Falschsitzer-Ärger: SBB erklärt Touris jetzt, was erste Klasse ist
Immer wieder hat die SBB Probleme mit Falsch-Sitzenden. Nun sollen Durchsagen mit einem Beschrieb der ersten Klasse die Touristen sensibilisieren.

Das Wichtigste in Kürze
- Die SBB hat Probleme mit Leuten, die ohne Billett in der ersten Klasse sitzen.
- Nun beschreibt sie in Durchsagen den Unterschied zwischen erster und zweiter Klasse.
- Diese würden vom Zugpersonal gemacht und situativ eingesetzt.
Wer regelmässig mit dem Zug von Zürich nach Bern fährt, hört es immer wieder: Der Kontrolleur kommt und muss Passagieren in der ersten Klasse erklären, dass sie am falschen Ort sitzen. Sogenannte Falschsitzer haben zwar ein Billett, aber nur eins für die zweite Klasse.
Wenn sie hören, dass sie nun einen Aufpreis bezahlen sollen, setzen sie sich dann in die zweite.
In vielen Fällen handelt es sich um Touristinnen und Touristen. Diese erklären, den Unterschied zwischen erster und zweiter Klasse nicht zu verstehen. Obwohl die Wagen gross mit Zahlen angeschrieben sind. Die SBB ist oft kulant, aber immer wieder erleben Pendler auch genervte Kontrolleure.
Im Kampf gegen die Falschsitzer geht die SBB nun noch einen Schritt weiter. Im Schnellzug von Zürich nach Bern macht der Zugführer am Sonntagabend eine Durchsage für dummies.
Auf Hochdeutsch und Englisch sagt er: «Liebe Passagiere, wir erinnern Sie daran, dass die Wagen eins, zwei und drei 1. Klasse-Wagen sind.»
Dann wird’s glasklar: «Sie erkennen Sie am roten Kissen mit einer weissen Eins drauf. Wenn Sie absitzen, benötigen Sie ein Ticket der ersten Klasse.»

Nau.ch hat bei der SBB nachgefragt: Seit wann gibt es die neue Durchsage und wann wird sie eingesetzt?
Durchsagen helfen Reisenden, sich zurechtzufinden
Die SBB erklärt, der neue Hinweis sei nicht Standard. Ob eine entsprechende Information durchgegeben werde, liege im Ermessen des Zugpersonals und hänge von der jeweiligen Situation ab.
«Insbesondere bei hoher Auslastung, auf internationalen Verbindungen oder wenn erkennbar Orientierungsbedarf besteht», könne eine solche Durchsage vorkommen. Oder wenn «das Zugpersonal feststellt, dass in einem Zug sich viele Reisende mit einem 2.-Klass-Billett in der 1. Klasse aufhalten».
In solchen Fällen könne das Personal eine entsprechende Durchsage machen. Denn: «Die Durchsagen können dazu beitragen, dass sich die Reisenden im Zug schneller zurechtfinden.»
SBB kämpft seit Jahren mit Falschsitzern
Grund für die neue Durchsage: Seit Jahren kämpft die SBB gegen die sogenannten Falsch-Sitzerinnen und -Sitzer. Sie setzen sich in die erste Klasse, obwohl sie lediglich ein Billet für die zweite Klasse gelöst haben.
Ob es sich dabei um eine dreiste Masche oder ein Versehen handelt, ist in den meisten Fällen unklar. Nicht so bei einer Familie aus Kentucky in den USA. Sie hat ihren Klassen-Lapsus im vergangenen Jahr auf Nau.ch erklärt.
«Wir sind einfach eingestiegen, wie bei der Metro in London», erklärten die Eltern. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln seien sie sonst nicht vertraut. Denn: «Wir nehmen für alles das Auto», so die Amerikaner.
Nun sollen es bei der SBB also noch detailliertere Durchsagen richten, um Falschsitzende zu verhindern. Doch: Sind diese weiterhin ein gleich grosses Problem wie im vergangenen Jahr?
Darauf kann die SBB keine konkrete Antwort liefern. «Die SBB erhebt keine spezifischen Daten zur Zahl von Reisenden, die versehentlich in der falschen Klasse Platz nehmen.» Zusätzliche Massnahmen, um das zu verhindern, seien zudem nicht geplant.


















