Kino-Röstigraben: Die Westschweiz bekommt Filme viel früher!
Der Röstigraben führt mitten durch die Kinosäle: In der Westschweiz starten die Filme vor der Deutschschweiz – teils einen ganzen Monat früher!

Das Wichtigste in Kürze
- In der Schweiz laufen Kinofilme zu unterschiedlichen Startterminen an.
- Der Film «The Housemaid» startet in der Westschweiz einen Monat vor der Deutschschweiz.
- Das liegt vor allem an den Synchronisationen, an Sperrfristen und am Konkurrenzumfeld.
Draussen ist es kalt und dunkel – perfektes Kinowetter. Doch während in der Westschweiz viele Kinofilme bereits über die Leinwand flimmern, müssen die Deutschschweizer noch warten.
Und das teilweise fast einen Monat!
Aktuelles Beispiel: Der Thriller «The Housemaid», verfilmt nach dem gleichnamigen Bestsellerroman von Freida McFadden, lief in den Westschweizer Kinos bereits am 24. Dezember 2025 an.
In den Deutschschweizer Kinos heisst es warten: Der Film mit Sydney Sweeney und Amanda Seyfried feiert hier erst am 22. Januar Premiere.
Auch die italienische Schweiz bekam den Film erst nach der französischsprachigen Schweiz zu sehen – am 8. Januar, und damit immer noch zwei Wochen vor der Deutschschweiz.
Vom Ausland abhängig
Aber warum? «Das Prinzip ist ganz einfach», erklärt Cédric Bourquard, Sprecher des Schweizerischen Kino-Verbands, gegenüber Nau.ch: «Die synchronisierten deutschen Versionen werden in Deutschland produziert, Die französischen in Frankreich und die italienischen in Italien.»
Der Schweizer Verleih sei daher von der Verfügbarkeit dieser Fassungen abhängig.

Warum manche Länder Filme früher als andere herausbringen, hängt laut Bourquard von weiteren Faktoren ab: Eine Rolle spielen dabei auch «die Konkurrenzsituation mit anderen, lokalen Filmen, lokale Feiertage und Gewohnheiten». Eine allgemeine Regel würde es nicht geben.
«Pro Cinema», der Schweizer Verleiher von «The Housemaid», bestätigt die Auslands-Orientierung des Schweizer Markts. Karin Rüegg, Mediensprecherin, sagt: «Unabhängige Filmverleiher orientieren sich aus marktspezifischen Gründen stark an den umliegenden Nachbarmärkten.» Grund dafür seien vor allem die unterschiedlichen Sprachregionen.
Nachbarn legen den Start fest
Deutschland, Frankreich und Italien würden den Kinostart in der Schweiz bestimmen, erklärt Rüegg.
Im konkreten Fall liege die Verzögerung an den unterschiedlichen Startdaten der Nachbarmärkte – und nicht nur an der Sprach-Synchronisation: «Frankreich und Deutschland haben verschiedene Kinostarts definiert, an denen sich die Schweiz entsprechend ihrer Sprachregionen orientiert.»
Die Kinostarts würden also nicht vom Kino selbst gesteuert, sondern vom Verleih, der flexibel nach Sprachregionen vorgehe, erläutert Rüegg: «Grundsätzlich gibt es für jeden Film eine Release-Strategie, die auch kurzfristig angepasst werden kann. Sie richtet sich unter anderem nach dem jeweiligen Konkurrenzumfeld, das sich je nach Sprachregion unterscheiden kann.»

Eine gezielte Priorisierung einzelner Regionen würde es jedoch nicht geben. Und ein einheitlicher Kinostart in der Schweiz sei aufgrund der Auslandsabhängigkeit ohnehin undenkbar.
Deutschschweizer Kino-Fans, die Filme als Erste sehen wollen, müssen also auch in Zukunft den Röstigraben überqueren.















