Nachtruhe? Politiker: Fans sollen Nati-Sieg feiern!
Die Nati könnte an der WM den Einzug ins Viertelfinal schaffen – spätabends und mitten in der Arbeitswoche. Politiker sehen trotzdem Spielraum zum Feiern.

Das Wichtigste in Kürze
- Frühstens um 23.30 Uhr steht fest, ob die Schweiz an der WM in den Viertelfinal einzieht
- «Man soll die Feste feiern, wie sie fallen», sagt Mitte-Chef Philipp Matthias Bregy.
- SP-Nationalrat David Roth hält hingegen nichts von Hupkonzerten.
Die Schweizer Nati könnte Geschichte schreiben. Gewinnt sie an der WM gegen Kolumbien, zieht sie in den Viertelfinal ein. Über 70 Jahre ist es her, seit es die Schweiz letztmals in diese Runde schaffte.
Doch der Zeitpunkt verdirbt die potenzielle Festlaune. Der Match startet erst um 22 Uhr und endet frühestens um 23.30 Uhr. Und das alles auch noch an einem Dienstag – mitten in der Arbeitswoche.
Bereits den Einzug ins Achtelfinal konnte die Schweiz nicht gebührend feiern. Das Spiel gegen Algerien fand am Freitag um fünf Uhr morgens statt. Auf der Strasse feierten einige Lenker den Sieg mit Hupkonzerten.
Kurz nach sieben Uhr war die Party aber vorbei. Die Public Viewings waren leer – alle Fans gingen brav zur Arbeit oder zur Schule.
Jubelschreie seien nicht erlaubt
Am Dienstagabend werden die Public Viewings mehr Besuchende als üblich anziehen. Da die Schweizer Nati spielt, dürfen die Veranstalter in Zürich den Match trotz der späten Anspielzeit übertragen.
Die Stadt Bern erlaubt ohnehin, auch unter der Woche sämtliche Spiele mit Anpfiff bis 23 Uhr zu zeigen.
Gleichzeitig gilt in den Städten die normale Nachtruhe. Fans sollten bezüglich Lärm Rücksicht auf die Nachbarschaft nehmen. Dies meldet etwa die Orts- und Gewerbepolizei der Stadt Bern auf Anfrage.
Die Stadtpolizei Zürich legt ein spezielles Augenmerk auf den Autoverkehr. Diesen werde sie beobachten und auf Zusehen hin intervenieren, sagt ein Mediensprecher. «Für die Stadtpolizei ist das richtige Augenmass in dieser Angelegenheit genauso wichtig wie konsequentes Einschreiten.»
Doch: Manche Nachbarn drücken trotz Achtelfinal kein Auge zu. Auf Social Media kursiert ein entsprechender Hinweis «an alle Bewohner» eines Hauses.
«Ich möchte daran erinnern, dass ab 22:00 Uhr Nachtruhe gilt», schreibt der Absender. Jubelschreie, Klatschen, hörbare Fernseher und Gespräche auf Balkonen seien nicht erlaubt. «Fussball ist keine Ausnahmegenehmigung», stellt der Absender klar. Der Account «Swissmeme» hat das Schreiben spöttisch unter dem Titel «Anzeige wegen Lebensfreude» gepostet.
«Tolle schweizerische Qualität»
Die Spieler des FC Nationalrats sehen in der WM-Nacht hingegen Spielraum zum Feiern. «Die Mannschaft ist gut drauf, ich glaube fest an einen Sieg.» Dies sagt Mitte-Chef und Nationalrat Philipp Matthias Bregy zu Nau.ch.
Gleich ab ins Bett gehen sollen die Fans nach dem Match nicht. «Man soll die Feste feiern, wie sie fallen», sagt der Walliser. «Man kann sich nicht still für den Viertelfinal qualifizieren.»

Bregy erinnert daran, dass die Fans am Freitagmorgen nach dem Match direkt zur Arbeit gingen. «Das ist eine tolle schweizerische Qualität.» Nur wer hart arbeite, habe Erfolg. «Genauso dürfen wir feiern, wenn es etwas zu feiern gibt.»
Der 48-Jährige hat sogar doppelten Grund zum Feiern. Am heutigen 7. Juli hat er Geburtstag.
«Habe den Reiz noch nie verstanden»
SP-Nationalrat David Roth rechnet damit, dass die Schweiz in der Nachspielzeit gewinnt. «Ich bleibe nicht extra so lange wach, damit es nicht klappt gegen Kolumbien», sagt er.
Der Luzerner erwartet Verständnis von Anwohnenden, wenn Fans ihre Freude auf der Strasse zum Ausdruck bringen. Wichtig sei die gegenseitige Rücksichtnahme. «Miteinander zu kommunizieren, ist der sinnvollere Weg, als die Polizeikräfte mit Lärmklagen zu beschäftigen.»
Leuten, die nicht geweckt werden wollten, empfiehlt er, mit geschlossenem Fenster zu schlafen.
Eine «wenig überzeugende Festmethode» sind für ihn Autokorsos – weder bei Nacht noch bei Tag. «Ich habe den Reiz, eingesperrt in einer Blechbüchse mit den gleichen drei Leuten im Kreis herumzufahren, noch nie verstanden.»
Feiern und später zur Arbeit kommen
Verständnis für Autokorsos hat hingegen SVP-Nationalrat Lars Guggisberg.
«Ein kurzes Hupkonzert als Ausdruck der Freude über einen Schweizer Sieg gehört irgendwie dazu», sagt der Berner. Das Achtelfinal sei ein wichtiger Match. «Man sollte bei einem Sieg der Nati schon kurz draussen festhalten können.» Anschliessend könne auch drinnen weitergefeiert werden.
Drinnen können die Fans noch lange weiterfeiern. In Bern können die Betreibenden im Rahmen einer frei wählbaren Überzeitbewilligung die Schliessungszeit bis halb vier Uhr morgens verlängern.
Lars Guggisberg hofft, dass die Arbeitgeber Verständnis haben, wenn die Mitarbeitenden am Mittwoch nach Möglichkeit etwas später zur Arbeit kommen. Er ist Direktor des Gewerbeverbands Berner KMU. «Meine Mitarbeitenden könnten auf Anfrage ausnahmsweise erst um neun Uhr statt um halb acht Uhr anfangen.» Dafür arbeiteten sie eineinhalb Stunden länger.













