Restaurants verweigern Familie in Italien Tisch
Drei Restaurants weisen eine Familie in Italien für ein Abendessen ab. Im vierten hat sie Erfolg – allerdings mit bitterem Beigeschmack.

Das Wichtigste in Kürze
- Politikerin Ludovica Cioria will in Orvieto mit ihrem Partner und den beiden Töchtern auswärts essen.
- Drei Restaurants hätten sich geweigert, ihnen einen Platz anzubieten, berichtet sie.
- Das vierte Restaurant setzte die Familie an einen Zweiertisch und sorgte nicht nur deshalb für Frust.
Italien verliert als kinderfreundliches Land gerade ein paar Punkte. «Was für eine Wut und was für eine Traurigkeit», schreibt Ludovica Cioria in einem Facebook-Post.
Am Montag wollte sie mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in den Ferien im umbrischen Orvieto auswärts essen gehen. Dies erwies sich für die Familie der Vizepräsidentin des Stadtrats von Turin jedoch beinahe als unmöglich.
Drei Restaurants hätten sich geweigert, ihr, ihrem Partner und den beiden Mädchen, einen Platz anzubieten, so Cioria. «Obwohl Dutzende Tische frei waren, zumal wir auch früh kamen.»
Das vierte Restaurant bot der Familie einen Tisch an. Der nächste Frust folgte aber sofort. «Sie haben uns zu viert an einen Zweiertisch gesetzt», schreibt Cioria.
Der Besuch hat zudem einen bitteren Beigeschmack: Das Paar am Zweiertisch daneben erhielt einen zusätzlichen Stuhl – extra für den Hund.
Platz für Hund
Die Mutter und Politikerin prangert das Vorgehen an.
«Das ist die Welt, die wir schaffen», kritisiert die 37-Jährige, die auch Vertreterin der Demokratischen Partei ist. «Wo sogar das Essen zum Wettbewerb wird, wo nur derjenige gewinnt, der am meisten bezahlt.» Sie fährt fort: «Wo die Kinder ein Problem sind, weil sie zu wenig konsumieren.»
Und: «Wo ein Hund einen Platz hat und sich zwei Mädchen kleinmachen müssen, um nicht zu stören.»
Sie stellt jedoch klar, dass nicht «das Hündchen» das Problem sei. «Das Problem ist der Overtourismus, der Städte unzugänglich und ungastlich mache. «Weil sie ganz im Zeichen der kommerziellen Interessen stehen.»
Nicht reserviert? Cioria kontert
Der Post hat laut «Torino Today» viele Reaktionen ausgelöst. Die einen User seien der Meinung, dass die Gesellschaft die Bedürfnisse von Familien und Kindern immer weniger berücksichtige.
Andere User machten darauf aufmerksam, dass die Familie keinen Platz gefunden habe, weil sie nicht reserviert habe.
Ludovica Cioria konterte aber: «Alle haben sich intern beraten, um zu entscheiden, ob sie uns hereinlassen.» Sie möge es nicht, grundlos mediale Hetzjagden zu veranstalten.
Städte für Klein und Gross gefordert
Der Post ist inzwischen auf dem Facebook-Profil der Politikerin verschwunden.
Am Donnerstag stellte Ludovica Cioria sie in einem Post ihre Absicht klar. Es sei ihr weder um eine Einschätzung der einzelnen Restaurants noch um ein Urteil über die Bewohnenden von Orvieto gegangen. Stattdessen brauche es Städte für Klein und Gross.
Die lokale Tourismusorganisation habe ihr einen «sehr freundlichen Vorschlag gemacht», teilt die Politikerin weiter mit. Sie bedanke sich für die Aufmerksamkeit und die Herzlichkeit. «Wir kommen gerne wieder nach Orvieto, das, ich betone es, in jedem Fall ein herrliches Ziel ist und bleibt.»

















