Pendler genervt: Mann raucht seelenruhig im Bus

Rowena Goebel
Rowena Goebel

Bern,

Irritierte Gesichter und zugehaltene Nasen im Berner ÖV: Ein Mann raucht mitten im Bus seine Zigarette.

bern
Ein Fahrgast traut seinen Augen nicht, als er das sieht: Ein Mann raucht mitten im Bus seine Zigarette. - Nau.ch-Leserreporter

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Foto zeigt, wie ein Mann in einem Berner Bus eine Zigarette raucht.
  • Die anderen Fahrgäste halten sich die Hand vor Nase und Mund – aber niemand sagt etwas.
  • Solche Zwischenfälle sind selten, doch sie passieren auch in anderen Schweizer Städten.

Der Bus kommt am Berner Eigerplatz an. Die Türen gehen auf, einige steigen aus, andere ein. Und plötzlich stinkt es im ganzen Bus penetrant nach Rauch.

Pendler Martin K.* denkt sich erst nichts dabei, schliesslich wird an der Haltestelle viel geraucht. Er sagt zu Nau.ch: «Ich habe vermutet, dass eine Rauchfahne in den Bus geweht wurde, als die Tür offen stand.»

Doch dem ist nicht so, wie er kurz darauf feststellt. «Auch als der Bus losgefahren ist und die Türen längst zu waren, hörte es nicht auf, zu stinken. Also schaute ich mich um – und traute meinen Augen kaum.»

«Einige wechselten den Platz»

Mitten im Bus raucht ein Mann seelenruhig seine Zigarette. Alle Blicke sind auf ihn gerichtet. «Die Leute hielten sich die Hand vor Nase und Mund, einige wechselten sogar den Platz», berichtet K.

«Ich musste husten, so penetrant war der Gestank.» Aber niemand traut sich, etwas zu sagen – auch Martin K. nicht. Dem Chauffeur scheint der Übeltäter nicht aufzufallen.

Zwei Haltestellen weiter ist die Rauchbelästigung dann auch wieder vorbei. K. vermutet, dass es sich beim Raucher um einen Randständigen handelt.

«Trotzdem: So ein asoziales Verhalten habe ich selten erlebt im ÖV», ärgert sich der Berner.

Kein Wunder: Im gesamten Schweizer ÖV gilt seit 20 Jahren ein Rauchverbot. Den meisten ist klar, dass Rauchen in Bus und Bahn tabu ist.

Randständige im ÖV: «Gewisse Toleranz notwendig»

Aber eben nicht allen.

Rolf Meyer vom Berner Bus- und Trambetreiber Bernmobil sagt zu Nau.ch: «Wir stellen im täglichen Betrieb fest, dass unsere Regeln sehr gut eingehalten werden. Dass sich einzelne Fahrgäste ab und zu nicht daran halten, liegt in der Natur der Sache.»

Störe man sich am Verhalten eines anderen Fahrgastes, könne man ihn höflich darauf aufmerksam machen.

Meyer gibt jedoch zu bedenken: «Bei Fahrgästen, die gesellschaftlich nicht (mehr) integriert sind, ist eine gewisse Toleranz notwendig.»

Bist du ein toleranter Mensch?

Er betont zudem, dass die Busfahrerinnen und -fahrer keine Polizisten seien. «Ihre Aufgabe ist es, die Fahrgäste sicher zu transportieren.»

In solchen Situationen liege es in ihrem Ermessen, zu entscheiden, ob eine Intervention angemessen ist oder nicht.

Auch SBB und Co. müssen sich mit ÖV-Rauchern herumschlagen

Eine kurze Nau.ch-Umfrage unter diversen ÖV-Unternehmen zeigt: Die meisten kennen das Problem. Häufig ist Rauch in Bus, Tram und Zug aber nicht mehr.

Die SBB bestätigt auf Anfrage von Nau.ch, dass angezündete Zigaretten tatsächlich auch in ihren Zügen vorkommen. Allerdings «nur sehr selten», wie Sprecherin Fabienne Thommen sagt.

Rauchen
Früher normal, heute tabu: Rauchen im Zug. (Archivbild aus dem Entlebuch, 2003) - keystone

Das hat Konsequenzen: «Personen, die im Zug rauchen, werden gebüsst und können aus dem Zug verwiesen werden», ergänzt sie. Für die Kontrolle, Umtriebe sowie Reinigung bei Verschmutzung erhebe die SBB eine Entschädigung nach Aufwand.

Auch die Zürcher Verkehrsbetriebe VBZ, die Basler Verkehrsbetriebe BVB und die BLS bestätigen, dass es solche Zwischenfälle gibt. Alle sagen jedoch, sie kämen «sehr selten» oder «sehr vereinzelt» vor.

«2024 haben wir insgesamt zwei Beschwerden von Fahrgästen diesbezüglich erhalten, 2025 noch keine», heisst es beim VBZ.

Raucher stören sonst eher an der Haltestelle

In Luzern sorgen Raucher im ÖV ebenfalls selten für Ärger. Laut Sprecher Mark Schwegler sind angezündete Zigaretten in Bussen dort «kein grosses Thema».

Aber: Es habe zuletzt eher Beschwerden über Rauchen und Zigi-Littering an Haltestellen gegeben. Nächstes Jahr gibt es in Luzern deshalb eine entsprechende Sensibilisierungskampagne.

Raucher
An Bus- und Tramhaltestellen – hier in Bern – wird viel geraucht. Es ist erlaubt, sorgt aber trotzdem für Ärger. Verbote sind kaum in Planung. - Nau.ch-Leserreporterin

Das erstaunt Claudia Künzli von der Lungenliga nicht. «Auch wir erhalten regelmässig Zuschriften aus der Bevölkerung von Menschen, die an Haltestellen mit Passivrauch konfrontiert werden.»

Die Meldungen beunruhigen die Lungenliga. Denn: Passivrauch ist schädlich – egal ob draussen an der Haltestelle oder sogar drinnen im Bus.

Anti-Rauch-Aktivisten warnen vor krebserregenden Stoffen

Künzli warnt: «Passivrauch beinhaltet grundsätzlich dieselben schädlichen und krebserregenden Stoffe wie der Rauch einer aktiv gerauchten Zigarette

Wird man zum Passivrauchen an der Haltestelle gezwungen, vermischt sich der Rauch noch mit der Umgebungsluft, wie Künzli erklärt. Anders im Bus: «Je kleiner ein Raum ist, desto höher ist die Schadstoffbelastung.»

Sollte Rauchen an Bus- und Tramhaltestellen verboten werden?

Immerhin: Auch die Lungenliga geht davon aus, dass Raucher-Zwischenfälle in Bus, Tram und Zug heute eine Seltenheit sind. «Dazu hatten wir noch keine Meldungen», sagt Künzli.

Auch den Verkehrsbetrieben St. Gallen, dem Winterthurer Stadtbus und den Verkehrsbetrieben Biel sind keine solchen Vorfälle bekannt.

Übrigens: Der Eigerplatz, wo der rauchende Mann eingestiegen ist, ist in Bern als Ort bekannt, an dem die unterschiedlichsten Menschen aufeinandertreffen: Drogenabhängige, Familien, Pendler – sie alle kommen dort vorbei.

Haltestelle am Eigerplatz
Am Eigerplatz in Bern treffen Drogenabhängige, Pendler und Familien aufeinander. - Nau.ch

In der Nähe befindet sich eine Anlaufstelle für suchtmittelabhängige Menschen. Oftmals wird an der Haltestelle gekifft, teilweise werden auch andere Drogen offen konsumiert.

In Bern ist es zudem nicht das erste Mal, dass ein Raucher im Bus für Ärger sorgt. Vergangenes Jahr ermahnte ein Chauffeur einen Fahrgast gar in einer Durchsage, nachdem dieser Zigarettenrauch in den Bus geblasen hatte.

*Name von der Redaktion geändert

Kommentare

User #5250 (nicht angemeldet)

Zivilcourage ist nicht, bei Nau heulen zu gehen. Legt euch ein Rückrad zu oder schweigt. Ob Randständig oder nicht, Regeln machen nur sinn wenn diese durchgesetzt werden.

User #3058 (nicht angemeldet)

Die Person wirkt randständig.

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