«Lässt seinen Groll raus»: Vater von Brandopfer war im Knast
Der Vater eines Brandopfers von Crans-Montana fordert Gerechtigkeit der Justiz. Selber sass er mehrere Jahre im Gefängnis. Ein Politiker übt Kritik.

Das Wichtigste in Kürze
- Christian Pidoux verlor in der Brandkatastrophe von Crans-Montana Sohn Trystan.
- Im italienischen Fernsehen nimmt der ehemalige Straftäter die Justiz in die Pflicht.
- Der Tessiner Politiker Filippo Lombardi findet den Auftritt von Pidoux problematisch.
Was Christian Pidoux erlebt, wünscht man keinem Vater. Trystan, der 17-jährige Sohn des Waadtländers, ist eines der Opfer, die in den Flammen von Crans-Montana gestorben sind. Kürzlich tritt er mit seiner Frau Vinciane Stucky in der Talkshow «Lo Stato delle Cose» auf «Rai3» auf.
Bei der Schaltung ins Studio trägt er ein Fussballtrikot der italienischen Nationalmannschaft. Pidoux fasst sich an die linke Brust, auf der das italienische Wappen aufgenäht ist. «Ohne Italien wären wir heute nicht hier», erklärt er sein Outfit.
Er habe tausende Nachrichten gesehen, sagt der Vater. Mamas, Kinder, Töchter und Söhne, Geschwister und die Präsidentin Giorgia Meloni erwähnt er. «Sie waren für uns da», sagt der Vater.
Sie hätten ihnen Hoffnung gegeben. «Vielleicht wissen wir eines Tages die Wahrheit», sagt Trystans Vater.
«Und nicht für eine Lappalie»
Wie die anderen Angehörigen der über 40 Todesopfer und über 100 Brandverletzten fordern Trystan Pidoux' Eltern Wahrheit und Gerechtigkeit. In Italien treffen sie damit auf viel Verständnis, da Politiker dort seit Wochen das Vorgehen der Walliser Justiz lautstark kritisieren.
Beim Luganeser Stadtrat Filippo Lombardi hinterlässt Christian Pidoux allerdings einen schalen Nachgeschmack.
«Er ist einer, der seinen Groll rauslässt und nicht den Schmerz eines Angehörigen», behauptet der Mitte-Politiker. Pidoux sei wütend auf die FDP und auf die Schweizer Justiz.
Denn: Zweimal sei er verurteilt worden. «Und nicht für Lappalien», behauptet er.
Unter diesen Umständen hält Lombardi die Aufritte von Pidoux bei allem Verständnis für die Trauer um den Sohn für unpassend. «Leider» hätte es seiner Meinung nach genügend andere Familien gegeben, die das italienische Fernsehen hätte einladen können.
Anwalt gekidnappt
Tatsächlich ist der 53-Jährige alles andere als ein unbeschriebenes Blatt.
1998 kidnappte der Adoptivsohn des ehemaligen Waadtländer National- und Ständerats Philippe Pidoux (FDP) den Lausanner Anwalt Stephane Lagonico. Beim 26-jährigen Anwalt handelte es sich um den Sohn von einer der reichsten Familien des Waadtlands. Die Bande versteckte die Geisel ausserhalb des Kantons und verlangte fünf Millionen Franken Lösegeld.
Die Eltern des Entführten bezahlten darauf eine halbe Million Franken Lösegeld. Zwei Tage später wurde Lagonico bei Morges befreit. Die Polizei verhaftete insgesamt acht Beteiligte. Auch stellte sie 33'000 Franken und Waffen sicher.
Von den drei Drahtziehern der Aktion, unter anderem Christian Pidoux, fehlte aber jede Spur.
1999 wurde die Bande in Brasilien aufgrund eines internationalen Haftbefehls verhaftet. Das Gericht verurteilte Christian Pidoux zu siebeneinhalb Jahren Haft auf Bewährung. 2008 kassierte er wegen kleinerer Delikte von einem Waadtländer Gericht eine dreijährige Haftstrafe.





















