Moretti-Freund: «Mein Gott, sie haben das nicht absichtlich getan»

Laurin Zaugg
Laurin Zaugg

Crans-Montana,

Ein langjähriger Freund von Jacques Moretti namens Gilles äussert sich zur Brandkatastrophe. Er hatte Moretti damals Geld für den Umbau der Bar geliehen.

Jacques Moretti
Jacques Morettis langjähriger Freund Gilles spricht über die Brandkatastrophe. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Gilles, ein langjähriger Freund von Jacques Moretti, äussert sich zur Brandkatastrophe.
  • Beide waren früher in der Prostitution tätig, Gilles betrieb eine Escort-Website.
  • «Ich werde meine Freunde nicht verleugnen», sagt der Familienvater.

Jacques Morettis langjähriger Freund Gilles steht auch während des Gerichtsprozesses um die Brandkatastrophe in Crans Montana zu ihm. Wie RTS berichtet, waren in den 2000er-Jahren beide in der Prostitution tätig, weshalb sie sich kannten.

Gilles betrieb während fast 20 Jahren eine Escort-Website, die er im Jahr 2022 verkaufte. Er war Gesprächspartner von Moretti, als dieser 2008 wegen Zuhälterei verurteilt wurde. Gilles selbst wurde damals nicht strafrechtlich verfolgt.

In Telefongesprächen mit dem «Tagesanzeiger» spricht er über seine Beziehung zum Betreiber der Katastrophen-Bar in Crans Montana, Jacques Moretti.

«Wenn man sich wieder begegnet, ist es, als wäre die Zeit nie vergangen», beschreibt Gilles seine Beziehung zu Jacques Moretti. Was in der Neujahrsnacht in Morettis Bar «Le Constellation» geschehen ist, sei schrecklich.

«Mein Gott, sie haben das nicht absichtlich getan»

Beim Brandunglück starben 41 Menschen, viele davon waren minderjährig. Über hundert weitere wurden teils schwer verletzt. Gilles sei selbst Vater und wisse, dass niemand dafür gemacht ist, sein eigenes Kind zu überleben.

«Aber, mein Gott, sie haben das nicht absichtlich getan. Ich fürchte den Moment, in dem ich ihn und seine Frau wiedersehen werde. Sie sind am Boden zerstört. Ich weiss nicht, wie man damit leben kann», sagt er im Gespräch mit der Zeitung.

«Ich werde meine Freunde nicht verleugnen»

Er setzt sich weiter für Jacques Moretti ein: «Ich werde meine Freunde nicht verleugnen.»

Auch Gilles hat eine Verbindung zur Katastrophen-Bar. Er hatte den Morettis nämlich Geld für den Umbau geliehen. «Weniger als 30’000 Franken, die aber zurückgezahlt wurden», bestätigt er.

Ehepaar Moretti
Gilles hatte dem Ehepaar Moretti «weniger als 30'000 Franken» für die Renovation der Katastrophen-Bar geliehen. (Archivbild) - keystone

Die Morettis hätten zum Zeitpunkt, als sie die Bar übernahmen, nichts gehabt. Sie hätten für die Renovation deshalb Verwandte und Freunde zur Unterstützung gebeten.

Hat Gilles die Kaution des Ehepaars bezahlt?

Damit das Ehepaar Moretti aus der U-Haft entlassen wird, hat ein unbekannter 400'000 Franken Kaution hinterlegt.

Weil Gilles das Ehepaar damals unterstützt hatte, entstand das Gerücht, er hätte auch die Kaution bezahlt. Das weist er jedoch zurück und sagt: «Ich bin kein Milliardär.»

Kürzlich luden die Morettis Gilles zum Geburtstag ihres ältesten Sohnes ein. Das zeigt, wie nahe sich Gilles und das Ehepaar stehen.

Morettis Anwalt äussert sich nicht

Auf Anfrage vom «Tagesanzeiger» teilte Jacques Morettis Anwalt Patrick Michod mit, sich nicht zu Gilles Äusserungen zu äussern. Zum einen aus Respekt vor der Entscheidung der Staatsanwaltschaft, die das Untersuchungsgeheimnis auferlegt hat.

Verfolgst du den Gerichtsfall der Morettis?

Andererseits, «weil diese Punkte in keinem Zusammenhang mit dem Sachverhalt stehen und in keiner Weise zur Wahrheitsfindung beitragen», so Michod.

Verbreitung von Informationen aus Morettis Privatleben würden nur Wut und Spannungen schüren, fügt er hinzu.

Kommentare

User #2785 (nicht angemeldet)

wir haben es nicht gewusst... zieht schon lange nicht mehr...

User #6094 (nicht angemeldet)

«Mein Gott, sie haben das nicht absichtlich getan» Dass das nicht vorsätzlich geschah, ist ja wohl klar. Die Tragödie wurde allerdings min. fahrlässig in Kauf genommen (feuerfestes Material war den Morettis zu teuer). Nun ist Fahrlässigkeit juristisch eine Bagatelle und wird lediglich mit einer Busse geahndet. Und zwischen Vorsätzlichkeit und Fahrlässigkeit gibt es noch den Straftatbestand der Grobfahrlässigkeit. Sollte sich dieser erhärten, sprechen wir nicht mehr von einer Busse, sondern plötzlich von 20 Jahre Haft.

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