Stadt Bern

    Gelateria-Gründer Hansmartin Amrein macht Wirtschaftsamt zur Piazza

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    Bern,

    Der Leiter Wirtschaft Stadt Bern hat einen offenen Brief an neue Unternehmen geschrieben. Er lädt alle ein, doch mal zum «Caffè» vorbeizukommen.

    Hansmartin Amrein
    Hansmartin Amrein, Leiter Wirtschaft Stadt Bern, heisst neu gegründete und neu zugezogene Unternehmen willkommen und lädt sie zum «Caffè» ein. - bern.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • Neue Unternehmen sollen doch bei Wirtschaft Stadt Bern (WSB) zu einem «Caffè» vorbeikommen.
    • WSB-Leiter Hansmartin Amrein will unter anderem so die Willkommenskultur pflegen.
    • Was die besondere Vernetzung der Berner Unternehmen ausmacht und wie gut der «Caffè» ist, verrät er im Interview.

    Der Leiter Wirtschaft Stadt Bern, Hansmartin Amrein, begrüsst in einem offenen Brief alle neuen Unternehmen in der Stadt: Seien es neu gegründete oder neu zugezogene.

    Einst selbst ein Unternehmens-Gründer, weiss Amrein, dass Neo-Chefinnen und -Chefs viele Fragen haben: «Von A wie Aussenbestuhlung über P wie Parkbewilligungen bis Z wie Zwischennutzungen.»

    Amreins Empfehlung: Bei ihm anklopfen. Auch einfach so. «Kommen Sie auf einen unverbindlichen Caffè vorbei.»

    Dass das mehr nach Livorno als nach Länggasse klingt, ist kein Wunder: Amrein ist bekennender Italien-Fan und als solcher nicht Mitgründer irgend eines Unternehmens, sondern der «Gelateria di Berna».

    Im Interview mit dem BärnerBär erklärt er, warum es eine Charme-Offensive für den Wirtschaftsstandort Bern braucht. Und inwiefern sich dabei bei Amrein die «Italianità» in den Vordergrund drängt.

    Hansmartin Amrein
    Hansmartin Amrein will die Berner Firmen Wertschätzung spüren lassen und den kontinuierlichen Austausch mit ihnen pflegen. - bern.ch

    BärnerBär: Warum diese Einladung an neu gegründete und neu zugezogene Unternehmen – gibt es eine starke Zunahme bei diesen?

    Hansmartin Amrein: Wir wollen eine Willkommenskultur leben. Wer als neu in Bern tätiges Unternehmen Fragen hat, soll möglichst rasch und einfach zu Antworten kommen. Der Wirtschaftsstandort Bern wird mit jedem weiteren erfolgreichen Unternehmen stärker.

    Die Firmen sollen spüren, dass ihr Engagement in Bern geschätzt wird. In der Tat haben wir in den vergangenen Jahren einen leichten Anstieg an neugegründeten und eingetragenen Firmen im Wirtschaftsraum Bern registriert.

    BärnerBär: Wollen Sie auch etwas ein Zeichen setzen, auf eine neue Dialogkultur zwischen Wirtschaft und Verwaltung hinweisen?

    Amrein: Ja. Um eine solide Wirtschaftspolitik und effiziente Standortpromotion zu bewerkstelligen, braucht es den kontinuierlichen Austausch mit der Wirtschaft. Nur wer der Wirtschaft zuhört und sie versteht, kann unterstützen.

    Hansmartin Amrein Berner Wirtschaftsnacht
    Will eine Willkommenskultur leben: Hansmartin Amrein an der ersten Berner Wirtschaftsnacht im Juni 2026. - Daniel Zaugg

    BärnerBär: Mit welchen Anliegen kommen neue Berner Unternehmen in der Regel zu Ihnen?

    Amrein: Neugegründete oder neu zugezogene Firmen brauchen ein Netzwerk. Ein Netzwerk, das die Erfahrung teilt.

    Berner Unternehmen zeichnet aus, dass sie sich gegenseitig unterstützen und damit auch innovieren. Im Gegensatz zum Konkurrenzdenken in anderen Wirtschaftsräumen. Auch werden wir oft für die Vermittlung von freien Wirtschaftsflächen angefragt. Und regelmässig weisen wir bei Bewilligungsprozessen den Weg.

    BärnerBär: Dient das Gesprächsangebot auch als Messfühler, wo der Schuh drückt und man seitens der Stadtregierung noch nachbessern sollte?

    Amrein: Unbedingt! Wir wollen pragmatische Unterstützung liefern, wo sie auch benötigt wird. Darum ist für uns die Tuchfühlung mit den Unternehmerinnen und Unternehmern zentral. Der direkte Austausch ermöglicht uns auch, Verständnis zu schaffen, warum gewisse Abläufe sind wie sie sind.

    BärnerBär: Was auffällt: Sie laden zu einem «unverbindlichen Caffè» ein – wo man doch in Bern eher ins «Café» geht. Braucht Bern weniger Savoir-vivre und mehr italienisches Temperament?

    Amrein: Beim schnellen Caffè kommt man eher auf den Punkt. «True Talk» statt gefällige Geschwätzigkeit. So wollen wir auch als Wirtschaft Stadt Bern wirken.

    La Piccola Lucaffè
    Eine «La Piccola» von Gian Luca Venturelli braut den Kaffee bei Wirtschaft Stadt Bern, als Durstlöscher wird Berner Limonade serviert. Auf ein Glacé – scusa, Gelato natürlich – hoffen Besuchende allerdings vergeblich. - Screenshot Instagram/@lucaffe

    BärnerBär: Haben Sie an der Zieglerstrasse 62 denn jetzt zu diesem Zweck eine gemütliche Kaffee-Ecke eingerichtet? Oder eher eine Espresso-Stehbar?

    Amrein: Wir bieten exzellenten italienischen Espresso, aus Berner Röstereien. Je nach Tagesform im Stehen oder Sitzen.

    BärnerBär: Bevor wir restlos überzeugt sind, müssen wir aber noch zwei Dinge klären: Was für eine Kaffeemaschine steht bei Ihnen – und gibt es zum Heissgetränk auch noch etwas gekühltes Süsses?

    Amrein: Eine La Piccola von Gian Luca Venturelli. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Carpenedolo bei Brescia und steht für die Idee, langlebige Espressomaschinen abseits der modernen Wegwerfkultur zu bauen.

    Das gekühlte Süsse ist bei uns ebenfalls flüssig: Wer keinen Kaffee möchte, kann sich mit uns gerne zu einer Berner Limonade austauschen. Beides wird von der WSB-Crew privat gekauft und belastet die Stadtkasse nicht.

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