Versperrte Fluchtwege, Schaumstoff – beim Brandschutz hapert es oft

Simon Ulrich
Simon Ulrich

Crans-Montana,

Bei Kontrollen in Clubs und Bars werden häufig brandschutztechnische Mängel entdeckt. Wo Menschenleben gefährdet sind, greifen Gebäudeversicherungen hart durch.

fluchtweg
Fehlende Fluchtweg-Signalisationen gehören zu den häufigsten Mängeln, die Gebäudeversicherungen bei ihren Kontrollen feststellen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bar «Le Constellation» wurde seit 2019 nicht mehr brandschutztechnisch kontrolliert.
  • Andere Kantone führen regelmässig Kontrollen durch und entdecken oft Mängel.
  • Besonders häufig: versperrte Fluchtwege, fehlende Schilder, brennbare Materialien.

Die Bar «Le Constellation» in Crans-Montana, wo sich das Silvester-Drama abspielte, wurde in den letzten sechs Jahren nicht kontrolliert. Die letzte behördliche Brandschutzkontrolle gab es 2019 – laut Walliser Kantonsgesetz hätte sie jährlich stattfinden müssen.

«Wir bedauern das zutiefst», sagte Nicolas Féraud, Gemeinderatspräsident von Crans-Montana, bei der Medienkonferenz am Dienstag.

Seinen Angaben zufolge wurden zudem bei der letzten Inspektion keine Mängel festgestellt. Auch die schnell brennbaren Deckenelemente aus Schaumstoff waren demnach kein Thema.

Auf Crans-Montana dürfte schon bald eine Reihe von Klagen zukommen. Denn im Wallis sind die Gemeinden für die Kontrollen der Brandschutzvorschriften zuständig.

Die meisten anderen Kantone kennen hingegen eine obligatorische kantonale Gebäudeversicherung.

Zwar gibt es auch hier Unterschiede bei den Zuständigkeiten, doch grundsätzlich gilt: Gastrobetriebe wie Bars und Clubs werden von den kantonalen Brandschutz-Inspektoren unter die Lupe genommen.

Aargauer Gebäudeversicherung findet bei 30 Prozent der Betriebe Mängel

Dabei bringen Kontrollen regelmässig Mängel ans Licht, wie Anfragen von Nau.ch bei verschiedenen Gebäudeversicherungen zeigen.

Im Aargau werden Betriebe ab einer Belegung von mehr als 300 Personen alle vier Jahre durch die Gebäudeversicherung AGV überprüft. Sie führt jährlich rund 900 Kontrollen durch. Die AGV richtet sich dabei nach den Brandschutzvorschriften der Vereinigung der kantonalen Feuerversicherungen.

Achtest du in Bars oder Clubs derzeit vermehrt auf die Einhaltung von Brandschutzvorschriften?

In 70 Prozent der Fälle gebe es keine Beanstandungen, erklärt Sprecherin Olga Kuck. Bei den restlichen 30 Prozent verfüge die Gebäudeversicherung die Beseitigung der Brandschutzmängel und überwache sie wo nötig.

«Oft handelt es sich um einfach zu behebende Mängel wie Keile unter Brandschutztüren oder Ähnliches», sagt Kuck.

Kontrolleure finden immer wieder verstellte Fluchtwege

Oberste Priorität hat laut der Sprecherin die Sicherheit und Funktionstüchtigkeit der Flucht- und Rettungswege. Doch genau hier hapert es zuweilen: So stossen die Spezialisten immer mal wieder auf Material, das just in Fluchtwegen deponiert wurde.

Auch fehlende Beschilderungen, nicht gewartete Sicherheitseinrichtungen und unbewilligte Umbauten finden regelmässig den Weg ins Protokoll.

«Wo es um die Sicherheit von Menschenleben geht, verfügen wir Sofortmassnahmen», stellt Kuck klar. Diese reichen bis hin zu Nutzungsverboten.

Auch erstattet die AGV Strafanzeige, wenn die Mängel nicht innert Frist behoben werden. Zu Komplettschliessungen sei es in den letzten fünf Jahren aber nicht gekommen, so die Sprecherin.

Schaumstoff-Isolationen wiederholt ein Problem

Auch bei der Gebäudeversicherung Bern (GVB) gehören verstellte Fluchtwege, fehlende Notausgangsschilder und schlecht gewartete Feuerlöscher zu den häufig festgestellten Mängeln. Zudem spielt mangelndes Bewusstsein für die Organisation im Brandfall eine Rolle.

Was ebenfalls wiederholt beanstandet wurde: leicht entflammbare Akustik-Isolationen aus Schaumstoff, wie sie grossflächig im «Le Constellation» verwendet wurden. «Das kommt immer wieder vor», sagt GVB-Sprecher Tom Glanzmann-Fiorenza zu Nau.ch.

Teilweise lägen solche Dämmmaterialien jedoch hinter Verkleidungen – und seien dann bei Kontrollen nicht sichtbar.

Crans-Montana
Auch rasch brennender Dämm-Schaumstoff, wie er im «Le Constellation» verwendet wurde, wird von den Inspektoren immer wieder beanstandet. - Facebook

«Aufgrund von Kontrollen gibt es bei nahezu allen Betrieben Bedarf an Nachbesserungen», so Glanzmann-Fiorenza weiter.

Das habe allerdings damit zu tun, dass auch geringfügige Mängel beanstandet werden, die keine unmittelbare Gefahr für Personen darstellen.

Kontrollen finden im Kanton Bern alle fünf bis zehn Jahre statt. Werden gravierende Mängel nicht behoben, wird der Fall an das Regierungsstatthalteramt übergeben. Dieses kann Einschränkungen oder Schliessungen anordnen.

Schliessungen sind «schon vorgekommen»

Im Kanton Zürich werden Betriebe über 300 Personen gar alle zwei Jahre von der Gebäudeversicherung kontrolliert. Insgesamt führt die GVZ jährlich rund 550 Kontrollen durch, darunter etwa 50 in Veranstaltungsstätten.

Bei schwerwiegenden Mängeln folgen Nachkontrollen, bei groben Verstössen werden Zwangsmassnahmen angeordnet.

«Im Ausnahmefall ist die Schliessung bis zur Behebung der festgestellten Mängel nicht ausgeschlossen», sagt GVZ-Sprecherin Barbara Greuter. «Dies ist auch schon vorgekommen.»

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