Mädchen-Shorts zu knapp? Modeexpertin widerspricht Viral-Mutter
Eine US-Mutter prangert knappe Mädchenkleider an und geht damit viral. Eine Schweizer Modeexpertin hält die Aufregung für übertrieben.
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Das Wichtigste in Kürze
- Eine US-Mutter kritisiert knappe Schnitte bei Mädchenkleidern.
- Ihre Videos erreichen auf Social Media Millionen Menschen.
- Modeexpertin Mira Huber sieht in der Schweiz keinen solchen Trend.
- Sie hält die Debatte für übertrieben und vertraut auf die Eltern.
Warum bekommen fünfjährige Mädchen Mini-Shorts, während die Hosen gleichaltriger Buben deutlich länger sind? Diese Frage sorgt in den USA gerade für eine heftige Diskussion.
Ausgelöst hat sie die Mutter und Influencerin Kat. Auf Instagram vergleicht sie Kinderkleider verschiedener US-Händler miteinander. Ihre Videos erreichen Millionen Menschen.
Mädchen-Shorts erinnern sie an Unterwäsche
Besonders ein Vergleich bei Old Navy sorgt für Aufsehen. Kat hält eine sehr kurze Jeanshose für ein fünfjähriges Mädchen neben eine deutlich längere Hose für einen gleichaltrigen Buben.
«Das ist es, was Old Navy denkt, dass dein fünfjähriges Mädchen auf der Rutschbahn tragen sollte», kritisiert sie laut der «New York Post».
Auch bei Walmart und Target findet sie ähnliche Beispiele. Kat kontrolliert dabei unter anderem die Grössenangaben. Ihr Argument: Sind Körpergrösse und Gewicht bei Mädchen und Buben vergleichbar, gebe es keinen Grund, weshalb die Mädchenhose so viel kürzer sein müsse.
Auch Badebekleidung nimmt sie unter die Lupe. Bei einzelnen Mädchenmodellen seien die Ausschnitte so knapp, dass darunter sogar die Schwimmwindel hervorscheine.
Für Kat steckt dahinter mehr als eine modische Frage. Mädchen bekämen Kleidung, die stärker auf Aussehen und weniger auf Bewegung ausgelegt sei.
Psychologin sieht mögliche Botschaft an Mädchen
Unterstützung erhält die Mutter von der US-Psychologin Shahrzad Jalali. Sie warnt gegenüber der «New York Post» davor, die Wirkung solcher Unterschiede vorschnell abzutun.
Wenn Buben immer wieder Kleidung erhielten, mit der sie problemlos rennen, klettern und spielen könnten, während bei Mädchen das Aussehen stärker im Vordergrund stehe, könnten Kinder diese Unterschiede durchaus wahrnehmen.
Die Debatte spaltet das Netz. Zahlreiche Mütter schreiben, dass sie für ihre Töchter deshalb regelmässig in der Bubenabteilung einkaufen.
Andere werfen Kat hingegen vor, selbst Kinderkleidung zu sexualisieren und aus gewöhnlichen modischen Unterschieden einen Skandal zu machen.
Schweizer Modeexpertin: «Ich sehe die Sexualisierung nicht»
Genau dort setzt die Schweizer Produktdesignerin und Modeexpertin Mira Huber an. Sie hat sich mehrere der Videos angeschaut und sagt zu Nau.ch: «Ich sehe die Sexualisierung im Fall nicht.»
Vor allem lasse sich die Situation in den USA nicht einfach auf die Schweiz übertragen.

Amerikanische Marken machen schätzungsweise einen Anteil im niedrigen zweistelligen Prozentbereich des Schweizer Modemarktes aus. Der Markt ist insgesamt deutlich stärker europäisch geprägt.
Huber sagt dazu: «Wir sind eher an italienischen, französischen, spanischen und deutschen Marken orientiert.» Dazu kämen Eigenkollektionen von Zara, H&M oder C&A.
Und dort erkenne sie keinen problematischen Trend.
«Wenn du bei Zara oder H&M bei kleinen Kindern oder Babys schaust, finde ich das absolut moderat», sagt Huber. Das gelte sowohl für Schnitt und Passform als auch für die Auswahl.
Eine zunehmende Sexualisierung von Kinderkleidung könne sie in der Schweiz nicht erkennen.
«Für mich ist das übertrieben»
Huber hält auch unterschiedliche Schnitte für Mädchen und Buben grundsätzlich nicht für problematisch.
«Warum sollen Mädchen den gleichen Schnitt oder Fit haben wie ein Junge?», fragt sie. Dass etwa Mädchenhosen teilweise kürzer geschnitten seien, sei in der Mode nichts Aussergewöhnliches.
Hersteller orientierten sich zudem daran, was Kundinnen und Kunden tatsächlich kauften. «Die Zahlen sprechen eine ganz klare Sprache», sagt Huber. Unterschiedliche Schnitte, Farben und Stoffe würden angeboten, weil dafür eine Nachfrage bestehe.
Wer für seine Tochter lieber längere oder weiter geschnittene Kleidung wolle, habe dafür ebenfalls genügend Möglichkeiten.
Kritischer sieht die Modeexpertin einzelne Badeanzüge mit seitlichen Ausschnitten. Diese seien aus ihrer Sicht teilweise schlicht unpraktisch. Vor allem beim Sonnenschutz könne weniger Stoff zum Nachteil werden. Eine Sexualisierung sieht Huber aber auch darin nicht.
Ihr Fazit zur Debatte fällt deutlich aus: «Für mich ist es übertrieben, was sie da sagt. In der Schweiz sehen wir das überhaupt nicht.»
Der Schweizer Markt sei bei Kinderkleidung im internationalen Vergleich vielmehr eher zurückhaltend. Huber sagt: «Der Schnitt ist eher konservativ.»
Huber vertraut dabei auch auf die Eltern: «Mütter in der Schweiz haben eine gute Kompetenz, passende Kleidung für ihre Kinder auszuwählen.»
















