Jetzt soll Stadt Bern Massnahmen gegen Autoposer prüfen müssen
Ein Vorstoss von über 30 Stadtratsmitgliedern will «den Poserfahrten auf Berns Strassen Einhalt gebieten». Dabei soll auch Thun als Vorbild dienen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Stadt Bern reagierte zuletzt zurückhaltend auf Fragen zu Autoposern.
- GFL-Stadtrat Michael Ruefer doppelt nun nach und kann auf breite Unterstützung zählen.
- Via Vorstoss soll der Gemeinderat verpflichtet werden, verschiedene Massnahmen zu prüfen.
Nordring, Bahnhofplatz, Monbijoubrücke oder Bundesgasse: Untern anderem auf diesen Stadtberner Strassen wurden schon lautstarke Fahrten von Autoposern beobachtet, beziehungsweise gehört.
Freude oder Bewunderung hat dies bei kaum jemandem ausgelöst. Nun soll der Gemeinderat in die Pflicht genommen werden, etwas dagegen zu unternehmen.
«Grosse Unlust» bei Berner Stadtregierung
Schon im November 2025 hatte Stadtrat Michael Ruefer (GFL) zusammen mit Jelena Filipovic (GB) dem Berner Gemeinderat Fragen gestellt. Gibt es Zahlen, was tut man aktuell, was hält man von Lärmblitzern und welche Massnahmen wären sonst noch denkbar?
Im Frühling folgten die Antworten der Stadtregierung – nicht sehr zu Ruefers Freude. «Ich habe dort herausgelesen: Das Problem wird zwar anerkannt, aber ein Beitrag zur Lösung wird nicht wirklich angestrebt.»

Zwar ist auch der Gemeinderat nicht begeistert über Poserfahrten. Doch in den meisten Punkten verwies er auf die Zuständigkeit der Kantonspolizei und die (noch) fehlende nationale Gesetzgebung. «Ich habe eine grosse Unlust verspürt», sagt Stadtrat Ruefer zum BärnerBär.
Ziemliche Ansage: Über 30 Mitunterzeichnende im Stadtrat
Lust auf mehr hatten dagegen Michael Ruefer und über 30 weitere Stadtratsmitglieder, die den Folge-Vorstoss mitunterzeichnet haben. Von links bis GLP, die Bürgerlichen habe er ursprünglich auch angefragt gehabt, berichtet Ruefer: «Wahrscheinlich hätte ich sogar noch mehr Unterschriften sammeln können.»
Nun wird es konkret: Kommt der Vorstoss durch, erhält der Gemeinderat den Auftrag, verschieden Massnahmen gegen Poserfahrten zu prüfen. Verkehrskontrollen, Verengungen, vorübergehende Sperrungen, Radarkontrollen oder auch Tracking.

30-plus Unterschriften im 82-köpfigen Stadtrat – eine ziemliche Ansage an den lustlosen Gemeinderat und gegen die Autoposer? «Das ist sicher so», bestätigt Ruefer. «Es ist ein parteipolitisch sehr breit getragenes Anliegen.»
Hauptsache, etwas wird getan
Die Poserfahrten seien derart ärgerlich, dass man unbedingt etwas dagegen tun müsse, findet Ruefer. «Wir haben uns auch überlegt, ob wir nicht noch mit einer Petition Druck machen sollten.»
Doch Prüfaufträge sind noch keine Vorschriften oder umgesetzte Massnahmen. Genügen die im Vorstoss aufgeführten Beispiele? «Wir sind offen für alle zielführenden Lösungen, auch wenn es dann nur eine oder zwei sind», so Ruefer. «Es wäre nur enttäuschend, wenn die Antwort in Richtung ‹wir machen ja schon sehr viel› gehen würde.»

Immerhin «etwas» macht der Bund: Mit Lärmdisplays soll ein Bewusstsein für störende Geräusche geschaffen werden – Lärmblitzer werden aber auf die lange Bank geschoben.
Vorbildliches Thun, rätselhafte Autoposer
Mehr tut die Stadt Thun, die Bern durchaus als Anschauungsbeispiel dienen könnte, findet Ruefer. «Ob die Ausgangslage die gleiche ist, weiss ich nicht. Aber man kann das sicher einmal genau anschauen.»

Thun hat die gezielte Kontrolle von lauten Autofahrern in den Leistungsvertrag mit der Polizei aufgenommen. Das ist zwar aufwändig, aber sei offenbar recht abschreckend, so Ruefer: «Meinen Informationen zufolge werden die Resultate gemessen und die Massnahmen erweisen sich als wirksam.»
Zumindest Lösungsansätze gegen den Lärm von Autoposern wären also vorhanden. Ungelöst ist für Stadtrat Ruefer weiterhin, was eigentlich die Motivation der Poser hinter ihren Aktionen sein könnte.
Gegenüber dem BärnerBär äusserte er letztes Jahr den Wunsch, einmal mit einem Poser ins Gespräch zu kommen. Das ging demnach bis jetzt nicht in Erfüllung?
«Nein, aber wenn man mir da jemanden vermitteln könnte… ich fände das nach wie vor sehr interessant», bekräftigt Ruefer. «Geht es um Protest, um Rebellentum? Es ist wohl schon ein sehr spezielles Milieu, das dahintersteckt.»








