Jetzt gibt’s neuen Beruf «KI-Spezialist» – das macht Sorgen
Der neue Beruf «AI Business Specialist» soll Firmen fit für KI machen. Die Nachfrage scheint bei Schweizer Unternehmen bereits vorhanden zu sein.

Das Wichtigste in Kürze
- Das neue Berufsprofil des «AI Business Specialist» soll Unternehmen KI-fit machen.
- Solche Spezialisten prüfen, wie KI für eine Firma sinnvoll eingesetzt werden kann.
- Eine Umfrage bei Schweizer Firmen zeigt: Die Nachfrage ist vielerorts bereits vorhanden.
Ein neues Berufsbild sorgt für Aufmerksamkeit: Künftig kannst du als sogenannter «AI Business Specialist» (Spezialist für KI im Business-Bereich) Karriere machen.
Das Berufsbild wurde kürzlich vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation vorgestellt.
Solche KI-Business-Spezialisten prüfen, wo KI ein Unternehmen sinnvoll unterstützt, entwickeln passende Lösungen und begleiten deren Einführung. Zudem beobachten sie technologische Trends und erarbeiten Grundlagen sowie Richtlinien für den KI-Einsatz.
Entsprechend relevant dürfte der Beruf in Zukunft werden, dominiert KI doch langsam aber sicher den Berufsalltag vieler.
Neue KI-Berufe – oder alte Jobs im neuen Gewand?
Der neue Beruf wird über die praxisnahe Berufsprüfung erworben, nicht über einen akademischen Studiengang.
Dafür nötig sind das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder eine gleichwertige Qualifikation in der IT-Branche sowie mindestens zwei Jahre Berufspraxis.
Zur Berufsprüfung zugelassen sind jedoch auch Personen mit dem EFZ einer anderen Branche. Möglich ist auch, mit einem Maturitätsabschluss oder einer gleichwertigen Qualifikation und mindestens vier Jahren Berufspraxis zugelassen zu werden.

Ohnehin hat KI in unseren Berufsalltag Einzug gehalten. Routineaufgaben werden automatisiert, neue Berufsfelder werden geschaffen.
Doch entstehen durch KI tatsächlich neue Berufe? Oder werden bestehende Profile bloss «KI-fit» gemacht?
«Wir können beide Prozesse laufend beobachten», sagt Patrick Emmenegger zu Nau.ch. Er ist Leiter des Future Work & Skills Lab der Universität St. Gallen. Dieses erforscht die zukünftige Arbeitswelt, insbesondere die Auswirkungen von KI auf Berufsprofile.
In der Regel würden die Berufsprofile in Fünfjahresintervallen überarbeitet und angepasst. Aber: «Je mehr KI in Wirtschafts-Prozessen zum Tragen kommt, desto häufiger wird KI der Anlass für die Schaffung neuer Berufsprofile sein.»
Das gelte auch für die Anpassung bestehender Berufsbilder, so der Experte.
Experte: «Wesentlicher Teil unserer täglichen Arbeit» wird KI-Bezug haben
«Sicherlich arbeiten und experimentieren die meisten Firmen und Organisationen mit KI», so Emmenegger. Doch eine gute Lösung fehle vielerorts noch.
Es sei dennoch realistisch zu erwarten, dass «ein wesentlicher Teil unserer täglichen Arbeit» in Zukunft einen KI-Bezug haben wird.
«Ich gehe entsprechend davon aus, dass schon bald die meisten Berufsprofile KI-Bezüge in der einen oder anderen Form aufweisen werden.»
Insbesondere mit Blick auf die rasante Entwicklung von KI ist für Emmenegger klar: «Wenn wir in Zukunft mit KI arbeiten werden, muss das auch Teil der Ausbildung werden.»
Gewerkschaft Unia warnt vor Risiken
Diese Veränderungen bereiten der Gewerkschaft Unia Sorgen. «Es geht dabei weniger um neue KI-Berufe. Sondern dass bereits bestehende Berufe durch KI verändert oder ersetzt werden», erklärt Mediensprecher Philipp Zimmermann.
Oft stehe nicht der Nutzen für Arbeitnehmende im Vordergrund, sondern die Automatisierung und Effizienzsteigerung «zu Gunsten von Kapitalbesitzern».
Arbeitsmarktpolitische Massnahmen müssten deshalb getroffen werden, um sicherzustellen, dass Beschäftigte nicht aus dem Arbeitsmarkt gedrängt würden.
«Machtverschiebung zu den Arbeitgebern»
Die Gewerkschaft Unia fordert deshalb die Einführung strenger und umfassender Regulierungen. KI dürfe menschliche Entscheidungen nicht ersetzen.

Schon heute würden KI-Systeme etwa bei der Vorauswahl von Bewerbungen eingesetzt. «Die Gefahr ist, dass bestehende gesellschaftliche Diskriminierungen reproduziert werden», warnt Zimmermann.
«Denn mit dem Einsatz von KI gibt es eine weitere Machtverschiebung hin zu den Arbeitgebern.»
Fehleinschätzungen sind «letztlich unvermeidbar»
Patrick Emmenegger betont hingegen die Anpassungsfähigkeit des dualen Bildungssystems. Diese werde häufig unterschätzt. «Bei vielen dieser Anpassungsprozessen wird auch externe Expertise beigezogen», erklärt er.
Neue Berufsprofile zu entwickeln sei aufwendig und werde nicht leichtfertig entschieden. Sorgfältige Abklärungen seien notwendig.
«Auch die Bedürfnisse und Erfahrungen der Arbeitgeberseite fliessen in diese Anpassungen ein», so Emmenegger. Der Prozess wirke nach aussen oft komplex.
«Aber letztlich ist das eine permanent laufende Diskussion, was in einer hohen Anpassungsfähigkeit resultiert», sagt der Experte.
Dennoch räumt er ein: «Fehleinschätzungen sind letztlich unvermeidbar. Werden Profile geschaffen, die im Arbeitsmarkt nicht nachgefragt werden, kann ein Beruf längerfristig nicht überleben.»
Firmen bestätigen: KI-Business-Spezialisten sind gefragt
Unabhängig von der Debatte sind KI-Business-Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt bereits gefragt.
«Eine gezielte Rekrutierung solcher Fachkräfte ist denkbar», schreibt die Migros auf Anfrage von Nau.ch. KI werde bereits in mehreren Geschäftsbereichen eingesetzt.
«Schnittstellenprofile, die KI-Know-how mit betriebswirtschaftlichem Verständnis verbinden, sind für uns von grosser Bedeutung.» Und weiter: «Ein Bedarf an Mitarbeitenden mit einem solchen Profil ist daher durchaus gegeben.»
Auch bei der SBB besteht «vermehrt Bedarf an KI-Knowhow». Eine gezielte Rekrutierung stehe zwar nicht im Fokus. «Aber es könnte ein Pluspunkt sein, wenn jemand diese Weiterbildung mitbringt.»
Intern fördere die SBB bereits die KI-Kompetenzen der Mitarbeitenden, lasse Entscheide jedoch weiterhin stets von Menschen treffen.
Ähnlich äussert sich Roche. KI und Machine Learning würden seit Jahren genutzt. «Mit der breiteren Verfügbarkeit generativer KI- und Large Language Models haben wir diesen Fokus verstärkt.»
Sogenannte «Large Language Models» zeichnen sich durch ihre Fähigkeiten aus, Texte zu generieren. Auch ChatGPT gehört dazu. Sie verwenden gigantische Datenmengen, um sich selbst Informationen anzutrainieren.
«Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz erstreckt sich bei uns über die gesamte Wertschöpfungskette», so Roche.
Das reiche von Forschung und Entwicklung «bis hin zur Unterstützung von Ärzten beim Treffen klinischer Entscheidungen».











