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Immer mehr E-Trottis sind zu schnell – Verkauf ist legal

Andrea Schüpbach
Andrea Schüpbach

Genève,

Auf Schweizer Strassen wimmelt es von zu schnellen E-Trottinetts. Die Unfälle schiessen in die Höhe. Der Verkauf der Tuner-Trottis ist (noch) legal.

e-trottinett
Fehim Arslani von der Kapo Basel-Stadt kontrolliert ein E-Trottinett. Er stellt auch «beängstigende Geschwindigkeiten» fest. - SRF Rundschau

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele E-Trottinetts in der Schweiz fahren schneller als die erlaubten 20 km/h.
  • Seit 2020 haben sich die Unfälle verdreifacht.
  • Der Verkauf der Tuner-Trottis ist legal. Die Polizei erhöht die Kontrollen.
  • Man stellt teilweise «beängstigende Geschwindigkeiten» fest.

Die Walliser Polizei stoppt ein E-Trottinett, das 126 km/h fahren kann. Ein 14-Jähriger flüchtet mit 60 km/h in Uster ZH vor der Polizei. Im Glarus wird ein Mann wegen einer Fahrt auf einem 97-km/h-Trotti angezeigt.

Der Eindruck täuscht nicht: Solche und ähnliche Meldungen sind auch auf Nau.ch immer häufiger zu lesen.

E-Scooter-Fahrer angehalten.
Dieser E-Scooter in Glarus hatte die Höchstgeschwindigkeit 97 km/h. Er wurde im April 2024 aus dem Verkehr gezogen. - Kantonspolizei Glarus

E-Scooter sind aus dem Schweizer Strassenverkehr nicht mehr wegzudenken. Viele Fahrzeuge überschreiten aber die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h.

Die Polizei führt deshalb verstärkt Kontrollen durch und stellt dabei fest: Zahlreiche Nutzer sind schlecht informiert. Darüber berichtet nun die «SRF Rundschau».

E-Trottis sind in Shops und online verfügbar – auch Modelle, die nicht für den Strassenverkehr zugelassen sind.

Tuner-Trottis dürfen ver- und gekauft werden

Guilhem Gobillion vom Schweizer Laden «Kissmywheels» bestätigt: Zwei Drittel seiner Kunden kaufen schnellere Versionen. «Wir informieren die Kundschaft, dass damit nur auf Privatgelände und Rennstrecken gefahren werden darf.»

Ob sich die Käufer an diese Regel halten, liegt laut Gobillion in ihrer eigenen Verantwortung. Bei Verstössen drohen Geldstrafen und Anzeigen. Die Verkäufer sind nicht verpflichtet zu überprüfen, wo die Fahrzeuge eingesetzt werden.

Unfallzahlen steigen drastisch an

Die Statistik zeigt eine beunruhigende Entwicklung: 2020 verletzten sich 194 Personen bei E-Scooter-Unfällen. Bis 2024 stieg diese Zahl auf 595 Verletzte – darunter 139 Schwerverletzte.

«Das Unfallrisiko steigt massiv mit zunehmender Geschwindigkeit», warnt Polizeisprecher Rooven Brucker von der Kantonspolizei Basel-Stadt.

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Die Unfälle mit E-Trottis steigen drastisch an. - SRF Rundschau

Die Fahrzeuge sind für höhere Geschwindigkeiten nicht ausgelegt. «Die kleinen Räder und die Bremsen sind nicht dafür gemacht», betont Brucker. Dadurch gefährden Fahrer sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer.

«Nicht selten sehen wir Patienten mit Schädelhirntrauma»

Roman Pfeifer, Traumatologe am Universitätsspital Zürich, bestätigt den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Verletzungsschwere.

«Geschwindigkeit spielt eine entscheidende Rolle», erklärt der Mediziner. Je schneller der Sturz, desto schwerer die Folgen. «Nicht selten sehen wir Patientinnen und Patienten mit einem Schädelhirntrauma.»

Fährst du E-Trottinett?

Viele Unfälle sind Selbstunfälle, oft spielt Alkohol eine Rolle.

Die Polizei Basel-Stadt entdeckt zunehmend getunte Fahrzeuge. Verkehrspolizist Fehim Arslani: «Teils hat man wirklich beängstigende Geschwindigkeiten.»

Achtung Kontrolle – dann kommt der Tempo-Trick

Das Tuning der E-Scooter? Erstaunlich einfach. Auch in Gobillions Werkstatt in Zürich werden ein- bis zweimal wöchentlich Fahrzeuge modifiziert – völlig legal für den Privatgebrauch.

Möglich ist dies über die Hardware, aber auch über die Software.

E-Trottinette
Viel zu schnell: E-Trottinette erreichten bei einer Kontrolle in Martigny und Zermatt ein Tempo von über 100 km/h. Zugelassen sind 20 km/h. (Archivbild) - sda - Kantonspolizei Wallis

«Je nach Modell und Marke gibt es Tastenkombinationen, die in der zugehörigen App gespeichert sind», erklärt Gobillion. «So kann man den E-Scooter jederzeit drosseln oder entdrosseln.»

Kommen Raser-Trottis also in eine Kontrolle, wird die Höchstgeschwindigkeit mit einem Klick gedrosselt.

Die Polizei verspricht aber: Wir kennen diese Tricks.

Kommt bald Knallhart-Tuning-Gesetz?

«Unsere Fachexperten sind natürlich auf dem neuesten Stand», versichert Brucker. «Es ist nicht auszuschliessen, dass mal einer durch die Lappen geht. Aber in der Regel erwischen wir alle irgendwann.»

Bald könnte Tuning aber schwieriger werden. Der Bund plant neue Regeln. Für E-Trotti-Tuner Gobillion ist das der falsche Weg.

Findest du 20 Km/h für E-Trottinette auf Schweizer Strassen angemessen?

«Persönlich denke ich, dass 20 km/h zu langsam sind», meint der Händler. Er schlägt eine Regelung wie bei schnellen E-Bikes vor: «Kennzeichen, 45 km/h, Helmpflicht und Versicherung. Das wäre optimal.»

Bis ein allfälliges, härteres Gesetz da ist, will die Polizei ihre Kontrollen intensivieren. Fährt der E-Scooter schneller, muss der Lenker mit einer Geldstrafe und Anzeige rechnen.

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Kommentare

User #2545 (nicht angemeldet)

eBikes ohne Nummernschild TEMPO 30! Push endlich mal das Umweltbewusstsein, Akkus halten meistens länger als das eBike!! Ökologisch amortisiert sich das bereits mach kurzer Zeit

User #2545 (nicht angemeldet)

Die Geschwindigkeiten sind so langsam dass ich mit 20 kmh so eind Grossmutter 15-18 kmh auf dem Velo nicht überholen kann, weil ständig Verkehr kommt und ich ständig vom Gas gehen muss um ihr nicht reinzufahren

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