Hacker legen Kühlschränke in Franzosen-Supermärkten lahm
Hacker stellten Kühlanlagen in französischen Supermärkten auf Auftauen – tonnenweise Lebensmittel sind verdorben.

Das Wichtigste in Kürze
- Rund 150 Intermarché- und Netto-Filialen entsorgen verdorbene Waren.
- Ein Angriff auf einen dänischen Dienstleister weitete die Störung aus.
- Frankreichs Staatsanwaltschaft ermittelt auch wegen gemeldeter Brände.
Eine gross angelegte Cyberattacke hat Kühlanlagen in den Märkten von mehreren grossen französischen Lebensmittelhandelsketten gestört.
Den Hackern sei es gelungen, Kühl- und Gefrierschränke in der Nacht zu Montag in den Auftaumodus umzustellen. Dies sagte ein Sprecher der Handelsgruppe Les Mousquetaires, zu der die Supermärkte Intermarché und Netto gehören.
«Beispiellos» und «inakzeptabel»
Auch der Leiter der Gruppe Coopérative U, Dominique Schelcher, bestätigte auf X eine Attacke, die Kühlanlagen in mehreren Geschäften betreffe. Er nannte sie «beispiellos» und «inakzeptabel».
Bei Coopérative U seien lediglich 80 der insgesamt 2000 Geschäfte betroffen gewesen, sagte Schelcher am Dienstag dem Sender RTL. Die grosse Mehrheit habe den Angriff dank des raschen Eingreifens der Verantwortlichen, Mitarbeiter und Kältetechniker abwehren können.
Nur in wenigen Filialen sei die Kühlkette unterbrochen worden. In kleineren Geschäften könnten die Verluste einige Zehntausend Euro erreichen, in grossen Supermärkten bis zu 180'000 oder 200'000 Euro, sagte Schelcher. Eine Gesamtschadenssumme liege noch nicht vor.
Betroffen waren neben Coopérative U auch rund 300 Filialen von Intermarché und Netto, mehrere Geschäfte von E.Leclerc sowie 80 Carrefour-Supermärkte und rund 30 Monoprix-Filialen.

Viele Produkte müssten nun entsorgt werden, teilte der Sprecher von Les Mousquetaires darüber hinaus mit. Die Höhe des Schadens sei noch nicht absehbar.
Laut dem Chef von Coopérative U arbeiteten die Teams des Unternehmens mit Kältetechnikern daran, die Situation so schnell wie möglich wiederherzustellen.
Veraltete Modelle ohne Sicherheitsupdates
Im Visier der Hacker standen Steuerungssysteme des dänischen Herstellers Danfoss. Nach Angaben des Unternehmens handelte es sich bei den meisten betroffenen Geräten um ältere Modelle, für die keine Sicherheitsupdates mehr bereitgestellt werden. Danfoss habe seine Kunden seit Langem aufgefordert, veraltete Systeme zu ersetzen.
Bereits in den vergangenen Monaten hatte der Hersteller auf mehrere schwerwiegende Sicherheitslücken in seiner Software hingewiesen. Ob die zuständigen Kältetechnikfirmen die Supermärkte darüber informiert hätten, müsse nun untersucht werden, sagte Schelcher.
Der Konzernchef bezeichnete den beispiellosen Cyberangriff trotz der begrenzten Schäden bei Coopérative U als äusserst schwerwiegend. Die Branche werde daraus Lehren ziehen müssen.
Ermittler suchen nach dem Ausmass
Die Cyberkriminalitäts-Abteilung der Staatsanwaltschaft von Paris übernahm Ermittlungen zu der Attacke. Nach ihren Angaben sollen auch Brandausbrüche gemeldet worden sein.
Die Untersuchung soll es ermöglichen, «die Opfer zu erfassen und einen Zusammenhang mit den von ihnen gemeldeten Schäden» herzustellen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
















