Kleider, Identität und Patriotismus prägen die Reden am 1. August
Die Reden zu den diesjährigen 1.-August-Feierlichkeiten waren geprägt von Symbolik, kultureller Identität und Patriotismus. Noch vor einem Jahr sah das deutlich anders aus, als der Zollhammer von US-Präsident Donald Trump für Aufregung sorgte.

Von den damals kurz vor dem Nationalfeiertag angekündigten 39 Prozent Einfuhrzöllen für Schweizer Importe sprach dieses Jahr niemand mehr. Das Einzige, was 2026 noch an US-Präsident Trump erinnerte, war die rote Baseballmütze von Bundespräsident Guy Parmelin mit dem Schriftzug «Switzerland Great Since 1291».
Diese präsentierte der Waadtländer bereits Anfang Juli an der Fussball-Weltmeisterschaft der Männer mit viel Stolz. Auf dem Rütli schwenkte Parmelin seine berühmte Mütze vor den nach Angaben der Organisatoren rund 1100 Gästen.
Parmelin nahm bei seiner Rede auf dem Rütli Bezug auf die Schweizerische Trachtenvereinigung, die vor hundert Jahren gegründet wurde und Ehrengast der diesjährigen Bundesfeier auf dem Rütli war. Tradition bleibe lebendig, wenn Menschen sie – auch im wörtlichen Sinne – tragen würden, erklärte er. Kleidung mache sichtbar, «wer wir sind, woher wir kommen oder wozu wir uns zugehörig fühlen», sagte Parmelin.
Die Schweiz kenne nicht nur viele Kleidersprachen, sondern auch Landessprachen, Regionen und Traditionen. «Diese Vielfalt trennt uns nicht.» Nicht nur die Kleidung, auch das Rütli erzählt für Parmelin von Herkunft und Zugehörigkeit. Es erzähle, dass die Schweiz nie wegen ihrer Grösse gross gewesen sei, sondern wegen ihres Willens, das eigene Schicksal selbst zu bestimmen.
In Anlehnung an die Kopfbedeckung von Parmelin war auch Aussenminister Ignazio Cassis mit einer patriotischen Baseballmütze zu sehen. «Switzerland even greater since 1803» stand auf seiner ebenfalls roten Mütze unterhalb eines Tessiner Wappens, in Anlehnung an die Angliederung des Tessins an die Schweiz unter der Herrschaft von Napoleon.
Bei einem 1.-August-Brunch auf einem Bauernhof in Düdingen FR kombinierte der Tessiner Bundesrat die Mütze zusammen mit einem schwarzen Shirt mit dem Schriftzug «Switzerland».
In seiner Rede verglich Cassis die Schweiz mit einem Feld, das gepflügt werden müsse. Er rief dazu auf, dem Land Sorge zu tragen, und bezeichnete die Neutralität als aktives Mittel für unseren Wohlstand.
«Die Schweiz fällt nicht vom Himmel. Sie wird kultiviert», sagte der Schweizer Aussenminister am Samstagmorgen. Er verwies dabei auf Landwirte, die sich hierzulande wegen der Trockenheit sorgen – und auf Menschen in anderen Ländern, die aus Angst vor Raketen zum gleichen Himmel blickten.
Ohne Kopfbedeckung kam Karin Keller-Sutter aus. In Kradolf-Schönenberg TG warb sie für Stabilität, gesunde Staatsfinanzen und Konsensfindung. Stabilität sei in der aktuellen Weltlage der grösste Trumpf der Schweiz, erklärte sie in ihrer Ansprache am Samstagmittag. Gesunde Finanzen und die tiefe Verschuldung des Landes seien die beste Krisenvorsorge, betonte die Finanzministerin. Das gelte auch in herausfordernden Zeiten von Angriffs- und Handelskriegen, wirtschaftlicher Abschottung, Alterung sowie Klimawandel.
Verlässlichkeit und Beständigkeit seien in einer Welt des beschleunigten Wandels entscheidend. Das schweizerische System mit Föderalismus und direkter Demokratie brauche zwar manchmal länger für Entscheidungen, schaffe aber Vertrauen.
Auch der Rest der Landesregierung mit Albert Rösti, Beat Jans, Martin Pfister und Elisabeth Baume-Schneider war am 1. August an verschiedenen Feiern in der ganzen Schweiz zu Gast. Bereits am Freitag hatten Teile des Bundesrates an Feierlichkeiten teilgenommen. Rösti sprach über Hitze und Föderalismus, Pfister analysierte die Psychologie der Schweiz, Jans setzte die Vielfalt in den Vordergrund, und Baume-Schneider hob die Mehrsprachigkeit hervor.
Wiederum mit Kopfbedeckung trat Armeechef Benedikt Roos auf. Er trug den zu seiner Uniform gehörenden Hut an der Bundesfeier in Zürich. In seiner Rede ging es um Patriotismus. Ab und zu habe er fast das Gefühl, sich für seinen Patriotismus entschuldigen zu müssen, sagte er. Aber Patriotismus heisse ja nicht, dass die Schweiz besser sei als andere.
«Patriotismus bedeutet für mich, Verantwortung für die eigene Heimat zu übernehmen», sagte der Berner vor den rund 1500 Zuhörerinnen und Zuhörern in der Stadthausanlage am Zürichsee. «Und dafür müssen wir uns nicht entschuldigen, im Gegenteil.»
Die Welt um uns herum habe sich bekanntlich verändert, sagte Roos weiter. Derzeit werde die Schweiz jeden Tag angegriffen, durch Cyberangriffe, Desinformation oder durch Spionage. «Auf diese Bedrohungen müssen wir uns einstellen», sagte er. Werte wie Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit müssten geschützt werden. «Dies gilt nicht nur für die Armee, sondern für uns alle.»










