Nicht Pannenzug? Es stinkt an Bahnhöfen – SBB gibt Gullis Schuld
Mit der Hitze ist der Fäkalgeruch zurück in den grossen Schweizer Bahnhöfen. Am Pannenzug FV-Dosto kann es dieses Jahr nicht liegen – sagt die SBB.

Das Wichtigste in Kürze
- Auch dieses Jahr stinkt es an warmen Tagen wieder an den grossen Schweizer Bahnhöfen.
- Der Verdacht liegt nahe: Ist etwa immer noch der Pannenzug FV-Dosto schuld?
- Die SBB schliesst das grundsätzlich aus. Fäkalgerüche könnten verschiedene Ursachen haben.
Das Zugmodell FV-Dosto – auch bekannt als Pannenzug – hat der SBB immer wieder Probleme bereitet. Eines davon: Der WC-Gestank.
Besonders ausgeprägt war das Problem zu Beginn. Es stank auf den Gleisen an den Bahnhöfen, aber auch im Zug selbst nach Fäkalien. Besonders am Hauptbahnhof Zürich rümpften Pendler die Nase.
Verantwortlich für den Fäkalgeruch war ein Problem mit den Bioreaktoren, wie die SBB damals erklärte. Dabei handelt es sich um kleine Kläranlagen in den FV-Dosto-Toiletten, in denen Bakterien die WC-Flüssigkeit zersetzen.
Das Problem machte sich vor allem bemerkbar, wenn die Züge standen, also oftmals in den Bahnhöfen. Denn dann befindet sich das System im Energiesparmodus – und im Energiesparmodus bekamen die Kläranlagen zu wenig Sauerstoff.
Die Folge: Die Bakterien im Bioreaktor konnten die WC-Flüssigkeiten nicht zersetzen. 2024 gab es ein Software-Update, das die Luftzufuhr erhöht.
Schon zuvor hatte die SBB die Seife angepasst, weil sich herausgestellt hatte, dass sie die Bakterien abtötete.
Es stank auch nach Update weiter
Das hatte Besserung zur Folge. Doch schon im Sommer 2024, kurz nach dem Update, zeigte eine Nase voll an den Bahnhöfen: Es stank weiter.
Auch, als es vergangenes Jahr erstmals warm wurde, berichteten Leser Nau.ch von dem altbekannten Geruch am Bahnhof Bern.
Vor Ort stellte Nau.ch die Duftnote ebenfalls fest. Und auch die ÖV-Interessensgemeinschaft Igöv liess verlauten: «Wir wissen, dass der SBB bei den Toilettenproblemen mit dem FV-Dosto Verbesserungen gelungen sind. Aber wir wissen auch, dass der Zug immer noch unangenehme Gerüche verursacht.»
Trotzdem: Damals bestätigte die SBB nicht mehr, dass die Emissionen vom FV-Dosto stammten. Ausschliessen konnte sie es aber auch nicht.
SBB: «Das Problem ist behoben»
Inzwischen dementieren die Bundesbahnen vehement.
Auch 2026 sind die ersten Hitzetage bereits durch, und auch 2026 stinkt es bei Hitze an den Gleisen. Nau.ch kann das sowohl vom Bahnhof Bern als auch vom Hauptbahnhof Zürich bestätigen.
Der Verdacht liegt nahe: Liegt es wieder am Pannenzug?
Die SBB widerspricht. Seit dem Update im Jahr 2024 wurden weitere Massnahmen umgesetzt, wie sie gegenüber Nau.ch verlauten lässt. Dazu gehören unter anderem eine intensivere Überwachung der biologischen Prozesse und eine optimierte Belüftung.
Darum bekräftigt SBB-Sprecher Moritz Weisskopf auf Anfrage von Nau.ch: Dass die Geruchsemissionen dieses Jahr noch «auf systematische Gründe» beim FV-Dosto zurückzuführen sind, ist ausgeschlossen.
«Das Problem ist behoben», sagt Weisskopf.
Will heissen: Stinkt es am Bahnhof heute doch mal nach FV-Dosto, dann ist es laut der SBB ein Einzelfall. Oder in Wirklichkeit gar nicht der FV-Dosto.
Sind Baustelle und Gullideckel schuld?
Gerade an heissen Tagen könne es aus verschiedenen Ursachen zu Gerüchen im Gleisbereich kommen, sagt Weisskopf. Konkret: Am Bahnhof Bern könnte die aktuelle Baustelle eine Rolle spielen.
«Dabei werden Gullideckel geöffnet. Je nach Hitze und Wind riecht man das im Bahnhof.» Zudem seien sowohl der Bahnhof Bern als auch der Tiefbahnhof Zürich vergleichsweise wenig durchlüftet.
Der Sprecher betont aber: «Aktuell liegen uns praktisch keine Rückmeldungen zu Gerüchen an den Bahnhöfen vor. Wenn die Luft doch mal etwas dick ist, dann bedauern wir dies und bitten um Verständnis.»
Trotzdem: Die SBB beobachtet die Situation laufend und nimmt Hinweise ernst.

















