Wie hat sich Wirtschaft verändert, UVR-Präsi Gantenbein?
Der Unternehmerverein Regensdorf (UVR) wird 65 Jahre alt. Präsident Christian Gantenbein blickt zurück, spricht aber auch über zukünftige Herausforderungen.

Der Unternehmerverein Regensdorf (UVR) feiert sein 65-Jahr-Jubiläum. Wir haben mit dem Präsidenten Christian Gantenbein zurückgeblickt und einen Ausblick auf die künftigen Herausforderungen geworfen.
Redaktion: Der Unternehmerverein Regensdorf feiert sein 65- jähriges Bestehen, welche Meilensteine haben den Verein seit seiner Gründung 1961 besonders geprägt?
Christian Gantenbein: In den Anfangsjahren standen der Aufbau von Infrastruktur im Industriegebiet und die Förderung von Wohnraum für die Mitarbeitenden im Zentrum. Ergänzt wurde dies durch Lösungen für Busverbindungen, Verpflegung und Kinderbetreuung. Auch Initiativen für ein lebendiges Dorfleben, wie der Verein «Lebendiges Regensdorf», gehörten dazu. Später verlagerte sich der Fokus auf die Standortentwicklung und insbesondere die Verkehrsinfrastruktur.
Der Verein engagierte sich bei wichtigen Projekten wie der Unterführung Adlikerstrasse, dem Bahnhof Nord sowie bei Verkehrslösungen während der Sperrung der Wehntalerstrasse und zuletzt für die Fernwärmeprojekte.

Wichtige Meilensteine waren zudem die Lancierung des Wirtschaftsforums Furttal zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts sowie die Mitbegründung und Führung der Wirtschaftsvereinigung Furttal, die heute in die Standort- und Wirtschaftsförderung Furttal integriert ist.
Die Umbenennung vom Industrieverein zum Unternehmerverein unterstrich den verstärkten Fokus auf das Unternehmertum und eine breitere, zeitgemässere Zielgruppe. Nachwuchsförderung und Berufsbildung – etwa durch unseren Einsatz für den Berufswahlabend und den Industrietag – gehören bis heute zur DNA des Vereins.
Redaktion: Wie hat sich die Wirtschaft in Regensdorf und im Furttal in diesen 65 Jahren verändert?
Gantenbein: Regensdorf hat sich in den letzten 65 Jahren vom Bauerndorf zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort entwickelt. Ab den 1950er-Jahren wurde gezielt Landwirtschaftsland in Industrieland umgewandelt, und die Gemeinde hat die Ansiedlung von Unternehmen aktiv gefördert.
Dadurch entstanden viele Arbeitsplätze, und namhafte Firmen siedelten sich an – einige davon sind bis heute präsent. Heute zeigt sich die Wirtschaft deutlich vielfältiger: Die klassische Industrie ist weniger dominant, während Dienstleistungen und neue Branchen an Bedeutung gewonnen haben.
Redaktion: Welche Rolle spielte und spielt der Verein bei der Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Regensdorf?
Gantenbein: Der Verein spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau und Erhalt des Wirtschaftsstandorts Regensdorf. Viele engagierte Regensdorfer Unternehmen sind bei uns organisiert, wodurch wichtige Themen gemeinsam diskutiert und koordiniert werden können.
Gleichzeitig fördern wir das Standortmarketing und setzen uns aktiv für Arbeitskräfte und Lernende ein. Ein wichtiger Aspekt ist auch der Austausch – sowohl zwischen den Unternehmen untereinander als auch zwischen Wirtschaft und Gemeinde.
Der Unternehmerverein Regensdorf ist damit ein starkes Netzwerk, das die Zusammenarbeit fördert, die Interessen der lokalen Wirtschaft vertritt und so ein zentraler Pfeiler für die wirtschaftliche Entwicklung und den Zusammenhalt in Regensdorf ist.
Redaktion: Wo sehen Sie die grössten Stärken des Wirtschaftsstandorts Regensdorf?
Gantenbein: Zu den grössten Stärken von Regensdorf zählen die gute Lage vor den Toren Zürichs und die hervorragende Anbindung an Autobahn, Flughafen und Bahn. Die Nähe zur ETH und zu weiteren Hochschulen fördert zusätzlich Innovationen.
Mit über 1300 Unternehmen und rund 11’000 Arbeitsplätzen gehört Regensdorf zu den bedeutenden Wirtschaftsstandorten im Kanton Zürich. Die breite Branchenvielfalt macht den Standort robust und krisenresistent.
Hinzu kommen vergleichsweise eher günstige Gewerbeflächen. Insgesamt sehe ich grosses Potenzial für einen attraktiven, vielseitigen und zukunftsorientierten Wirtschaftsstandort. Entscheidend ist jetzt: Wir dürfen uns auf diesen Stärken nicht ausruhen.

Redaktion: Welche Themen beschäftigen die Unternehmerinnen und Unternehmer in Regensdorf derzeit am meisten?
Gantenbein: Lokal beschäftigen uns aktuell vor allem die Verkehrsprobleme, insbesondere durch Baustellen und das zunehmende Verkehrsaufkommen. Auch ein gut funktionierendes ÖV-System sowie die begrenzte Verfügbarkeit von Parkplätzen sind wichtige Themen.
Generell bleibt der Fachkräftemangel eine grosse Herausforderung. Unsicherheiten in den globalen Lieferketten und Währungsschwankungen drücken auf die Marge. Die allgemeine wirtschaftliche Lage ist von Unsicherheit und steigenden Kosten geprägt.
Redaktion: Wie profitieren die Mitgliedsunternehmen konkret vom Verein?
Gantenbein: Die Mitgliedsfirmen profitieren insbesondere vom starken Netzwerk und dem direkten Austausch untereinander. Wissen und Erfahrungen können unkompliziert geteilt werden, woraus unter anderem auch konkrete geschäftliche Kooperationen und lokale Lieferketten entstehen.
Der Verein gibt der lokalen Wirtschaft zudem eine gemeinsame Stimme gegenüber Politik und Öffentlichkeit und vertritt ihre Interessen gezielt. Gleichzeitig trägt er aktiv zur Verbesserung der Standortqualität und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei.
Ein weiterer wichtiger Mehrwert ist die Möglichkeit, voneinander zu lernen und sich als Unternehmer oder Unternehmerin weiterzuentwickeln.
Redaktion: Welche wirtschaftlichen Entwicklungen werden Regensdorf in den kommenden Jahren besonders prägen?
Gantenbein: Der Wirtschaftsstandort Regensdorf verfügt aus meiner Sicht über Entwicklungspotenzial. Lage und Grösse bieten sehr gute Voraussetzungen, um den Standort gezielt aufzuwerten und weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig stehen wir vor wichtigen Herausforderungen: Infrastruktur, Verkehr und Standortattraktivität sind zentrale Themen. Hier wird es entscheidend sein, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Wichtig ist dabei auch, dem Industriegebiet und den Unternehmen seitens Gemeinde und Bevölkerung die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Eine klare strategische Ausrichtung ist aus meiner Sicht unumgänglich.
Redaktion: Wo sehen Sie vor allem Chancen für neue Unternehmen und Innovationen in der Region?
Gantenbein: Chancen liegen in den bereits erwähnten Stärken des Standortes. Insbesondere die Nähe zu Zürich, zur ETH und zu Innovationsparks. Dadurch entstehen ideale Voraussetzungen für Startups und technologieorientierte Unternehmen. Besonders auch innovative Firmen können profitieren.
Redaktion: Wie gelingt es den Unternehmen, junge Menschen für eine Berufslehre zu begeistern?
Gantenbein: Unternehmen setzen heute gezielt auf Berufswahlveranstaltungen und direkte Einblicke in den Betrieb. Schnupperlehren sind nach wie vor sehr wichtig. Gleichzeitig gewinnen soziale Medien in der Ansprache junger Menschen zunehmend an Bedeutung.
Entscheidend ist jedoch vor allem, dass jungen Menschen aufgezeigt wird, welche Perspektiven eine Berufslehre bietet und wie früh sie Verantwortung übernehmen können. Praxisnähe und persönliche Betreuung bleiben dabei der Schlüssel – wer junge Menschen früh begeistert und ernst nimmt, gewinnt schlussendlich die Fachkräfte von morgen.
Redaktion: Was motiviert Sie persönlich, sich neben Ihrem beruflichen Engagement für den Verein einzusetzen?
Gantenbein: Der Unternehmerverein ist für mich eine Herzensangelegenheit – mit viel Geschichte und zugleich grossem Potenzial für die Zukunft. Es ist mir wichtig, dass die Interessen der lokalen Wirtschaft aktiv vertreten werden. Besonders das Industriegebiet und seine Entwicklung liegen mir am Herzen, da ich seit rund 40 Jahren selbst dort tätig bin.
Mich faszinieren vor allem auch die Menschen dahinter: die Unternehmerinnen und Unternehmer, die Führungsteams und die Mitarbeitenden. Der persönliche Austausch und die wertvollen Kontakte bedeuten mir viel.
Ich bin überzeugt: Nur gemeinsam können wir den Standort nachhaltig stärken und weiterentwickeln. Gleichzeitig gibt mir dieses ehrenamtliche Engagement auch persönlich sehr viel zurück.
Redaktion: Wenn Sie einen Wunsch für die nächsten 65 Jahre des Unternehmervereins frei hätten – welcher wäre das?
Gantenbein: Ich wünsche mir einen Unternehmerverein, der aktiv bleibt, das Industriequartier mutig mitgestaltet, den Austausch stärkt, die Wirtschaft klar vertritt und Regensdorf als starken Ort zum Arbeiten und Leben positioniert.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Furttaler» erschienen.








