Schweizer zahlen lieber mehr Miete statt länger zu pendeln
Die Schweizer zahlen lieber mehr für die Wohnung, als täglich länger zu pendeln. Eine Umfrage zeigt, wie stark der Wunsch nach kurzen Wegen den Markt prägt.

Das Wichtigste in Kürze
- Trotz Wohnungsnot wollen die meisten ihren Arbeitsweg nicht verlängern.
- Die halbe Stunde gilt für viele als klare Pendel-Grenze.
- Jüngere und Männer zeigen sich etwas kompromissbereiter als Ältere und Frauen.
Die Mieten steigen, Wohnungen sind knapp – doch für viele Schweizerinnen und Schweizer ist klar: Lieber tiefer in die Tasche greifen als täglich länger unterwegs sein. Eine repräsentative Umfrage des Vergleichsdienstes Comparis zeigt, dass die Mehrheit höhere Wohnkosten akzeptiert, um den Arbeitsweg kurz zu halten.
Nur rund jede vierte Person hat demnach beim letzten Umzug bewusst einen längeren Arbeitsweg in Kauf genommen, um günstiger zu wohnen. Drei Viertel lehnten das ab.
Für Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser ist das ein deutliches Signal. In einer Medienmitteilung des Vergleichsportals wird er mit folgenden Worten zitiert: «Die Schweiz ist ein Land der kurzen Wege – und will das auch bleiben.»
Die halbe Stunde ist die rote Linie
Während der Pandemie arbeiteten viele Menschen zeitweise von zu Hause. Heute hat sich der Alltag weitgehend normalisiert: 91 Prozent der Bevölkerung pendeln wieder regelmässig zu Arbeit, Schule oder Ausbildung. Alte Präsenzmuster hätten sich damit stärker gehalten als erwartet, so Comparis.
«Die Rückkehr ins Büro ist weniger eine Folge neuer Notwendigkeiten als alter Gewohnheiten», berichtet Büsser. «Für den Wohnungsmarkt und den Pendelverkehr hat das spürbare Folgen.» Fast die Hälfte der Befragten möchten nämlich nicht länger als eine halbe Stunde unterwegs sein.

Längere Arbeitswege werden rasch als Belastung empfunden. Büsser spricht bei der halben Stunde von einer «psychologischen Grenze»: Alles darüber werde als täglicher Stress wahrgenommen.
Auch die Distanzen bleiben insgesamt überschaubar. Die Mehrheit pendelt weniger als 31 Kilometer, rund die Hälfte sogar weniger als 16 Kilometer. Der Wunsch nach Nähe ist laut Comparis derzeit stärker als der Druck durch steigende Mieten.
Unterschiede zwischen Generationen und Geschlechtern
Die Bereitschaft, für günstigeren Wohnraum weiter zu pendeln, hängt auch vom Alter ab. Jüngere Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren nehmen längere Arbeitswege etwas häufiger in Kauf als ältere Personen.
Der finanzielle Spielraum sei in dieser Lebensphase oft kleiner, gleichzeitig gebe es aber auch bei ihnen eine klare Grenze, sobald der Arbeitsweg zu stark in die Freizeit eingreife.

Auch zwischen Männern und Frauen zeigen sich Unterschiede. Männer sind laut der Comparis-Umfrage eher bereit, längere Pendelzeiten zu akzeptieren, um Wohnkosten zu sparen.
Frauen hingegen legen häufiger Wert auf kurze Wege – nicht zuletzt, weil sie noch immer einen grossen Teil der Alltagsorganisation übernehmen und Nähe für sie weniger Komfort als vielmehr Notwendigkeit ist.
Das Auto bleibt König
Beim Verkehrsmittel zeigt sich ebenfalls ein klares Bild: Das Auto ist mit Abstand die wichtigste Pendeloption. Rund die Hälfte nutzt es für den Arbeitsweg, während etwa ein Drittel auf den öffentlichen Verkehr setzt. Für Comparis zeigt das, dass Wohnen und Arbeiten räumlich auseinanderdriften – und viele diese Distanz weiterhin individuell überbrücken.
Wohnungsnot lässt sich nicht «wegpendeln»
Die Ergebnisse stellen auch politische Lösungsansätze infrage. Wer darauf setze, die Wohnungsnot über längere Pendelwege zu entschärfen, überschätze die Bereitschaft der Bevölkerung. Für viele wiegt Lebensqualität schwerer als eine tiefere Miete.








