Im Inselspital melden sich mehr Personen wegen Fledermaus-Kontakt
Mehrere Gründe kommen für die Häufung in Betracht. Klar ist: In jedem Fall ist eine Tollwut-Impfung angezeigt.

Das Wichtigste in Kürze
- Vermehrt suchen Personen im Inselspital Hilfe, die mit einer Fledermaus Kontakt hatten.
- Insbesondere bei Bissen und Kratzern ist eine Tollwut-Impfung nötig.
- Warum es die Häufung gibt, ist nicht eindeutig.
Fledermäuse gelten als äusserst geschickte Flieger, aber dennoch kommt es immer wieder zu Menschenkontakt.
Zum Beispiel, weil sich ein verletztes Tier bei einer gutgemeinten Rettungsaktion mit seinen spitzen Zähnen wehrt. Ein Klassiker sind auch Fledermäuse, die sich bei offenem Fenster in Schlafzimmern verirren.
Wer sich nach einer solchen Begegnung zum Spitalnotfall begibt oder vom Hausarzt in die Infektiologie geschickt wird, erhält den Bescheid: Die Tollwut-Impfung ist unbedingt empfohlen.
Tollwut ist tödlich, entsprechend empfiehlt das BAG die Impfung auch bei kleinsten Bissverletzungen. Weil ein Kontakt nicht ausgeschlossen werden kann, gilt die Impfempfehlung auch, wenn man nur schon mit einer lebenden, kranken oder toten Fledermaus im selben (Schlaf-)Zimmer aufwacht.
Inselspital: Mehr Abklärungen wegen Fledermäusen
Und das kommt diesen Sommer häufiger vor als in anderen Jahren, bestätigt der Mediensprecher der Inselgruppe, Didier Plaschy: «Am Inselspital sehen wir derzeit vermehrt Anfragen und Abklärungen im Zusammenhang mit möglichen Fledermaus-Kontakten. Dabei handelt es sich häufig um Situationen, in denen ein Biss oder Kratzer nicht sicher ausgeschlossen werden kann.»

Am Inselspital verzeichnete man solche Fälle etwa nach einer Kollision mit einer Fledermaus beim Joggen oder Velofahren. Oder dann eben, wenn am Morgen eine Fledermaus im Schlafzimmer entdeckt wird, bestätigt Plaschy.
Die naheliegende Vermutung: Es gab mehr verirrte Fledermäuse, weil im Hitzesommer Schlafzimmerfenster in grösserer Zahl und häufiger sperrangelweit offenstanden.
Problem Kippfenster: Tipps vom Experten
Das kann der Geschäftsführer der Stiftung Fledermausschutz, Hubert Krättli, allerdings so nicht bestätigen.
Aber: «Grundsätzlich werden im Spätsommer die jungen Fledermäuse flügge. Wir haben in den Monaten Juli, August und teilweise September jedes Jahr gehäuft Meldungen von durch Fenster eingeflogenen Fledermäusen», erklärt Krättli.
Mit grosser Wahrscheinlichkeit liege das am Erkundungsverhalten der Jungtiere. In der Regel bemerkten die Fledermäuse relativ schnell, dass sie an einem ungeeigneten Ort seien und flögen wieder hinaus.
«Wenn sie jedoch durch ein Kippfenster einfliegen, finden sie jedoch den Weg nach draussen oft nicht mehr», so der Fledermaus-Experte.

Dann gelte es, Ruhe zu bewahren, empfiehlt Hubert Krättli: «Die Fenster weit öffnen und das Licht ausschalten» – damit auch die Fledermaus die Ruhe bewahrt. «In aller Regel fliegt die Fledermaus schnell wieder hinaus.»
Bevölkerung sensibilisiert
Am Inselspital vermutet man denn auch leicht andere Erklärungen für die erhöhte Zahl an Fledermaus-Vorfällen.
«Als mögliche Gründe sehen unsere Fachpersonen insbesondere den langen und warmen Sommer mit vermehrten Aktivitäten in der Dämmerung», erklärt Mediensprecher Plaschy.
Hinzu komme wohl ein gestiegenes Bewusstsein in der Bevölkerung durch «die Berichterstattung zu tragischen Einzelfällen».
Das vermutet auch Experte Hubert Krättli, mit Verweis auf den an Fledermaustollwut gestorbenen Elfjährigen in Kanada.
Gibt es womöglich gar nicht sehr viel mehr Fledermaus-Vorfälle in der Schweiz, aber eine erhöhte Sensibilität? Möglich wäre es, denn: «Wir hatten dieses Jahr über unser Fledermausschutz-Nottelefon (079 330 60 60) bisher ein paar Anfragen zu Einfliegenden mehr als üblich», sagt Krättli.
Tollwut bei Fledermäusen: In der Schweiz sehr selten
Während die Vorsicht bei Fledermauskontakt durchaus angezeigt ist, sind es die Sorgen eher weniger. Anders als in der Schweiz gilt die Tollwut in Nordamerika nicht als ausgerottet.
Dort sind Fledermäuse auch ein wichtiger Verbreitungsvektor. In der Schweiz ist die Fledermaustollwut hingegen sehr selten.

Gemäss der Schweizerischen Tollwutzentrale sind in der Schweiz bisher sieben Fälle bei Fledermäusen diagnostiziert worden, der letzte im Jahr 2024.
Und dies auch nur bei zwei Arten, der Wasserfledermaus und der Breitflügelfledermaus, weiss Experte Krättli: «Bei den 28 anderen Arten wurde bisher noch nie Tollwut nachgewiesen.»
Nützling Fledermaus ist Millionen wert
Auch ein Grund für vermehrte Fledermaus-Mensch-Interaktionen könnte sein, dass es den Fledermäusen 2026 besser geht als auch schon.
«Unsere Fledermäuse dürften vom Hitzesommer zumindest kurzfristig eher profitiert haben», vermutet Hubert Krättli vom Fledermausschutz.
So seien im Mehrjahresvergleich deutlich weniger Fledermäuse in Not in die Notpflegestationen der Stiftung gelangt.

Im Hitzesommer 2003 hatte man dies ebenfalls beobachtet. «Dies könnte sich mit zunehmenden Hitzesommern jedoch ändern», vermutet Hubert Krättli.
Auch die Fledermäuse könnten dann leiden, wenn ihre Nahrung – vorwiegend Insekten – infolge Trockenheit kaum noch Futter findet.
Das wiederum könnte uns teuer zu stehen kommen. Fledermäuse gelten in der Schweiz als bedroht und stehen deshalb unter Schutz.
Unter anderem auch deshalb, weil sie mit ihrem Hunger auf Insekten ganz konkret nützen: «Basierend auf Hochrechnungen dürften Fledermäuse allein in der Schweiz Ökosystemleistungen von mehreren hundert Millionen bis zu mehreren Milliarden Franken für uns Menschen erbringen», stellt Krättli klar.








