In einer Medienmitteilung geben die Organisatoren die Sachbeschädigungen offen zu. Man habe Banken, Nespresso und das TX-Gebäude mit Farbe angegriffen. «Gründe dafür finden sich viele», schreiben sie. Es seien alles Partner des WEF.
Der Angriff auf den Cadillac-Showroom wurde ebenfalls begründet: Der US-Autohersteller produziert auch die Autos von Donald Trump.
Im Anschluss an die Demonstration kam es zu einer Blockade auf der Kasernenstrasse. Die Polizei kesselte die Chaoten ein, die Feuerwerk und Steine auf die Einsatzkräfte warfen. Tränengas, Gummischrot und ein Wasserwerfer kamen zum Einsatz.
Beim Stauffacher wurden die Gleise mit Eimern sowie Tischen und Stühlen von umliegenden Restaurants blockiert. Auch mehrere Abfall-Container wurden in Brand gesetzt.
Zur Demonstration hatte die linke Organisation «Bewegung für den Sozialismus» aufgerufen. Sie kritisiert, dass Donald Trump zum WEF kommt. Unter ihm kehre die US-Aussenpolitik zu einer Kanonenboot-Diplomatie zurück.
Kaputte Tische
Die Bäckerei Hug hat am Dienstagmorgen einen Termin mit der Polizei. Das Personal meldet rund fünf kaputte Stahltische. «Die Tische wurden mit Gewalt aus der Sicherung gelöst und mitgeschleift», heisst es bei der Bäckerei auf Anfrage. «Sie sind völlig verbogen und nicht mehr brauchbar.»

Die Verantwortlichen der Bäckerei rechnen mit einem Schaden von mehreren hundert Franken.
Künftig werde man die Tische über Nacht nicht mehr draussen lassen können, heisst es bei der Bäckerei. «Wir nehmen an, dass wir sie reinnehmen.»
Auch die Stadt Zürich registriert Schäden.
«An der Haltestelle Stauffacher bei der Kirche St. Jakob wurden 12 von 14 Recycling-Behältern beschädigt.» Dies teilt Maria Colon, Mediensprecherin von Entsorgung + Recycling Zürich Nau.ch mit.
Die Beschädigungen seien unterschiedlicher Art. «Zum Beispiel zerkratzte Oberflächen, verzogene Rahmen oder demolierte Türen.»
Acht der 12 beschädigten Behälter konnte die Stadt wieder einsetzen. «Diese acht Behälter werden zu einem späteren Zeitpunkt wieder vollständig in Stand gesetzt», sagt Maria Colon. Die anderen vier Recycling-Behälter müssten durch neue Behältnisse ersetzt werden.
Der Schaden sei zurzeit nicht genau bezifferbar. «Wir gehen von 25'000 bis 30'000 Franken aus.»
Mehr Polizeikräfte gefordert
Die SVP der Stadt Zürich verurteilt die eskalierte Demo in einer Medienmitteilung scharf. Die SVP fordere in ihrem Wahlkampf seit Monaten «mehr Polizei für unsere Sicherheit». Durch die «ungeheuren Vorkommnisse» vom Montagabend sehe sie sich in dieser Haltung bestätigt.
Ueli Bamert ist Co-Präsident der Partei und kandidiert für das Zürcher Stadtpräsidium. «Es braucht eine Aufstockung der Polizeikräfte», fordert er. Auch brauche es bessere Arbeitsbedingungen und «vor allem wieder mehr Wertschätzung für unsere Polizistinnen und Polizisten».

Die Partei äussert sich «schockiert über das enorme Gewaltpotenzial der linksradikalen Chaoten». Susanne Brunner ist Co-Präsidentin. Sie forderten die Stadtregierung dazu auf, die Ausschreitungen in aller Form und in der gebotenen Schärfe zu verurteilen, sagt sie. Dies gelte insbesondere für Stadtpräsidentin Corine Mauch und Polizeivorsteherin Karin Rykart.
«Zunehmend instabil»
Auch von linker Seite gibt es Kritik.
«Sachbeschädigungen sind klar zu verurteilen», sagt SP-Gemeinderätin Lisa Diggelmann zu Nau.ch. Sie schadeten nicht nur den Betroffenen. «Sondern untergraben auch die Legitimität berechtigter Anliegen und den friedlichen Protest der grossen Mehrheit der Demonstrierenden.»
Wer Sachbeschädigung begeht, muss laut Diggelmann selbstverständlich zur Verantwortung gezogen werden. «Gleichzeitig ist es wichtig, nicht pauschal zu verurteilen oder friedlichen Protest zu delegitimieren.»

Die Gemeinderätin appelliert daran, die Sorgen der Bevölkerung ernst zu nehmen.
«Viele Menschen erleben die aktuelle weltpolitische Entwicklung als zunehmend instabil und beängstigend.» Grund dafür seien etwa autoritäre Tendenzen, geopolitische Konflikte oder Figuren wie Donald Trump. «Die für Unberechenbarkeit stehen. Diese Verunsicherung darf nicht ignoriert oder delegitimiert werden.»
Es brauche Räume für friedlichen Protest, fordert Diggelmann. Dies für politische Mitsprache und für eine offene Debatte über die Zukunft unserer Demokratie und der globalen Ordnung. «Wer aus Angst und Ohnmacht auf die Strasse geht, verdient Gehör, nicht Pauschalisierung oder Diffamierung.»

























