In Russlands Waffen steckt Schweizer Technik
Die Schweiz ist europäische Spitzenreiterin, wenn es um Teile in Russlands Waffen geht. Für die Hersteller-Firmen ist diese Feststellung unverständlich.

Das Wichtigste in Kürze
- In russischen Drohnen, Raketen und Panzern stecken Schweizer Teile.
- 322 Teile finden sich in Mikroprozessoren, GPS‑Modulen, Stecker und Kabel.
- Die betroffenen Firmen können die Transaktionen «nicht nachvollziehen».
Vier Jahre ist es her, seit Russland seine Offensive gegen die Ukraine gestartet hat. Seither werden Wohnhäuser und Gewerbe zerstört, es kommt zu strategischen Angriffen auf die ukrainische Energieversorgung.
Inmitten der Zerstörung taucht die Schweiz prominent auf. Sie ist europaweite Spitzenreiterin, wenn es um verbaute Komponenten in russischen Raketen, Drohnen und Panzern geht.
Zu diesem Schluss gekommen ist der US‑Menschenrechtsaktivist Samuel Bickett von der Stiftung «The Committee for Freedom in Hong Kong».
Mit Bezug auf eine Auswertung ukrainischer Behörden untersuchte er, wie ausländische Technologien Russlands Kriegsmission weiter ermöglichen.
Schweiz führt europäische Liste an
Die Antwort ist erschreckend: «Auf dem ukrainischen Schlachtfeld tauchen mehr Bauteile von Schweizer Firmen auf als praktisch aus jedem anderen europäischen Land», so Bickett.
Rund 322 Komponenten von Schweizer Herstellern finden sich in Mikroprozessoren, GPS‑Modulen, Steckern und Kabeln. Die meisten Komponenten findet man in Raketen und Drohnen.
«Aber auch in Panzern, in Kommandozentren, in Flugzeugen und anderen Waffensystemen», erklärt Bickett.
Produziert werden die entsprechenden Komponenten jedoch meist nicht in der Schweiz. Vielmehr gelangen sie nach Asien oder in andere europäische Länder.
Von dort aus finden sie ihren Weg zu Unternehmen, die das russische Militär beliefern. Welche Zwischenhändler an dem Transport und Vertrieb beteiligt sind, verraten die russischen Zolldokumente jedoch nicht.
Firmen können es nicht nachvollziehen
Grundsätzlich ist es nicht neu, dass sich die Namen Schweizer Firmen in russischen Kriegswaffen wiederfinden.
Bereits in vorherigen Jahren wurde Elektronik von Firmen wie Ublox oder ST Microelectronics gefunden. Nun tauchen aber auch die Genfer Lemo‑Gruppe und Huber+Suhner in russischen Zolldaten auf.
Erklären kann sich Huber+Suhner dies jedoch nicht. Auf Anfrage von SRF erläutert die Firma, dass man die Transaktion geprüft habe. Man könne sie aber «nicht nachvollziehen». Auf den entsprechenden Dokumenten würden Informationen fehlen.
Und: Eigentlich seien sämtliche Vertriebspartner vertraglich dazu verpflichtet, die Geschäfte mit Russland nicht weiterzuführen.
SRF konfrontierte auch die Firma Ublox mit der Tatsache, dass deren GPS-Module in russischen Drohnen auftauchen. Das Unternehmen begründet den Vorwurf mit Massenware. Diese könne nicht einfach entfernt oder zweckentfremdet werden.
Seit Kriegsbeginn liefere man nicht mehr nach Russland und Drittstaaten. Die Lemo-Gruppe wollte sich auf Anfrage von SRF nicht äussern.

















