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    SBB hätte bei Gotthard-Unfall Schlimmstes verhindern können – Kritik

    Stephan Felder
    Stephan Felder

    Faido,

    Ein neues Gutachten zum Gotthard-Unglück belastet die SBB: Warnmeldungen seien erkannt worden, reagiert habe dennoch niemand.

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    Der verunglückte Güterzug im Gotthard-Basistunnel. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Laut einem Gutachten hätte die SBB vor der Entgleisung eingreifen können.
    • Im Betriebszentrum erschienen Fehlermeldungen, die jedoch keine Notbremsung auslösten.
    • Die SBB weist die Kritik zurück und spricht von korrekt funktionierenden Systemen.

    Der folgenschwere Güterzug-Unfall im Gotthard-Basistunnel hätte möglicherweise verhindert werden können. Zu diesem Schluss kommt ein neues Gutachten im Auftrag der Tessiner Staatsanwaltschaft, über das die SRF-«Rundschau» berichtet.

    Der Unfall wegen eines Radbruchs im August 2023 hatte zu einem Schaden von 150 Millionen Franken geführt. Die Tunnelröhre musste für über ein Jahr gesperrt werden.

    Dem Bericht zufolge häuften sich die Störungsmeldungen rund zweieinhalb Minuten vor der eigentlichen Entgleisung. Unter anderem blieb ein Streckenabschnitt auf den Bildschirmen rot markiert, obwohl der Zug diesen bereits passiert hatte.

    Acht Fehlermeldungen vor der Entgleisung

    Zudem registrierten die Systeme mehrere Achszählerstörungen. Laut Gutachten hatte das beschädigte und herunterhängende Rad Kabel entlang der Strecke beschädigt.

    Insgesamt soll der Zug acht Fehlermeldungen ausgelöst haben. Weder das System noch das Personal hätten die Situation jedoch als Gefahr erkannt.

    In anderen Tunnelabschnitten seien bereits seit Wochen ähnliche Störmeldungen angezeigt worden. Grund dafür seien defekte Achszähler gewesen, die laut einem internen SBB-Bericht jedoch kein Sicherheitsrisiko dargestellt hätten.

    SBB weist Vorwürfe zurück

    Die SBB widerspricht der Darstellung im Gutachten. Sie schreibt in ihrer Stellungnahme, das Gutachten unterstelle der SBB, bei der Entgleisung Warnsignale ignoriert zu haben. Sie hätten damit verhindert, das Schadensausmass zu reduzieren.

    Das sei falsch und eine isolierte Einschätzung. Diese werde weder von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) noch vom Bundesamt für Verkehr (BAV) geteilt.

    Die Sust habe im Abschlussbericht als Unfallursache den Bruch der Radscheibe eines Güterwagens festgestellt. «Kein Versagen der SBB-Systeme oder der Betriebsführung.»

    Die Betriebsführung habe korrekt gehandelt, «die Systeme haben richtig funktioniert – Ursache ist der Radbruch eines Güterwagens».

    Zudem handle es sich um ein laufendes Verfahren. Im Rahmen des Verfahrens habe die SBB der Tessiner Staatsanwaltschaft ihre detaillierte Stellungnahme dazu zukommen lassen.

    Bist du schon mal mit dem Zug ins Tessin gefahren?

    Um das Risiko künftiger Entgleisungen zu senken, müsse insbesondere der Unterhalt bestimmter Güterwagen verbessert werden. Diese Wagen gehören internationalen Haltern, schrieben die Bundesbahnen weiter.

    SBB unterstützten Sicherheitsempfehlungen

    Die SBB unterstütze deshalb die Sicherheitsempfehlungen der Sust vom Juni 2025. Gleichzeitig verlange sie rasche behördliche Massnahmen zur Verbesserung des Unterhalts dieser Wagenflotte.

    Laut der Stellungnahme der SBB hat das Unternehmen nach dem Unfall verschiedene Konsequenzen gezogen.

    So werden Güterwagen unter anderem intensiver kontrolliert. Zudem wurden vor dem Gotthard-Basistunnel an neuralgischen Punkten Entgleisungsdetektoren installiert.

    Kommentare

    User #6460 (nicht angemeldet)

    Wenn bei Durchfahrt des Zuges schön der Reihe nach Abschnitt für Abschnitt ein Fehler auftaucht und stehenbleibt, dann müssen die schon hellhörig werden und erkennen, daß wohl mit dem Zug etwas nicht stimmen dürfte, und diesen mindestens für einen Check stoppen.

    User #5462 (nicht angemeldet)

    Die Güterzüge, die an den Bahnhöfen vorbeidonnern sind höchsgefährlich. Ich finde das so nicht mehr zeitgemäss.

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