Markus Ritter: «Das Nein ist höher als erwartet ausgefallen»
Die Ernährungsinitiative will mit pflanzlichen Lebensmitteln den Selbstversorgungsgrad in der Schweiz erhöhen. Sie scheitert heute klar am Ständemehr.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Ernährungsinitiative will die Schweiz weniger vom Ausland abhängig machen.
- Auf Ackerflächen sollen mehr pflanzliche Mittel angebaut werden.
- Doch die Schweizer Bevölkerung sagt klar Nein dazu.
Das gibt ein klares Nein: Die erste sowie auch die zweite Hochrechnung sehen für die Ernährungsinitiative einen Nein-Stimmenanteil von 72 Prozent vor.
Klar ist mittlerweile auch, dass die Initiative am Ständemehr scheitert.

Der Bauernverband zeigt sich positiv überrascht. «Das Nein ist höher ausgefallen, als wir erwartet haben, auch als die Umfragen», sagt Markus Ritter. Er ist Präsident des Bauernverbands und Mitte-Nationalrat.
Er macht die Widersprüchlichkeit der Initiative für das klare Nein verantwortlich. Zudem seien die Ziele utopisch gewesen. Einen Nettoselbstversorgungsgrad von 70 Prozent habe die Schweiz zuletzt im Zweiten Weltkrieg gehabt. «Da hätte man die Ernährung weitgehend auf pflanzlich umstellen müssen.»
Auch die Landwirtschaft hätte man laut Ritter innerhalb von zehn Jahren auf ein ganz anderes Niveau bringen müssen.

Ein Selbstversorgungsgrad zwischen 50 und 55 Prozent wäre zufriedenstellend, sagt Ritter. Heute betrage dieser zwischen 42 und 46 Prozent. Daran wollten sie auch arbeiten. «Aber es muss sich mit den Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung zusammenbringen lassen.»
Es sei wichtig, dass sich die Bevölkerung weiterhin ausgewogen regional und saisonal ernähren könne. «Pflanzlich gehört dazu, aber natürlich auch Eier, Milch und Fleisch.»
Der Sommer ist dieses Jahr sehr trocken ausgefallen. «Würde es nächstes Jahr wieder so trocken, wäre es schon nicht mehr gut», sagt Markus Ritter. Er hoffe auf mehr Niederschläge nächstes Jahr, damit sich die Grundwasserreserven wieder auffüllen könnten.
Die Landwirtschaft müsse sich aber besser vorbereiten auf trockene Jahre, sagt Ritter. Er nennt die Bewässerungsmöglichkeiten auf den Betrieben, Wasserspeicher und Gebäude zum Schutz der Tiere. Auch brauche es Investitionen auf der Alp.
Herren: «Sind auf Klimawandel nicht vorbereitet»
Franziska Herren ist Initiantin der Ernährungsinitiative. Den mageren Ja-Anteil wertet sie nicht negativ. «Für uns ist es ein gutes Resultat», sagt sie. «Wenn man sieht, dass wir vom Bundesrat und Parlament keine Unterstützung hatten.»
Sie geht nicht davon aus, dass die Initiative auf grösseren Zuspruch gestossen wäre, wenn diese bescheidener gewesen wäre. «Wir haben nur gefordert, was unbedingt umgesetzt werden müsste», sagt Herren.
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Sie nennt dabei eine Wasserstrategie für sauberes Trinkwasser und sichergestellte Grundwasserressourcen. Weiter gehe es um eine nachhaltige Landwirtschaft zur sicheren Versorgung. «Wir sind auf den Klimawandel nicht vorbereitet.»
Bereits der Hitzesommer 2003 habe gezeigt, wie schnell es zu einer Wasserknappheit kommen könne, sagt Herren. «Weder die Wasser- noch die Landwirtschaft wurde vorbereitet.» Die Initiative sei sehr dringend. Sie geht davon aus, dass die Forderungen trotz Nein schnell umgesetzt werden.
Parlament und Bundesrat müssten gemäss Verfassungsauftrag dafür sorgen, dass die Schweiz innerhalb eines Jahres aus eigenem Boden ernährt werden könne.
Das will die Vorlage
Die Ernährungsinitiative forderte, dass der Bund einen Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent anstrebt. Entsprechend soll er eine vermehrt auf pflanzliche Lebensmittel basierende Ernährungsweise fördern. Darauf müsste sich die Land- und Ernährungswirtschaft einstellen, und auch Subventionen müssten entsprechend gestaltet werden.
Erreicht werden müssten diese Ziele innerhalb von zehn Jahren. Weiter müsste der Bund dafür sorgen, dass alle im Land mit Lebensmitteln und mit sauberem Trinkwasser versorgt sind.
Keine Partei unterstützte die Initiative. Die Grünen haben Stimmfreigabe beschlossen. Das Parlament und der Bundesrat lehnten das Begehren ab.
Das Nein-Komitee warnte vor einer realitätsfremden Bevormundung. Die geforderte Erhöhung des Selbstversorgungsgrads auf siebzig Prozent sei utopisch und nur durch drastische Eingriffe in Konsum und Produktion machbar.

















