Protest

Simone Richner (FDP): «Wenn Protest zur Machtprobe wird»

Simone Richner
Simone Richner

Bern,

Simone Richner, Berner FDP-Stadträtin, äussert sich zu Demonstrationen in Bern. Friedliche Proteste sollten geschützt, Störer gestoppt werden. Ein Gastbeitrag.

Simone Richner FDP Porträtfoto
Simone Richner ist Berner Stadträtin FDP. - zVg

Bern lebt von Debatte – und von Demonstrationen. Aber Debatte ist Argument, nicht Druckmittel. Sobald Kundgebungen zur Machtprobe werden, kippt das Prinzip: Dann setzt sich nicht die bessere Idee durch, sondern derjenige, der Infrastruktur blockiert, Angst erzeugt oder die Stadt zum Ausnahmezustand macht.

Wer nach den Eskalationen der letzten Monate reflexartig «Machtdemonstration» ruft, wenn die Polizei präsent ist, verwechselt Ursache und Wirkung. Ein Rechtsstaat schützt Grundrechte gerade dadurch, dass er Grenzen zieht.

Berner Demo
Ein Rechtsstaat schützt Grundrechte, indem er Grenzen zieht. (Archivbild) - keystone

Deeskalation ist kein Zauberwort und keine Einbahnstrasse: Sie funktioniert nur, wenn sie auf Gegenseitigkeit beruht.

Gibt es Hinweise auf Gewaltbereitschaft, Vermummung, organisierte Störer oder ein bewusstes Aushebeln von Bewilligungen, muss die Einsatzführung präventiv handeln dürfen – ruhig, kontrolliert und verhältnismässig.

Nimmst du manchmal an Demonstrationen teil?

Der Massstab ist nicht, ob es «schön» aussieht, sondern ob es wirkt: Platz für Meinung – ohne Freipass für Eskalation.

Wer friedlich demonstriert, verdient Schutz. Wer den geordneten Ablauf gefährdet oder strafbare Handlungen begeht, muss konsequent entfernt werden können.

Denn Gewalt versteckt sich selten «neben» der Menge – sie nutzt die Menge.

Palästina Demo Bern
Gewalt nutzt die Menge, so Simone Richner. (Archivbild) - Keystone

Bern braucht darum weniger moralische Empörung und mehr klare Regeln: rasche Intervention, Identifikation von Störern, echte Konsequenzen – und eine politische Haltung, die beides gleichzeitig aushält: Protest ermöglichen und Ordnung durchsetzen.

Alles andere ist nicht liberal, sondern naiv. Und Naivität bezahlt am Ende immer die breite Bevölkerung.

Zur Autorin

Simone Richner ist Stadträtin der Stadt Bern und Mitglied der FDP.

Kommentare

User #2598 (nicht angemeldet)

Einverstanden, man könnte aber auch endlich beginnen, das übel an der Wurzel zu packen. Es gibt meist gute Gründe, wenn immer grössere Teile des Volkes Gewalt als letztes Mittel zum Ausdruck bringen. Wenn Gerechtigkeit der Wirtschaft weicht und immer mehr Menschen zu Verlierern gemacht werden, dann versagt die Politik und der Unmut wächst. Ich Sage euch, wenn ihr jetzt nicht handelt werden die Zustände massiv schlimmer. Gewalt wird dann immer mehr Gegengewalt erzeugen.

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