Jetzt hilft SVP der Seniorin (77), die gegen Bargeld-Abschaffung ist

Stephan Felder
Stephan Felder

Chur,

Eine 77-jährige Bündnerin kämpft gegen bargeldlose Postautos. Nun bekommt sie politische Rückendeckung von der SVP Graubünden.

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Soll in Postautos mit Bargeld bezahlt werden können? An dieser Frage scheiden sich die Geister. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Berta Caminada kämpft gegen bargeldlose Postautos und sammelte über 8000 Unterschriften.
  • Die SVP Graubünden unterstützt ihr Anliegen und plant einen politischen Vorstoss.
  • Der Kanton prüft die Petition, eine Entscheidung ist noch offen.

Die 77-jährige Rentnerin Berta Caminada wehrt sich gegen die Abschaffung des Ticketverkaufs mit Bargeld in Bündner Postautos.

Mit Erfolg – ihre Petition sammelte über 8000 Unterschriften. Nau.ch berichtete.

Jetzt schaltet sich auch die SVP Graubünden ein, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Die Partei hat beschlossen, Caminadas Anliegen politisch weiterzuverfolgen.

Unterstützung durch die SVP Graubünden

Parteipräsident und Nationalrat Roman Hug sagt der Zeitung: «Die SVP Graubünden unterstützt alle Anliegen, die fordern, dass man bei staatlichen Dienstleistungen und staatsnahen Betrieben mit Bargeld zahlen kann.»

Ein konkreter Vorstoss für den Grossen Rat ist zwar noch in Arbeit, soll aber folgen.

Caminada störte sich daran, dass Fahrgäste ihre Billette seit dem Fahrplanwechsel im Dezember nicht mehr direkt beim Chauffeur lösen können.

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SVP-Nationalrat Roman Hug unterstützt die Petition von Caminada. - keystone

«So werden alle Menschen, die nicht mit digitalen Zahlungsmitteln umgehen können, vom öffentlichen Verkehr ausgeschlossen», sagt sie.

Besonders in einem Bergkanton wie Graubünden sei das problematisch, da viele Orte ausschliesslich per Bus erreichbar seien.

Ältere Menschen sind mit den Apparaten überfordert

Zwar stehen in den Postautos sogenannte Venda-Automaten bereit. Bezahlt werden kann dort mit Kreditkarte, Twint, Swiss Pass oder einer Wertkarte. Letztere lässt sich weiterhin bar beim Fahrpersonal kaufen.

Für Caminada greift diese Lösung aber zu kurz: «Ich habe von so viel Unmut gehört bei Menschen, die mit dem Apparat überfordert sind.»

Bist du für eine allgemeine Pflicht, Bargeld zu akzeptieren?

Aus diesem Unmut heraus startete die Seniorin eine Online-Petition. Mit Hilfe eines Freundes stellte sie den Text ins Netz, teilte den Link im Bekanntenkreis. Und erreichte rasch tausende Unterstützerinnen und Unterstützer.

Die Debatte um Bargeld im öffentlichen Verkehr ist kein Bündner Einzelfall. Auch in Zürich und Basel gab es Kritik, nachdem Busbetriebe auf bargeldlose Systeme umgestellt hatten.

Der öffentliche Verkehr sei ein Service public und müsse für alle zugänglich bleiben, argumentieren Gegner der Abschaffung.

Postauto Schweiz weist die Kritik zurück. Mediensprecherin Katharina Merkle sagt: «Auch künftig wird es immer Lösungen für Menschen ohne Kreditkarte oder Smartphone geben.»

Der Zugang zum ÖV bleibe gewährleistet. Zudem bringe der Wegfall des Ticketverkaufs beim Chauffeur mehr Stabilität im Betrieb und komme der Pünktlichkeit zugute.

Bündner Regierung will Anliegen prüfen

Der Kanton Graubünden seinerseits hält sich derzeit bedeckt. Regierungsrätin Carmelia Maissen teilt mit, man werde die Petition von Berta Caminada prüfen.

Für die 77-Jährige ist klar: Der Einsatz habe sich gelohnt. Der politische Rückhalt der SVP gibt ihrem Anliegen zusätzliches Gewicht.

Kommentare

User #4783 (nicht angemeldet)

Taffe Frau, mein Respekt für Sie!:)

User #4933 (nicht angemeldet)

Was folgt als Nächstes? Wiedereinführung der Rauchzeichen?

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