Interne Umfrage zeigt: 120 Rassismusfälle in Genfer Spitalabteilung
Klinik sieht Handlungsbedarf: In einer Abteilung des Genfer Universitätsspitals (HUG) geben 120 Mitarbeitende an, Opfer von Rassismus geworden zu sein.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Viertel der Mitarbeiter einer Abteilung des Universitätsspitals Genf erlebt Rassismus.
- In der internen Umfrage geben zudem 40 Prozent an, Zeugen von Rassismus geworden zu sein.
- Beunruhigend dabei: Oft handelt es sich bei den Tätern um Mitarbeitende oder Vorgesetzte.
Oft auch von Mitarbeitenden und Vorgesetzten – in einer Abteilung des Universitätsspitals Genf (HUG) erleben ein Viertel der Mitarbeitenden Rassismus.
Das zeigt eine interne Umfrage der Abteilung für Rehabilitation und Geriatrie, also der Abteilung für Krankheiten des alternden Menschen. Insgesamt sind es 120 Mitarbeitende, die angaben, bereits Opfer von Rassismus geworden zu sein.
Vorurteile, abwertende Äusserungen oder entsprechende Verhaltensweisen – über diese Dinge beklagen sich die befragten Mitarbeitenden. Die Umfrage, die am Mittwochmorgen veröffentlicht wurde, soll die Institution zum Handeln verpflichten.
Vorfälle seien «niemals akzeptabel»
Auf Anfrage von «RTS» sagte HUG-Generaldirektor Robert Mardini, dass solche Vorfälle «niemals akzeptabel» seien. «Diese Erfahrungen sind sehr real, sie sind schmerzhaft», Mardini drücke im Namen des Spitals sein «tiefes Bedauern» aus.
Rassismus geht hauptsächlich von Mitarbeitenden oder Vorgesetzten aus
Patientinnen und Patienten sind laut der Umfrage nur für einen Drittel der Fälle verantwortlich. Umso beunruhigender: Für die restlichen zwei Drittel sind Mitarbeitende (31%) und Vorgesetzte (20%) verantwortlich.
Während rund ein Viertel der befragten selbst Rassismus erlebte, sind es mehr als 40 Prozent, die Rassismus-Vorfälle beobachteten. Zudem hätten über 20 Prozent der Mitarbeitenden miterlebt, dass Patientinnen und Patienten Opfer von Rassismus wurden.
Als häufigstes Diskriminierungsmerkmal nennen Teilnehmende der Umfrage die Hautfarbe. Danach folgen ethnische Herkunft und Nationalität.
Disziplinarische Massnahmen gegen zwei Personen
Gegen zwei Personen wurden laut Spitaldirektor Mardini im vergangenen Jahr disziplinarische Massnahmen ergriffen. Um eine Entlassung zu rechtfertigen, habe es für die Vorwürfe jedoch zu wenige Belege gegeben.
Als Reaktion auf die Rassismus-Vorfälle im vergangenen Jahr wurden Schulungsworkshops für 680 Mitarbeitende durchgeführt. Zudem wurden Mechanismen zur Meldung von Vorfällen verstärkt.
Laut Mardini sei es wichtig zu erwähnen, dass es sich um ein gesellschaftliches Phänomen handle. «Deshalb ist es illusorisch zu glauben, wir könnten den Rassismus am HUG vollständig ausrotten.» Die Institution zähle insgesamt 13'000 Mitarbeitende.

















