Kino: Neuer Schweizer Film läuft in fast leerem Saal
Für rund 100 Gäste bietet ein Saal in einem Zürcher Kino Platz. Ein neuer Schweizer Film flimmert dort aber kürzlich vor fast leeren Rängen über die Leinwand.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Film «Mein Freund Barry» ist kürzlich in den Kinos gestartet.
- An einem Mittwochabend sitzen aber kaum Gäste im Saal des Kinokoni in Zürich.
- Der Kinobetreiber und der Kinoverband erklären die aktuelle Lage.
Die Gäste können mit den Snacks so laut rascheln, wie sie wollen. Alle paar Minuten einen anderen Sitzplatz testen? Auch kein Problem.
Der Kinosaal mit knapp 100 Plätzen im Kinokoni bei der Zürcher Europaallee ist an einem Mittwochabend Mitte Januar fast leer. Lediglich sieben Gäste sitzen in den gelben Sesseln. Ihr Ticket hat nicht mal jemand kontrolliert.
Dabei läuft mit «Mein Freund Barry» ein Film, der erst vor einer Woche in den Kinos gestartet ist.
Die Schweizer Filmproduktion handelt vom legendären Schweizer Rettungshund, dem Bernhardiner «Barry». Gedreht wurde die SRF-Koproduktion in den Walliser Alpen und im Tessin.
«Kuschelig, herzerwärmend»
Auf dem Programm steht demnach alles andere als ein billiger Streifen, von denen man sich unzählige über Streamingplattformen reinziehen kann.
Auch die Bewertungen für den neuen Schweizer Familienfilm mit Schauspielgrössen wie Max Hubacher und Carlos Leal fallen durchwegs positiv aus.
«Ein wunderschöner, beeindruckender Familienfilm» oder «kuschelig, herzerwärmend und amüsant», schwärmen Besuchende im Netz.
Auch Filmbloggerin Daphne Chaimovitz hat nur lobende Worte übrig. «Die Geschichte basiert auf wahren Tatsachen, dies macht sie umso ergreifender», schreibt sie. Den geleisteten schauspielerischen Beitrag bezeichnet sie als «ausserordentlich».
Kino beunruhigt fast leeren Saal nicht
Ein fast leerer Saal im Kino bei einem Schweizer Film mit guter Kritik ist ein neuer Höhepunkt der Kinoflaute.
Konrad Schibli, Betreiber der Kinokoni AG, zeigt sich davon jedoch unbeeindruckt. Zu gewissen Randzeiten rechneten sie mit einer tieferen Auslastung, sagt er zu Nau.ch. Dies treffe insbesondere auf Abendvorstellungen unter der Woche zu.
Familienfilme hätten es im Kino unter der Woche am Abend traditionell schwer, sagt Schibli. «Speziell an einem urbanen Standort wie der Europaallee.»
Am Nachmittag sowie an Wochenenden verzeichneten Familienfilme in der Regel deutlich höhere Besucherzahlen.
Trotzdem: Familienfilme aus dem Abendprogramm unter der Woche zu kippen, kommt für den Kinobetreiber nicht infrage.
«Diese Programmierungen gehören dennoch zu einem vielfältigen Kinoangebot, das unterschiedliche Zielgruppen berücksichtigen soll.»
«Mein Freund Barry» richtet sich laut Schibli nicht ausschliesslich an kleine Kinder. Auch ältere Kinder, Jugendliche und erwachsene Familienmitglieder würden angesprochen.
«Zudem gibt es auch Erwachsene ohne Kinder, die solche Filme bewusst abends besuchen.» Ziel des Kinobetreibers sei es, unterschiedlichen Lebensrealitäten gerecht zu werden.
«Passen Spielzeiten kontinuierlich an»
Die Rechnung scheint für das Kinokoni aktuell aufzugehen.
Leere oder schwach besuchte Vorstellungen gehören laut Konrad Schibli zur wirtschaftlichen Realität des Kinobetriebs. Insbesondere ausserhalb der Spitzenzeiten.
«Entscheidend ist die Gesamtperformance über Wochen und Monate hinweg, nicht die Auslastung einzelner Screenings.»
Dennoch ist möglich, dass das Kino die Säle dereinst nicht mehr für Gäste öffnet, die kaum eine Sitzreihe füllen. «Wir beobachten die Nachfrage sehr genau und passen Spielzeiten und Programme kontinuierlich an», sagt Konrad Schibli.
Personalkosten dürfte das Kino schon eingespart haben: Bei der Vorstellung am Mittwochabend prüft niemand die die Billetts.
Schibli erklärt: «Ticketkontrollen erfolgen bei uns situativ und abhängig vom Besucheraufkommen. Bei sehr kleinen Besucherzahlen wird aus betrieblichen Gründen teilweise darauf verzichtet.»
Grund dafür sei, dass der Ticketverkauf digital erfasst sei und die Kontrolle keinen Mehrwert bringe. «Wenn keine Kontrolle durchgeführt wird, zählt unser Personal sporadisch bei den Saalkontrollen die Anzahl Gäste in den Sälen.»
Barry-Film ist «absoluter Grosserfolg»
Der Schweizerische Kinoverband (SKV) zieht derweil eine positive Zwischenbilanz für «Mein Freund Barry».
Der Film habe in der ersten Woche knapp 30'000 Besucherinnen und Besucher erreicht, sagt SKV-Präsident Alain Marti. «Das ist ein absoluter Grosserfolg!», lobt er.
In den Kinocharts habe dieser in der Woche vom 12. Januar Platz zwei neben dem Megablockbuster «Avatar 3» belegt.
Schweizer Filme laufen in den hiesigen Kinos laut Marti aktuell «äusserst gut». Als Beispiel nennt er die Ski-Doku «Downhill Skiers» und die Betty-Bossi-Komödie «Hallo Betty».
Schulung statt Film im Kino
Alain Marti blickt positiv in die Zukunft.
«Unser Geschäft lohnt sich immer noch», sagt er. Doch gleichzeitig gilt: «Die letzten Jahre waren nicht einfach in unserer Branche.» Genau deswegen seien viele Kinobetreiber sehr kreativ und innovativ geworden.
Die digitale Technik hat laut dem Verbandspräsidenten neue Chancen ermöglicht. «So können wir zum Beispiel heute auch eine Live-Übertragung auf Grossleinwand zeigen.» In den Kinos sei in den letzten Jahren viel investiert worden.

«Modernste Infrastruktur, oft Kombinationen mit Gastronomie, Entwicklung diverser Premiumangebote und Ausprobieren von neuen Konzepten.»
Die «Eventisierung» ist laut Marti ein grosses Thema. «Viele Kinos beherbergen heute unzählige andere Veranstaltungen in ihren Räumlichkeiten.»
So gehen im Kino Schulungen, Fachvorträge, Produktepräsentationen oder Generalversammlungen über die Bühne.
Marti betont: «Wir sind fest davon überzeugt, 2026 ein starkes Kinojahr zu haben mit wieder deutlich besseren Zahlen.»



















