SBB und Co. geht der Schweizer Gleisschotter aus
Auf dem Schweizer Schienennetz sind immer mehr Reisende unterwegs. Der Mangel an Schottersteinen für die Gleise wird bei BLS und SBB zur Herausforderung.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Bahnschotter stabilisiert die Gleise.
- Bei der BLS gibt es nur noch zehn bis 15 Jahre Nachschub an Neuschotter.
- Auch die SBB beschäftigt das begrenzte Vorkommen in den Schweizer Steinbrüchen.
Rund 50'000 Tonnen neuen Schotter braucht die Bahngesellschaft BLS jährlich für den Gleisunterhalt. Denn: Die Züge nutzen den Bahnschotter ab. Dabei werden die Steine gespalten und runden sich ab.
Infrage kommen nur eckige Steine. So können sie sich ineinander verkanten und das Gleis stabilisieren.
Nun droht dem Bahnunternehmen, das die Berner S-Bahn, Teile der Luzerner S-Bahn und den Autoverlad Lötschberg-Simplon betreibt, der Nachschub auszugehen.
Denn: Das Hartgestein ist in den Alpen nicht unendlich vorhanden. Aktuell ist Neuschotter deshalb nur noch rund zehn bis 15 Jahre verfügbar.
Die BLS bezieht den Neuschotter von der Steinbrüchen AG Balmholz und SHB Mitholz. Stefan Locher, Mediensprecher der BLS AG, sagt zu Nau.ch: «Die Konzessionen unserer Lieferanten laufen in den nächsten 10 bis 15 Jahren aus.»
Damit die Versorgung langfristig gesichert bleibt, müssen laut Locher zusätzliche Abbaugebiete erschlossen und neue Konzessionen, also Zugeständnisse, vergeben werden. «Oder bestehende verlängert werden.»
«Schotter nutzt sich stärker ab»
Aus Naturschutzgründen lehnen die Behörden neue Konzessionsgesuche jedoch zunehmend ab. Auf andere Standorte auszuweichen, ist schwierig. Oft sind sie nicht wirtschaftlich oder entsprechen nicht den geologischen Anforderungen.
2025 waren täglich 1,43 Millionen Reisende mit der SBB unterwegs – ein erneuter Rekord. Auch die BLS ist bei der Anzahl Fahrgäste auf Rekordkurs. Die zunehmende Nutzung des Schienennetzes verschärft den Engpass.
«Wenn mehr Züge über eine Strecke fahren, nutzt sich der Schotter stärker ab», sagt Stefan Locher. Deshalb sei es wichtig, qualitativ guten Schotter zu verbauen. «Und mit den richtigen Unterhaltsmassnahmen die Lebensdauer zu verlängern.»
SBB weicht bei Engpässen ins Ausland aus
Die Beschaffung von Neuschotter beschäftigt auch die SBB.
Sie benötigt pro Jahr bis zu 700'000 Tonnen Schotter. 90 Prozent des verwendeten Gleisschotters stammen aus der Schweiz. Zehn Prozent importiert das Bahnunternehmen aus Deutschland und Frankreich.
An den heute bekannten Abbaustandorten seien die Vorkommen begrenzt, sagt Mediensprecherin Carmen Hefti. «Die Beschaffung von Hartschotter wird somit langfristig zur Herausforderung.»
Die Ressourcen der SBB neigen sich aktuell aber noch nicht dem Ende zu. «Wir haben mit unseren Partnern weit über 30 Jahre eine entsprechende Verfügbarkeit», sagt Carmen Hefti.
«Sollte es in den nächsten Jahrzehnten zu Engpässen kommen, müssen wir ins benachbarte Ausland ausweichen.» Dies sieht die SBB für den Fall von Einschränkungen im Zusammenhang mit der Konzession auf dem Schweizer Markt vor.
Recycling-Schotter als Lösung
Auch bei der SBB steigt der Bedarf an Schotter. Die technischen Komponenten wie Schwellen oder Schienenbefestigungen werden laut dem Bahnunternehmen weiterentwickelt, um dem Ausbau des Zugverkehrs gerecht zu werden.
Trotz dieser Weiterentwicklungen nähmen die Belastungen übermässig zu, sagt Carmen Hefti. «Somit müssen alle Komponenten, auch der Schotter, aufgrund des zunehmenden Verkehrs tendenziell etwas früher erneuert werden.»
Die BLS versucht, den drohenden Engpass mit einer neuen Alternative zu beheben. «Mit dem vermehrten Einsatz von Recycling-Schotter wollen wir sorgsam mit den knappen Ressourcen umgehen», sagt Stefan Locher.
Bei der Gleiserneuerung setzt die Bahngesellschaft aktuell rund 10 bis 15 Prozent Recycling-Schotter ein. «Zukünftig möchten wir diesen Anteil noch steigern.»
In einem Pilotprojekt sammelt die BLS derzeit Erfahrungen. «Um herauszufinden, wie sich der Recycling-Schotter verhält und inwieweit er Neuschotter ersetzen kann», sagt Locher.


















