Schweizer Expertin plädiert für offene und inklusive KI-Strukturen

Keystone-SDA
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Bern,

Genf wird 2027 den 5. Weltgipfel zur künstlichen Intelligenz (KI) ausrichten. Die Schweiz setzt sich für einen inklusiveren und offeneren Ansatz ein. Wird KI als öffentliche Infrastruktur verstanden, stärke dies die digitale Souveränität des Landes, sagt die Schweizer Expertin Katharina Frey.

Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz wird in der Schweiz von rund der Hälfte der Menschen genutzt. - keystone

Die Entwicklung führender KI-Modelle liege in den Händen weniger privater Unternehmen, vor allem in den USA und China, erklärte die Direktorin des ICAIN Network an der ETH Zürich der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die meisten Staaten gerieten dadurch in eine abhängige Rolle: Sie könnten KI-Technologien zwar nutzen, verfügten jedoch über wenig eigene Souveränität, eine begrenzte Auswahl und kaum Einfluss auf deren Weiterentwicklung und Ausrichtung.

In einer idealen Welt würden Staaten politisch und finanziell zu einer internationalen Organisation beitragen, die KI-Forschung vorantreibt – ähnlich wie beim CERN, so die frühere Diplomatin und Digitalisierungsexpertin im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten.

Kurzfristig sei ein solches Modell jedoch unrealistisch. Daher müssten andere Wege wie kollaborative Plattformen gestärkt werden.

Als Beispiel nennt Frey ein ICAIN-Pilotprojekt in Kenia: Eine Universität will ein Modell zur Verbesserung lokaler Wetterprognosen entwickeln, die für die dortige Landwirtschaft entscheidend sind. Vor Ort gebe es Datenkompetenz, jedoch keinen Zugang zu ausreichend leistungsfähiger IT-Infrastruktur. Über die Plattform werde Zugang zu Supercomputern, Daten, Software und KI-Know-how ermöglicht.

Die meisten Daten von ChatGPT, Gemini und ähnlichen KI-Tools sind englischsprachig, was die digitale Kluft und Verzerrungen verstärke. Indien mit seinen 22 Amtssprachen und hunderten Dialekten verdeutliche das Problem. Beim Gipfel in Neu-Delhi präsentierten mehrere Start-ups Modelle zur Förderung sprachlicher Vielfalt.

Auch die viersprachige Schweiz habe hier Potenzial, so Frey. Sie verweist auf Apertus, das erste in der Schweiz entwickelte mehrsprachige und quelloffene Large Language Model (LLM) der Eidgenössischen Technischen Hochschulen. Es ermögliche Akteuren aus Gesellschaft, Forschung und Wirtschaft, darauf aufzubauen, und stärke so die digitale Souveränität. «Die Schweiz sollte KI als Teil einer öffentlichen Infrastruktur begreifen», so Frey.

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Kommentare

User #2706 (nicht angemeldet)

Weil die Schweiz solche digitalexperten sind, oder wie kommen die auf so eine Idee?

User #4489 (nicht angemeldet)

Die eigentliche Wertschöpfung bei KI passiert nicht im Chatfenster. Sie passiert bei den Architektinnen und Architekten, die neue Systeme bauen. Diese arbeiten nicht mit Demo-UIs, sondern mit VS Code, GitHub, CI/CD und klaren APIs. Wer dort nicht integriert ist, spielt keine Rolle. Die Schweiz kann und muss kein eigenes VS Code bauen. Das ist unrealistisch. Entscheidend ist etwas anderes: leistungsfähige, verlässliche LLMs, sauber angebunden an bestehende Frameworks. KI ist heute Infrastruktur für Entwickler, nicht ein Gesprächspartner für Endnutzer. Wer digitale Souveränität will, muss dort investieren, wo Software entsteht. Alles andere ist Symbolpolitik.

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