Retter warnen: KI führt Wanderer über Gletscher zum Gardasee
Kein Einzelfall: Eine Gruppe plante per KI eine Wanderung zum Gardasee – Sie schickte sie über einen Gletscher. Ortskundige verhinderten den Plan kurz zuvor.

Das Wichtigste in Kürze
- Vermieter einer Berghütte rieten Urlaubern dringend davon ab, einen Gletscher zu überqueren – die Route war von einer KI geplant worden.
- Die Bergrettung Meran (I) warnt davor, beim Wandern blind auf KI-gestützte Routenplaner zu vertrauen.
- Schon im Herbst 2025 mussten zwei Wanderer nach einer KI-Route im Allgäu per Helikopter gerettet werden.
Künstliche Intelligenz erleichtert die Reiseplanung erheblich. Im Hochgebirge kann ihr Einsatz jedoch gefährlich werden.
Das zeigt ein Beispiel aus den italienischen Alpen: Eine Gruppe plant ihre Wanderung mithilfe einer KI. Diese schlägt eine Route vom Dorf Tirol über Martell bis zum Gardasee vor.
Der Haken: Der vorgeschlagene Weg führt über einen Gletscher – ein Gelände, das spezielle Ausrüstung und alpine Erfahrung erfordert.
Auf ein solches Areal ist die Gruppe nicht vorbereitet.
Nur dank der aufmerksamen Vermieter ihrer Unterkunft bleibt ihnen ein riskantes Abenteuer erspart. Diese erkennen die Gefahr und halten die Wanderer von der Tour ab, wie das italienische Nachrichtenportal «Rai» berichtet
Die Bergrettung Meran warnt vor blindem Vertrauen in digitale Routenplaner.
Bergretter Gruber warnt vor KI-generierten Routen
Stefan Gruber, Leiter der Bergrettungsstation Meran, findet gegenüber dem italienischen Nachrichtenportal «Rai» klare Worte zur vorgeschlagenen Route: «Das ist nicht nur ein langer Wanderweg, sondern auch eine Strecke, die für Bergungeübte völlig ungeeignet ist.»
Er warnt davor, sich ausschliesslich auf automatisierte Wegbeschreibungen zu verlassen. Eine Software könne die aktuellen Bedingungen im Gebirge nicht zuverlässig einschätzen.

Stattdessen empfiehlt er, sich vor Ort bei Gastgebern oder ortskundigen Personen zu informieren.
Diese kennen die aktuellen Verhältnisse in den Bergen und können beurteilen, welche Routen derzeit sicher begehbar sind.
Experten empfehlen Beratung vor jeder Bergtour
KI-Systeme greifen auf Daten zurück, die nicht immer aktuell sind. Sie erkennen nicht, ob ein Gletscher aufgebrochen ist, ob ein Weg gesperrt wurde oder ob ein Steig überwuchert ist.
Gerade im Hochgebirge ändern sich die Bedingungen oft sehr schnell. Schlechtes Wetter, Steinschlag oder Schneefall können eine Route von einem Tag auf den anderen unpassierbar machen. Digitale Systeme bilden diese dynamische Realität nur unzureichend ab.
Experten raten deshalb zur Vorsicht: KI kann bei der groben Orientierung hilfreich sein. Für die konkrete Planung einer Bergtour sind jedoch verlässliche, aktuelle Informationen und gesunder Menschenverstand unerlässlich.
Wanderer verlieren in den Allgäuer Alpen die Orientierung
Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich in den Allgäuer Alpen. Zwei Wanderer liessen sich ihre Route auf das Schmalhorn (1953 m) von der Künstlichen Intelligenz ChatGPT planen.
Dabei gerieten sie in Bergnot und mussten gerettet werden, eine der beiden Personen erlitt eine Panikattacke.

Laut dem «Österreichischen Rundfunk Kärnten» verlief der Weg durch unwegsames Gelände und war für gewöhnliche Wanderer ungeeignet.
Die Bergwacht Oberstdorf bezeichnete den Einsatz als gefährlichen Präzedenzfall und rät dringend vom Einsatz Künstlicher Intelligenz zur Tourenplanung ab.

















