Nach Klima und Palästina: Experten rechnen mit mehr rechtem Protest
Welcher Protest dominiert die Schweizer Strassen? In Zukunft dürfte uns ein grosser aktivistischer Wandel von Links nach Rechts erwarten, so Experten.

Das Wichtigste in Kürze
- Aktivismus im Wandel: Linke Proteste könnten bald von rechten Bewegungen abgelöst werden.
- Die direkte Schweizer Demokratie sei idealer Nährboden für Protestbewegungen, so Experten.
- Für gesellschaftliche Anliegen ist Aktivismus sowohl Spiegel wie auch Motor.
Wie ein Fähnchen im Wind scheint gesellschaftliches Engagement seine Ausrichtung ständig zu ändern. Die Palästina-Demonstrationen haben an medialer Präsenz stark abgenommen. Und die Klima-Demonstrationen scheinen bereits Schnee von gestern zu sein.
Welche Themen prägen die Proteste von morgen – und reagieren sie nur auf die Gesellschaft oder initiieren sie den Wandel?
Aktivismus im Wandel: Ursache oder Reaktion?
Laut dem Sozialwissenschaftler und Nau.ch-Kolumnisten Marko Kovic richtet sich Aktivismus nicht nach einem Bedürfnis, relevant zu bleiben. Vielmehr würden sich einfach die Themen und die Menschen, die sich engagieren, über die Zeit verändern.
Aktivismus sei somit sowohl Spiegel wie auch Antrieb gesellschaftlicher Prioritäten. Kovic: «Aktivismus kann das Ziel haben, Aufmerksamkeit für vermeintliche Probleme zu schaffen und damit Prioritäten zu verändern. Aktivismus kann aber auch eine Reaktion auf Dinge sein, die grosse Teile der Bevölkerung bereits als Problem erachten.»
Proteste werden rechter
Für künftige Proteste vermutet Kovic: «Ich denke, wir werden in Zukunft auch mehr rechten bis rechtsradikalen Aktivismus erleben. In der Vergangenheit war Aktivismus stärker ein linkes Phänomen.»
Diese Annahme unterschreibt auch der Luzerner Zukunftsforscher Georges T. Roos. Die Freiheitstrychler während Corona-Zeiten seien die ersten Anzeichen dafür gewesen, sagt er gegenüber Nau.ch.
Weiter vermutet Roos eine vermehrte aktivistische Thematisierung von Migration und Kriminalität.
Kovic betont seine Hoffnung auf mehr Aktivismus zu «grossen systemischen Fragen». Der Sozialwissenschaftler wünscht sich verstärkten Fokus auf Themen, mit denen politische Parteien wenig Berührungspunkte wagen. Das wären zum Beispiel die gesellschaftlichen Risiken von künstlicher Intelligenz.
Schweiz als ideale Bühne für Aktivismus
In der Schweiz bekommt die oben beschriebene Entwicklung eine eigene Dynamik, so Kovic. Dank direkter Demokratie – Referenden und Volksinitiativen – könnten zivilgesellschaftliche Gruppen direkt Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen.
Kovic beschreibt dies als Ventil, das verhindert, dass sich Druck ausserhalb der etablierten Politik zu stark aufstaut.

















