Abfall-Zoff in Weinfelden TG wegen Unterflurcontainern

Desirée Müller
Desirée Müller

Weinfelden,

Die Förderfinanzierung der kantonalen Verbrennungsanlage (KVA) für Unterflurcontainer ist ausgelaufen.

Weinfelden
Unter dem Boden statt am Strassenrand. 70 Standorte gibt es in Weinfelden. - adobe

Weinfelden kommt beim Umstieg auf Unterflurcontainer voran, aber nicht schnell genug für alle. Während die Stadt auf 70 realisierte Anlagen verweist, kritisiert Melanie Huber, Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission, diese wegen verpassten Fördergeldern.

Im Zentrum steht die Frage: Hat Weinfelden zu lange gezögert oder sind die letzten Standorte tatsächlich die schwierigsten?

Der Verband KVA Thurgau unterstützte die letzten zehn Jahre Mitgliedergemeinden mit 6000 Franken pro in Betrieb genommenen Unterflurcontainer, vereinfacht UFC. Sprich sie übernahmen etwa die Hälfte der Kosten. Weinfelden hat noch Potenzial für 10 bis 15 Standorte.

An der letzten Parlamentssitzung bemängelte Melanie Huber, dass die Fördergelder nicht ganz ausgeschöpft wurden und «wir Steuerzahlenden nicht im vollen Umfang davon profitieren konnten.»

Weinfelden
Aussicht auf die Altstadt und die ev. Kirchgemeinde in Weinfelden. - Nau.ch / Miriam Danielsson

Ein wirtschaftlicher Umgang mit Steuergeldern sei ihr wichtig. Die Stadtregierung müsse sich daran messen lassen.

Untätig war die Stadt nicht

In den letzten neun Jahren wurden knapp 70 Unterflurcontainer umgesetzt. «80 Prozent der benötigten Standorte konnten wir abdecken und von dem Unterstützungsbeitrag der KVA profitieren», sagt Martin Belz, Bauamtsleiter.

Die letzten 20 Prozent seien wie so oft die Zähen. Belz zeigt auf, dass die Standortsuche im Norden der Stadt, respektive am Südhang des Ottenbergs, sehr anspruchsvoll sei.

Die Hanglage erschwert den Bau, dazu muss die Strasse breit genug sein, dass der LKW durchfahren kann. «Man kann Weinfelden vom Habitat her nicht mit anderen Gemeinden vergleichen, welche vielleicht während der Frist alle geplanten UFC in Betrieb nehmen konnten.»

Teils sei man schon seit Jahren in Verhandlungen mit Landbesitzern. So seien die meisten der noch fehlenden Standorte dort angesiedelt.

«Dies kostet personelle Ressourcen», so Martin Belz. Das es schade sei, dass die Stadt auf den letzten Metern nicht mehr von den Unterstützungsbeiträgen profitieren könne, sei unbestritten.

«Fehlende Ressourcen klingen banal, doch unsere Verwaltung ist sehr schlank organisiert und Überbauungen wie Sangen oder Feldhof sind sehr zeitintensive Projekte gewesen», so Belz. Weinfelden befinde sich in einem Wandel.

Gemäss Mediensprecher Basil Höneisen habe es im Jahr 2024 seitens KVA Signale gegeben, dass allenfalls eine Verlängerung der Finanzierung möglich sei.

Davon hätten einige Städte profitiert, die in einer ähnlichen Situation waren. Doch schlussendlich kam die Verlängerung nicht zustande. Zehn Jahre Vorlaufzeit sind scheinbar genug.

Weitere Standorte geplant

Für Melanie Huber reicht die Argumentation noch nicht: «Bei 10 bis 15 zusätzlichen Standorten, welche auch laut Stadt noch nötig sind, wären dies 60’000 bis 90’000 Franken, welche Weinfelden durch die Lappen gingen.»

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Weinfelden kommt beim Umstieg auf Unterflurcontainer voran, aber nicht schnell genug für alle. (Symbolbild) - keystone

Dieses Jahr sind laut Martin Belz sechs weitere Standorte geplant, die Baubewilligungen sind am Laufen. Dies ärgert Huber besonders. «Zumindest diese Beiträge hätte man sich noch sichern können letztes Jahr.»

Die Geschäftsprüfungskommission könne vieles nur von aussen beurteilen, sagt Präsidentin Melanie Huber. Gerade das sei Teil des Problems.

Man sehe Budgets, Absichten und einzelne Vorhaben, komme aber nicht immer an alle Informationen heran. Seit Jahren sind Beträge für den Bau der UFC im Budget versehen, doch verwendet wurden sie bisher nicht komplett.

Huber hätte sich gewünscht, dass die Stadt stärker bei eigenen Flächen beginnt. Rund um öffentliche Gebäude, an gemeindeeigenen Strassen oder bei geplanten Verkehrsberuhigungen hätte man Unterflurcontainer mitdenken können.

Sie nennt etwa Flächen rund ums Rathaus und die Frauenfelderstrasse. «Die Stadt müsste als Vorbild vorausgehen», ist sie überzeugt.

Huber bis letztes Jahr involviert

Böse Zungen könnten Huber unterstellen, sie bringe sich aus Eigeninteresse in die Debatte ein. Schliesslich leerte die Huber Umweltlogistik AG bis Juni 2025 im Auftrag der KVA Thurgau die Unterflurcontainer im Sammelgebiet.

Huber weist das zurück. «Wir haben zwar von jedem zusätzlichen Kilo Kehricht profitiert, das in einem UFC entsorgt wurde, egal ob in Weinfelden, Kreuzlingen oder Steckborn.»

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Weinfelden sei dabei nur ein kleiner Teil des Sammelgebiets gewesen. Heute habe ihre Firma in Weinfelden ohnehin nichts mehr davon: Seit dem Auslaufen des Vertrags im Juni 2025 leert TIT Imhof die Container.

Dass Unterflurcontainer im Thurgau längst kein Nischenthema mehr sind, zeigen die Zahlen der KVA. Ende 2015, als die Finanzierung begann, waren im Kanton 144 Unterflurcontainer in Betrieb.

Heute sind es 1620. Das entspricht einem Zuwachs von 1476 Anlagen seit Ende 2015. Dominik Linder, Geschäftsleiter der KVA Thurgau, beschreibt die Entwicklung so: «Am Anfang gab es einen grossen Hype. Die Zahl der Unterflurcontainer ist sehr schnell gestiegen. Danach hat sich das Tempo etwas verringert.»

Der grosse Schub sei also vorbei.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Weinfelder Nachrichten» erschienen.

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