Stadt Bern

    «B wie Bern oder B wie Baustelle»

    Andrea Bauer
    Andrea Bauer

    Bern,

    Wer in Bern unterwegs ist, braucht derzeit gute Nerven und Flexibilität. Die vielen Baustellen machen selbst kurze Wege zum Abenteuer.

    BärnerBär
    Apropos: Die Kolumne vom BärnerBär. - zVg

    Bern ist zurzeit eine einzige, grosse Baustelle. Wohin man geht oder fährt, überall stehen rot-weisse Abschrankungen. Wer sich morgens einen Weg durch die Stadt einprägt, besitzt am Abend bereits historisches Wissen.

    Wo man gestern noch durchkam, wartet heute eine Umleitung. Navigationssystem in Bern zu sein, ist wohl derzeit ein ziemlich frustrierender Job. «In 200 Metern rechts abbiegen.» Ah nein. «Route wird neu berechnet.»

    Ebenfalls nein. «Bitte stellen Sie das Fahrzeug ab und gehen Sie zu Fuss weiter.» Wobei auch das keine Garantie ist. Man könnte meinen, Bern habe beschlossen, sich einmal komplett auseinanderzunehmen und anschliessend neu zusammenzubauen.

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    Das Berner Kirchenfeld-Quartier ist derzeit eine Baustelle. Mitte September wurden die Tramgleise herausgerissen. - BärnerBär

    Und zwar möglichst überall gleichzeitig. Bahnhofumbau, Gleiserneuerungen, Hochwasserschutz, Fernwärme, Werkleitungen und Strassensanierungen. Die Liste ist lang, die Geduld bisweilen kurz. Aber tatsächlich ist ein beträchtlicher Teil der Berner Infrastruktur in die Jahre gekommen.

    Irgendwann beginnt eben auch eine Wasserleitung aus dem letzten Jahrhundert subtil anzudeuten, dass sie gerne pensioniert werden möchte. Bern betreibt derzeit gewissermassen Multitasking auf urbanem Niveau.

    Und weil unsere Stadt relativ kompakt ist, fällt jede gesperrte Strasse gleich doppelt ins Gewicht. Für uns Bernerinnen und Berner bedeutet das vor allem eines: Flexibilität. Der Weg zur Migros wird zur Exkursion, die Fahrt ins Büro zur Schnitzeljagd und eine simple Veloroute zum Persönlichkeitstest.

    Nervst du dich über die vielen Baustellen in Bern?

    Eigentlich könnte Bern die Umleitungen durchaus auch als Gratis-Foxtrail touristisch vermarkten. Mit dem kleinen Unterschied, dass man beim Foxtrail irgendwann ans Ziel kommt.

    Wer derzeit pünktlich an seinem Bestimmungsort erscheint, darf das jedenfalls als persönliche Meisterleistung verbuchen. Natürlich wird irgendwann alles fertig sein. Dann spazieren wir durch ein Bern, das moderner, sicherer und vielleicht sogar schöner geworden ist.

    Wir werden die neuen Plätze bewundern, die frisch sanierten Strassen ohne Schlaglöcher geniessen und uns fragen, wie wir dieses ganze Baustellenchaos bloss überstanden haben. Und vielleicht wird dann irgendwo jemand eine rot-weisse Abschrankung aufstellen. Einfach, damit wir uns wieder zu Hause fühlen.

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