«Kann nicht schlafen»: Helfer von Crans-Montana leiden
In der Silvesternacht waren sie als erste vor Ort und halfen. Nun kämpfen Ersthelfende von Crans-Montana darum, das Erlebte zu verarbeiten.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Silvesternacht brannte in Crans-Montana eine Bar nieder, 40 Menschen starben.
- Für die Ersthelfenden ist die Situation schwer zu verdauen.
- Sie kämpfen mit Schlafproblemen und können nicht weiterarbeiten.
In der Silvesternacht kam es in Crans-Montana zu einer verheerenden Brandkatastrophe.
Die Bilanz: 40 Menschen sterben in den Flammen der Bar «Le Constellation». 116 Personen werden beim Inferno verletzt, einige tragen schwerste Verbrennungen davon.
Es ist eine Katastrophe, die weltweit für Anteilnahme sorgt. Besonders trifft sie aber die Ersthelfer, die in Crans-Montana vor Ort waren.
«Ich liebe das Leben, nicht den Tod»
So beispielsweise Feuerwehrkommandant David Vocat. Er rückt mit den Männern und Frauen der freiwilligen Feuerwehr von Crans-Montana sofort aus, als es zum Brand kommt.
Unter Tränen schildert er gegenüber der «Rundschau»: «Ich weiss nicht, ob ich weiterarbeiten kann.»
00:00 / 00:00
«Ich liebe das Leben, ich liebe die Menschen», fährt er fort. «Ich liebe nicht den Tod.»
Das sei es, was schwierig sei. Darum wisse er aktuell auch nicht, ob er überhaupt weiterarbeiten könne. Er brauche erst einmal Zeit für sich.
Ersthelfer wurde kurz zuvor am Eingang abgewiesen
Auch der junge Bernardo, ein Küchenmitarbeiter aus dem Nachbardorf, hat an den Erlebnissen der Silvesternacht schwer zu tragen.
Er wird kurz vor Brandausbruch am Eingang des «Le Constellation» abgewiesen, schildert er der «Rundschau».
Er erlebt das Drama hautnah mit. Und ist dabei, als brennende Menschen aus dem Gebäude stürzen. Ein Freund schlägt gar eine Scheibe ein, damit die Bar-Besuchenden ins Freie gelangen können.
Bernardo hilft, bringt Menschen zu den Ambulanzen und begleitet sie gar ins Sportzentrum, welches als Erstversorgungslager gilt. Er ist auch persönlich betroffen. Drei seiner Bekannten liegen nach der Brandkatastrophe im Koma.
«Das macht mir im Moment wirklich Angst»
Um das Erlebte zu verarbeiten, hat er sich psychologische Hilfe geholt. Denn ihn quälen Fragen: «Ich fragte mich, habe ich alles getan, was ich konnte?»
Seinen Beruf in der Küche könne er aktuell nicht mehr ausüben, berichtet Bernardo.
00:00 / 00:00
Denn: «Alles ist heiss. Es gibt Fritteusen und Maschinen, alles ist kochend heiss. Das macht mir im Moment wirklich Angst.»
Er habe ein Problem mit der Hitze, erzählt er. «Auch mit den Gerüchen. Wenn etwas verkohlt riecht, kommen mir die Tränen und alles kommt mir wieder in den Sinn.» Schliesse er die Augen, komme die Angst hoch.
«Jeder bricht zusammen»
Auch für Feuerwehrkommandant David Vocat ist die Situation schwierig. «Ich schlafe nicht viel.»
Er versuche zu kämpfen «für die Männer und Frauen, die im Einsatz waren». Denn der Chef müsse ein Vorbild sein, Das sei extrem wichtig.

Doch: «Es ist nicht einfach. Ich habe gestern meine Freunde gesehen, ich bin zusammengebrochen.»
Denn sie seien ja auch nur Menschen, so Vocat. «Jeder bricht zusammen, weil man so etwas nicht erleben sollte.»

















