Umweltverbände distanzieren sich von Ernährungsinitiative
Nach anfänglicher Unterstützung distanzieren sich inzwischen Umweltschutzorganisationen von der Ernährungsinitiative. Pro Natura hat die Nein-Parole zur Ernährungsinitiative gefasst. Vier Pfoten will sich nach eigenen Angaben «nicht aktiv zur Initiative äussern». Und Greenpeace Schweiz gibt Stimmfreigabe aus.

Tamedia hatte zuvor berichtet heute, dass Pro Natura, Greenpeace und Vier Pfoten ihre Unterstützung der Ernährungsinitiative zurückgezogen haben.
Die Initiative, über die am 27. September abgestimmt wird, habe nicht die erhoffte «dringend nötige, breite Diskussion über die Zukunft des Schweizer Ernährungssystems lanciert», begründete Pro Natura am Montag die Nein-Parole.
Pro Natura will sich, wie es auf Anfrage von Keystone-SDA hiess, im Rahmen der Agrarpolitik weiterhin konstruktiv und tatkräftig für tragbare Tierbestände, weniger Pestizide und ein Ernährungssystem einsetzen, das mit sinnvollen Anreizen arbeite.
Die Stossrichtung der Initiative sei aus Tierschutzperspektive grundsätzlich unterstützenswert, teilte vier Pfoten auf Anfrage mit. Vier Pfoten setze sich aber aktuell mit verschiedenen politischen Massnahmen, konkreten Projekten und Kampagnen für einen besseren Tierschutz und die Verbesserung der Lebensbedingungen von Tieren ein und wolle sich «nicht aktiv zur Initiative äussern».
Auch Greenpeace Schweiz teilte auf Anfrage mit, dass man das Anliegen der Initiative teile, mehr Lebensmittel direkt für die menschliche Ernährung statt als Tierfutter anzubauen. «Der Entscheid, die Ernährungsinitiative nicht länger zu unterstützen, basiert auf einer strategischen Fokussierung unserer politischen Arbeit, nicht einer inhaltlichen Distanzierung», so Greenpeace weiter. Man wolle sich jedoch prioritär in die Agrarpolitik 2030+ – und vor allem in die Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel – einbringen: «Deswegen empfehlen wir weder ein Ja noch ein Nein».
Initiantin Franziska Herren bedauerte es auf Anfrage sehr, dass die Umweltorganisationen die Initiative nicht weiter unterstützten. «Wir erleben mit voller Wucht, was es für die Landwirtinnen und Landwirte sowie für die Bevölkerung bedeutet, dass unsere Landwirtschaft nicht auf den Klimawandel vorbereitet ist», so Herren weiter. Der Hitzesommer 2003 habe schon vor 23 Jahren gezeigt, wie schnell Trinkwasser und Wasser für die Landwirtschaft durch den Klimawandel fehlen könne.
Die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)» will die Verfassung ergänzen. Namentlich fordert sie, dass der Bund einen Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent anstrebt und entsprechend eine vermehrt auf pflanzliche Lebensmittel basierende Ernährungsweise fördert. Darauf müsste sich die Land- und Ernährungswirtschaft ausrichten, und auch Subventionen müssten entsprechend gestaltet werden. Erreicht werden müssten diese Ziele innerhalb von zehn Jahren.






