Menschen-Schädel und Föten werden auf Schweizer Webseiten verkauft
Auf Schweizer Occasion-Plattformen wie Anibis oder Ricardo werden menschliche Schädel und Föten gehandelt – zu Preisen von bis zu 10'000 Franken.

Das Wichtigste in Kürze
- Auf Schweizer Plattformen werden menschliche Schädel und Föten angeboten.
- Verkäufer umgehen Kontrollen mit Tricks wie falscher Schreibweise.
- Die Schweiz kennt zwar ein Verbot des Handels, aber keine strafrechtliche Sanktion dafür.
Eine Recherche der RTS-Sendung «Vraiment» deckt einen florierenden Handel mit menschlichen Überresten auf Schweizer Plattformen auf. Inserate wie «Schädel in tadellosem Zustand, es fehlt nur ein Zahn» oder «Fötusschädel von grosser Schönheit» tauchen dabei zwischen gebrauchter Kleidung und Dekorationsartikeln auf.
Betroffen sind unter anderem Facebook-Marketplace, Instagram, Ebay, Vinted, Tutti und Leboncoin, jeweils mit Verkäufern aus der Schweiz.
Eine RTS-Journalistin, die an der Recherche mitarbeitete, zeigte sich überrascht vom Ausmass: «Mich hat überrascht, dass es so viele davon gibt und dass sie sich nicht einmal im Darknet verstecken.» Dabei verbieten die Nutzungsbedingungen der Plattformen solche Inserate klar – Kontrollen finden in der Praxis aber kaum statt.
Damien Huffer, Forscher an der Universität Adelaide, erklärt gegenüber RTS: «Statt den Preis im Text der Anzeige anzugeben, setzen sie ihn ins Foto oder spielen mit der Schreibweise des Wortes ‹Mensch›.» Er bezeichnet Instagram als eigentliche Drehscheibe des Handels. Der oft angefügte Zusatz «nur zu Bildungszwecken» sei reine Schutzbehauptung.
Eine Gesetzeslücke wird ausgenutzt
Die Schweiz ratifizierte 2008 die Biomedizin-Konvention des Europarats, welche die Gewinnerzielung mit dem menschlichen Körper verbietet. Strafrechtlich bleibt der Handel dennoch sanktionslos – nur die «Störung des Totenfriedens» wird geahndet. Nicolas Tschumy, Doktor der Rechtswissenschaften, spricht von einer Gesetzeslücke.
Ein spezialisierter Händler aus St. Gallen bietet laut der Recherche ein umfangreiches Sortiment an, von einem Schädel für 1900 Franken bis zu einem Skelett für über 10'000 Franken. Er betonte, sein Geschäft distanziere sich «ausdrücklich vom illegalen Handel, von Grabschändung oder vom unethischen Erwerb menschlicher Überreste».

Der Walliser Humorist Philippe Battaglia besitzt drei Schädel, den ersten von seinem Vater, einem ehemaligen Arzt. Dazu sagt er: «Schon als Kind war ich davon fasziniert und habe ihm gesagt: Wenn du kein Arzt mehr bist, nehme ich ihn mir!»
Er kauft nicht im Internet, sondern an Brocanten. Für ihn erfüllen die Schädel eine ästhetische Funktion und dienen der Enttabuisierung des Todes.
Fötus aus Berner Schule verkauft
Ein 2022 von der Universität Zürich plastinierter Fötus wurde von einem Lehrer der Berner Schule für medizinische Praxisassistenz an eine Sammlerin verkauft. Er wollte sich dazu nicht äussern.
Die Schulleiterin präzisierte, der Fötus stamme aus dem Jahr 1890 und sei dem Lehrer von einem Apotheker geschenkt worden. Das Präparat sei nie Eigentum der Schule gewesen, diese betreibe keinen Handel mit solchen Objekten.
Zwischen 2022 und 2025 stiegen die Importe menschlicher Knochen aus den USA laut Aussenhandelsstatistik um 247 Prozent auf 25,9 Tonnen und 1,7 Millionen Franken. Die Post erklärte, der Versand solcher Überreste in Paketen sei verboten, ihre Mitarbeitenden könnten den Inhalt jedoch nicht kontrollieren.












