Was die Hitze in der Schweiz wirklich alles verändert
Die Hitze trifft die Schweiz härter als gedacht – sie gefährdet Trinkwasser, Ernte und Bahninfrastruktur auf überraschende Weise.

Die Hitze macht der Schweiz nicht nur mit Hitzschlägen zu schaffen. Sie trifft Infrastruktur, Versorgung und Ökosystem auf unerwartete Arten.
Laut «Meteonews» war der Juli 2026 der heisseste Monat seit Messbeginn. Die Temperaturen lagen schweizweit 3,2 Grad über der Norm der Jahre 1991 bis 2020.
Laut dem Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts werden rund 500 Todesfälle pro Jahr mit der Hitze in Verbindung gebracht, berichtet «swissinfo.ch». Doch die Folgen der Hitze gehen weit über die direkten Gesundheitsrisiken hinaus.
Bahn und Strasse unter Druck
Der Stahl von Gleisen kann sich bei extremer Hitze auf über 50 Grad aufheizen und verformen, wie «SRF» berichtet. ETH-Professor Patrick Braess erklärt dazu: Bei extremen Temperaturen könnten sich enorme Kräfte aufbauen, sodass es ruckartig zu Verwerfungen kommen kann.
Auch die SBB kämpft gegen Ausfälle der Klimaanlagen und hitzebedingte Störungen am Rollmaterial, so «SRF» weiter. Als Gegenmassnahme sprühen die SBB mit Kesselwagen Wasser auf Gleise und Schotterbett.
Laut «swissinfo.ch» plant die SBB ausserdem, Holzschwellen künftig durch Betonschwellen zu ersetzen. Diese sollen der Ausdehnung der Schienen bei Hitze besser standhalten.
Weniger Strom aus Kernkraft
Die Hitze beeinträchtigt auch die Energieversorgung. Axpo schaltete Ende Juni beide Reaktoren des AKW Beznau ab, weil die Aare eine Temperatur von 25 Grad erreicht hatte. Erst rund einen Monat später wurden sie mit reduzierter Leistung wieder ans Netz angeschlossen, berichtet «swissinfo.ch».
Massimiliano Capezzali, Professor am Institut für Energie der Hochschule für Ingenieurwesen und Management des Kantons Waadt, warnt: «Wenn die Hitze anhält, können die wirtschaftlichen Folgen für den Energieversorger erheblich werden.»
Ähnliche Probleme zeigen sich in Frankreich, wo drei von 57 Reaktoren durch die Hitze vorübergehend abgeschaltet wurden. Weitere acht arbeiteten in diesem Sommer mit reduzierter Leistung.
Trinkwasser in Gefahr
Die Schweizer Seen haben sich im Sommer 2026 überdurchschnittlich stark erwärmt, berichtet «Meteonews». Verglichen mit dem Durchschnitt der Jahre 1983 bis 2024 lagen die Temperaturen um bis zu sieben Grad höher. Das gefährdet auch die Qualität des Trinkwassers.
Die Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) warnt, dass höhere Temperaturen die Vermehrung von Keimen wie Legionellen begünstigen, berichtet «swissinfo.ch». Der gesetzliche Höchstwert von 25 Grad für Trinkwasser lässt sich laut AWBR heute nicht mehr überall einhalten.
Rund 20 Prozent des Schweizer Trinkwassers stammt aus Seen. Zudem führt ein sinkender Pegelstand der Flüsse zu höheren Konzentrationen von Pestiziden und Arzneimittelrückständen.
Ernte leidet, Preise steigen
Die Hitze trifft auch die Schweizer Landwirtschaft schwer. Der Schweizerische Bauernverband rechnet weniger mit Ernteausfällen als vielmehr mit einem Qualitätsrückgang bei Obst und Gemüse, berichtet «swissinfo.ch».

Besonders betroffen seien Kartoffeln, die bei der Hitze zu klein bleiben und damit möglicherweise unverkäuflich werden.
Pierre-Yves Perrin, Direktor des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands, sagt: «Sie leiden stark, sowohl unter dem Wassermangel als auch unter den hohen Temperaturen.» Gemeint sind Herbstkulturen wie Soja, Sonnenblumen und Mais.
Die Hitze: Eine unerwartete positive Seite
Die Hitze hat jedoch nicht nur negative Folgen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) betont, dass Zecken die für Hitzewellen typischen Bedingungen nicht mögen, so «swissinfo.ch».
Im Juni 2026 war die Zahl der Frühsommer-Meningoenzephalitis-Infektionen deutlich niedriger als im Vorjahr.
Die Hitze könnte die Ausbreitung des eingewanderten Japankäfers bremsen. Seine Larven gedeihen in trockenen Böden schlecht, erklärt Timo Börker vom Kantonalen Pflanzenschutzdienst der Stadt Basel. Die genauen Auswirkungen lassen sich aber erst in der nächsten Saison beurteilen.







