Nach Publica-Hack: Bundesagenten könnten im Ausland enttarnt werden
Noch ist unklar, welche Publica-Daten abgeflossen sind. Intern fürchtet der Bund laut Medienbericht Risiken bis hin zur Festsetzung einzelner Mitarbeitender.

Das Wichtigste in Kürze
- Bei einem Cyberangriff wurden Daten der Pensionskasse des Bundes, Publica, gestohlen.
- Laut «SonntagsBlick» sind die Sicherheitsbehörden besonders betroffen.
- Gestohlene Daten könnten mit KI verknüpft werden. Dadurch steigt das Risiko für Erpressung und Identitätsdiebstahl.
Ein Cyberangriff auf eine externe Softwarefirma hat die Schweizer Bundesverwaltung in eine ernste Lage gebracht. Betroffen ist die Pensionskasse des Bundes, Publica. Welche Daten gestohlen wurden, ist unklar. Die Bundesanwaltschaft ermittelt.
Bundesrätin Karin Keller-Sutter informierte den Bundesrat am vergangenen Mittwoch. Laut Finanzdepartement üben weder der Bundesrat noch ein Departement eine Aufsichtsfunktion über Publica aus.
Publica untersucht, welche Daten und wie viele Personen betroffen sind. Dabei wird sie von Fachpersonen des Bundes unterstützt.
Intern spricht der Bund laut «Sonntagsblick» von «erheblichen Schäden» und stuft den Hacker-Vorfall als «gravierend» ein. Aktive und pensionierte Bundesangestellte müssten mit «längerfristigen Auswirkungen» rechnen.
Sicherheitsbehörden besonders betroffen
Besonders betroffen seien der Nachrichtendienst des Bundes (NDB), die Gruppe Verteidigung (VBS) und das Bundesamt für Polizei (Fedpol). Alle drei Behörden sind für die Sicherheit der Schweiz zuständig.
Den Bund beschäftigt die Frage, ob gestohlene Daten mit anderen Quellen kombiniert werden könnten, um Mitarbeitende im Ausland zu identifizieren. Intern wird vor dem Risiko gewarnt, dass ausländische Behörden bestimmte Personen erkennen, genauer befragen oder im Extremfall festsetzen könnten.
Ein Insider erklärt gegenüber dem «Sonntagsblick», dass sich gestohlene Daten mit Informationen aus sozialen Medien verknüpfen lassen.
KI kann in Sekundenschnelle erkennen, welche Funktion jemand ausübt und wo sich die Person aufhält. Das gilt selbst dann, wenn Betroffene privat keine Verbindung zu ihrem Arbeitgeber angeben.
Schweizer Agenten können im Ausland als Geschäftsleute getarnt sein. Mithilfe von KI und gehackten Bundesdaten könnten sie durch den Abgleich mit Einreiselisten enttarnt werden.
Pensionskassen besitzen sensible Angaben wie Einkommen, Adresse, Name, Alter und Familienstand. Im harmlosesten Fall drohen beim Onlineshopping überhöhte Preise, im schlimmsten Erpressung oder Identitätsdiebstahl.
Auch die Kantone wurden über den Hacker-Angriff informiert. Die Kombination der gestohlenen Daten könnte Rückschlüsse auf die Verteidigungsfähigkeit der Schweiz ermöglichen. Militärische Analysesoftware kann Informationen aus verschiedenen Quellen verknüpfen und mögliche Angriffsziele bestimmen.
Publica hält sich bedeckt
Publica erklärt, die Abklärungen zu den betroffenen Daten liefen noch, weshalb sie sich nicht weiter äussere. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls habe sie einen Krisenstab eingesetzt, der den Informationsfluss und die Massnahmen koordiniere.
Wie lange die Untersuchungen dauern, ist offen. Bis ein klares Bild entsteht, könnten Wochen oder Monate vergehen.
Frühere Fälle wie etwa das Xplain-Debakel zeigen, dass Cyberangriffe nicht nur Daten gefährden, sondern auch kritische Infrastruktur lahmlegen können. Der Fall Publica dürfte die Schweizer Politik noch lange beschäftigen.

















