Schweizer Kühe kämpfen mit mysteriöser Durchfall-Welle
Ist es Corona, die Hitze oder doch Salmonellen? In vielen Ställen haben Kühe aktuell gerade Durchfall. Der Grund steht noch nicht fest.

Das Wichtigste in Kürze
- In Bern und Luzern melden Milchbetriebe gehäuft Durchfall bei Kühen.
- Für die Erkrankungswelle gibt es viele mögliche Erklärungen.
- Die kranken Kühe brauchen mehr Betreuung und geben weniger Milch.
Eine mysteriöse Durchfall-Welle rollt über die Schweiz. Betroffen sind dabei aber keine Zweibeiner, sondern Paarhufer.
Die «Bauernzeitung» titelt diese Woche: «Plötzlich Durchfall im Sommer: Haben unsere Kühe jetzt Corona?»
Das Fachblatt zeichnet folgendes Bild: In etlichen Milchbetrieben in den Kantonen Bern und Luzern litten die Kühe unter Durchfall. Eine Situation wie die aktuelle sei «noch nie dagewesen».
Sind Kühe an Corona erkrankt?
Die betroffenen Tiere zeigten neben Durchfall häufig auch Fieber und eine deutlich verminderte Milchleistung. In einigen Betrieben breitete sich die Krankheit innerhalb weniger Tage auf grosse Teile der Herde aus.
Als mögliche Ursache steht das bovine Coronavirus (BCoV) im Fokus, das unter anderem Durchfall zur Folge hat. Dieses ist dem Covid-19-Virus nur entfernt verwandt und ist nicht auf den Menschen übertragbar.
Da das bovine Coronavirus nicht meldepflichtig ist, gibt es derzeit keine offiziellen Zahlen zum Ausmass der Erkrankungen.
Als weitere mögliche Ursache für die Durchfall-Welle nennt die «Bauernzeitung» die anhaltende Hitze. Diese könne bei den Tieren Stress und damit Durchfall verursachen.
Berner Bauern testen Kühe auf Salmonellen
Der Berner Bauernverband bestätigt gegenüber Nau.ch, «dass derzeit in einzelnen Milchviehbetrieben gehäuft Durchfallerkrankungen auftreten».
«Von einer flächendeckenden Welle kann zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht gesprochen werden», sagt Gaby Mumenthaler von der Geschäftsleitung.
Die Ursache sei derzeit noch nicht abschliessend geklärt. «Möglich sind Infektionen. Auch die Hitze und die anhaltende Trockenheit können die Tiere zusätzlich belasten.»
Das Amt für Veterinärwesen des Kantons Bern hört ebenfalls von «vermehrten Durchfallerkrankungen in Kuhställen».
«In diesem Zusammenhang werden leicht vermehrt Abklärungen auf eine Salmonelleninfektion veranlasst», heisst es auf Nau.ch-Anfrage. «Bisher verliefen alle Untersuchungen negativ.»
Auch der Kanton geht von einem Zusammenhang mit dem Hitzestress der vergangenen Wochen aus. «Es liegen keine Hinweise auf eine Tierseuche vor.»
Kranke Kühe brauchen Wasser und Elektrolyten
Der Berner Bauernverband verweist zudem darauf, dass es bei hohen Temperaturen schwieriger sei, die Qualität der Mischration aufrechtzuhalten.
Eine Mischration ist eine exakt abgestimmte Mischung aus verschiedenen Futtermitteln wie Grundfutter, Kraftfutter und Mineralstoffen.
Denn: Durchfall könne zu einem starken Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust führen. «Betroffene Tiere können Fieber zeigen, weniger fressen und deutlich weniger Milch geben», so Gaby Mumenthaler.
Wichtig seien daher rasche tierärztliche Abklärungen sowie eine ausreichende Versorgung mit Wasser und Elektrolyten. Bei bekannten Ursachen sei zudem eine Behandlung angezeigt.
Durchfall-Kühe sollen von Herde getrennt werden
«Erkrankte Tiere sollten nach Möglichkeit von der Herde getrennt und die Hygienemassnahmen verstärkt werden», rät sie.
Auch Raphael Felder, Geschäftsführer des Luzerner Bauernverbands, bestätigt gegenüber Nau.ch: «Die ungewöhnlich lange Hitzeperiode setzt die Tiere unter erheblichen körperlichen Stress.»
Kühe fühlten sich bei Temperaturen zwischen etwa -5 und +15 Grad am wohlsten. «Die Temperaturen der vergangenen Wochen lagen bekanntlich deutlich höher.»

Felder ergänzt: «Wie beim Menschen beeinträchtigt die Hitze auch bei Tieren den Appetit. Bei Wiederkäuern kann dies aufgrund des komplexen Verdauungssystems zu gesundheitlichen Problemen führen. Gleichzeitig wird das Immunsystem geschwächt.»
Für betroffene Bauern führe das zu einer mehrfachen Belastung, sagt er. «Kranke Tiere benötigen mehr Betreuung und Pflege und erbringen gleichzeitig eine geringere Leistung.»
Denn: «Insbesondere Durchfallerkrankungen können bei Milchkühen zu einem erheblichen Leistungsabfall führen.»
Trockenheit fördert Durchfall-Futter
Dem Luzerner Kantonstierarzt Martin Brügger sind die aktuellen Fälle nicht im Detail bekannt. Eine gesetzlich geregelte Tierseuche stehe bei dieser Symptomatik aber nicht im Vordergrund.
Gegenüber Nau.ch äussert er eine Vermutung: «Nebst anderen Möglichkeiten könnte die Trockenheit insofern eine Rolle spielen, als dass rohfaserarme Futterpflanzen aktuell besser nachwachsen als rohfaserreiche Pflanzen. Ein tieferer Rohfasergehalt führt zu einer dünneren Konsistenz des Kotes.»
Die Behandlung sei abhängig von der Ursache. «Auf alle Fälle ist die Fütterung zu überprüfen.» Brügger empfiehlt rohfaserreicheres Futter und bei Bedarf den Tierarzt oder die Tierärztin zu Rate zu ziehen.















