Feuer

Kerzers-Überlebender: «Zuerst fingen seine Hände Feuer»

Elena Hatebur
Elena Hatebur

Murten,

Eine Woche nach der Tragödie von Kerzers FR spricht ein Überlebender erstmals über die dramatischen Minuten im brennenden Postauto.

Kerzers
Bei dem Postauto-Brand in Kerzers kamen sechs Menschen ums Leben. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Vor einer Woche zündete sich ein Mann in einem Bus in Kerzers FR selbst an.
  • Er riss fünf Menschen mit sich in den Tod, drei Menschen überlebten verletzt.
  • Einer der Verletzten äussert sich nun erstmals zur Tragödie.

Vor rund einer Woche legte sich eine Schockstarre über Kerzers FR. Mitten im Zentrum der Gemeinde stand am frühen Dienstagabend plötzlich ein Postauto in Flammen.

Was sich zuvor im Innern des Fahrzeugs abgespielt hatte, ist kaum zu fassen: Ein 65-jähriger Schweizer hatte sich mit Benzin übergossen und selbst angezündet. Fünf weitere Menschen verloren dabei ihr Leben, drei weitere wurden mit schweren Verletzungen in Spitäler eingeliefert.

Unter den Verletzten ist auch der 32-jährige Kosovare Faton M.* Er befand sich an jenem Abend im Postauto und wurde Zeuge der Ereignisse.

M. hat schwere Verbrennungen erlitten, seine Haut ist gezeichnet, die Hände sind bandagiert. Gegenüber «Blick» schildert er nun erstmals, was sich in diesen Minuten abgespielt hat.

Täter sass frontal gegenüber

«Ich bin eingestiegen und sass gleich in der Mitte, links in Fahrtrichtung», erzählt er. Direkt gegenüber sass der Täter, Roger K.* (†65).

Er habe beobachtet, wie sich der Mann mit Benzin übergoss – schätzungsweise drei Liter. In diesem Moment sei ihm sofort klar geworden, was passieren könnte.

«Ich stand auf und schrie: Nein! Stopp! Türe öffnen!», sagt M.

Der Chauffeur, Albino R.* (†63), habe umgehend reagiert und gebremst. Auch andere Passagiere seien aufgestanden, die Situation habe sich innert Sekunden zugespitzt.

Dann griff der Täter zum Feuerzeug. Er habe sich im Brustbereich angezündet, schildert M. «Zuerst fingen aber seine Hände Feuer

Und: «Als er sich anzündete, zeigte er keine Reaktion.» Das Gesicht des Täters sei dabei völlig emotionslos gewesen.

Flammen breiteten sich in Sekunden aus

Die Flammen hätten sich rasend schnell ausgebreitet. «Das Feuer breitete sich blitzartig über den Boden hinweg aus», erzählt M. der Zeitung.

Der Rauch nahm ihm die Sicht, Orientierung war kaum noch möglich. Er habe sich in Richtung Mitteltür vorgetastet. «Plötzlich landete ich rücklings draussen auf dem Boden.»

Noch unter Schock habe er Umstehende auf das Geschehen aufmerksam gemacht. «Ein Mann hat sich angezündet.»

Im Gespräch mit der Zeitung ringt M. mit den Erinnerungen. «Ich konnte niemandem helfen, es ging alles so schnell.»

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Besonders in Erinnerung geblieben seien ihm einzelne Bilder aus diesen Sekunden: Der Blick des Chauffeurs im Spiegel, der Täter. Auch die junge Frau, die mit ihrem Freund nah beim Täter Platz genommen habe.

Die Tragödie habe ihm gezeigt, was wirklich zähle: «Familie und das eigene Leben schätzen und auskosten.» Über den Täter möchte er nichts wissen.

Zum Schluss richtet sich M. an jene, die bei der Tragödie einen Angehörigen verloren haben: «Ich möchte allen Betroffenen und ihren Familien mein Beileid aussprechen. Es tut mir von Herzen leid um ihren Verlust – und dass ich nichts tun konnte.»

* Name der Redaktion bekannt

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