Schuhladen-Mitarbeiter fängt Kunden mit Rucksack ab
Immer mehr Geschäfte setzen auf Rucksackverbote – in einem Schuh-Laden wird Kundschaft mit grossen Gepäckstücken gar von einem Mitarbeiter abgefangen.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Schweiz werden immer mehr Ladendiebstähle begangen.
- Ein Geschäft ergreift nun Massnahmen wie im Museum.
- Rucksäcke oder grosse Taschen darf man nicht mehr in den Laden mitnehmen.
In der Region Bern ist es DAS Schuhgeschäft: Schuhe Berger verkauft auf einer Fläche von rund 3500 Quadratmetern Sandalen, Sneakers, High-Heels und Co.
Ein Angebot, auf das es offenbar auch Langfinger abgesehen haben. Das zumindest lässt eine Massnahme vermuten, die der Laden nun ergriffen hat.
Wie Nau.ch weiss, wird die Kundschaft neuerdings am Eingang von einem Mitarbeiter empfangen, der für die Garderobe zuständig ist.
Konkret: Kundinnen und Kunden, die grösseres Gepäck dabei haben, hält er auf – der Rucksack muss draussen bleiben. Wie im Museum.
Kundinnen finden Rucksackverbot «verständlich»
«Zuerst hat mich das schon ein wenig stutzig gemacht», erzählt eine Kundin Nau.ch. «Bei solchen Massnahmen ist natürlich das Risiko da, dass man sich als Kundin unter Generalverdacht fühlt.»
Sie zeigt sich jedoch versöhnlich. «Wenn das gegen Diebstahl hilft, habe ich kein Problem damit.»

Eine andere Kundin lobt das Geschäft bei Nau.ch sogar für die Massnahme. «Die Preise sind völlig in Ordnung, und trotzdem wird offenbar geklaut. Da finde ich es verständlich, dass etwas dagegen unternommen wird.»
Schon länger steht direkt beim Eingang ein Regal, in dem man sein Gepäck einschliessen kann, wie Nau.ch weiss. Doch dass die Kundschaft von einem Mitarbeiter abgefangen wird, das gab es früher nicht.
Wann genau die Massnahme eingeführt wurde, ist unklar. Schuhe Berger will sich auf Anfrage nicht zum Thema äussern.
Auch Volg, Coop und Migros-Tochter setzten schon auf Rucksackverbote
Klar ist: Massnahmen wie ein Rucksackverbot im Geschäft sind im Schweizer Detailhandel bislang die Ausnahme.
Der Schweizerischen Kriminalprävention sind keine weiteren Geschäfte bekannt, die ähnliche Massnahmen haben.
Erfunden hat Schuhe Berger das Konzept allerdings nicht. Schon 2009 setzte eine Volg-Filiale im Kanton Aargau auf ein Rucksackverbot.
Und seither gibt es immer mehr Geschäfte, die Ähnliches einführen: 2021 erteilte die Coop-Filiale in Täuffelen BE Jugendlichen Rucksackverbot im Laden. Auch eine Filiale der Migros-Tochter Voi verbot 2023 das Einkaufen mit eigenen Taschen.
Wird Rucksackverbot bald die Regel?
Es gibt also immer mehr Geschäfte, die solche Massnahmen einführen. Wird aus der Ausnahme angesichts der steigenden Ladendiebstahlzahlen bald die Regel?
Die Detailhandelsverbände hüllen sich in Schweigen.
Die Kriminalprävention gibt zu bedenken, dass die Massnahme vermutlich schwierig umzusetzen sei. Schliesslich brauche man dafür Personal und eine Garderobe oder Schliessfächer.
Vielleicht ist sie also schlicht zu aufwändig, als dass sie bald im grossen Stil in Schweizer Geschäften eingeführt würde.
Auch offen bleibt die Frage, wie wirksam solche Rucksackverbote tatsächlich sind.
Die Kantonspolizei Bern will sich auf Anfrage nicht zu «den spezifischen Massnahmen eines Detailhandelsgeschäfts» äussern. Also auch nicht dazu, ob Rucksackverbote ihren Zweck erfüllen.
Das rät die Polizei
Dafür teilt Polizeisprecherin Deborah Zaugg einige Tipps, die die Kapo Detailhandelsgeschäften in ihren Sicherheitsberatungen gibt.
So gelte es, «Aufmerksamkeit und Sensibilität des Ladenpersonals durch Schulungen zu stärken».
Weiter rät die Kapo, die Ladeninfrastruktur so zu gestalten, dass die Verkaufsfläche übersichtlich und gut einsehbar bleibt. So, dass sie «mit geeignetem Personaleinsatz im Blick behalten werden kann».

Ein weiterer Tipp sind Diebstahlsicherungen und Vitrinen, die Produkte vor unbemerkter Wegnahme schützen.
Das sind allerdings nur Beispiele. Eine allgemeingültige Empfehlung sei nicht möglich, da jeweils die individuelle Situation der Geschäfte berücksichtigt werden muss.
Ladendiebstähle nehmen zu
Feststeht: Wenn sich der Detailhandel vor Gewinneinbussen wegen Ladendieben schützen will, muss er handeln. Die Fälle haben in den letzten Jahren stark zugenommen.
2024 wurden laut der Kriminalstatistik fast 26'000 Ladendiebstähle verzeichnet. Vor zehn Jahren waren es noch 15'600.

Dass in der Branche teilweise die Nerven blank liegen, zeigte kürzlich ein Beispiel aus einer H&M-Filiale: Dort unterstellte ein Mitarbeiter zwei Jugendlichen Diebstahl, ohne ihnen etwas nachweisen zu können.