Hunderte demonstrieren für tödlich verunfallten Marvin (†17)
In Lausanne haben rund 800 Personen an einem Schweigemarsch für den verstorbenen Jugendlichen Marvin teilgenommen.

Das Wichtigste in Kürze
- Heute hat in Lausanne eine Demo für den tödlich verunfallten 17-Jährigen stattgefunden.
- Rund 800 Personen haben am Schweigemarsch für Marvin teilgenommen.
Rund 800 Personen haben am Samstag in Lausanne an einem Schweigemarsch für den tödlich verunfallten 17-Jährigen teilgenommen. Dieser war vor einer Woche auf der Flucht vor der Polizei auf einem Roller ums Leben gekommen.
«Danke, dass ihr friedlich marschiert», sagte der Onkel des jungen Mannes über das Mikrofon, bevor sich der Demonstrationszug in Bewegung setzte. Dieser führte vom Viertel Borde zum Unfallort in Prélaz.
Die Teilnehmenden – unter ihnen viele Jugendliche – waren weiss gekleidet und trugen T-Shirts mit einem Foto des Verstorbenen. Einige hielten Schilder mit der Aufschrift «Ich Liebe dich, kleiner Bruder» oder «Die Zeit wird dein Lächeln nie auslöschen» in die Höhe.

Vor der Grabkapelle von Saint-Roch, wo der Körper des Teenagers aufgebahrt ist, legten die Teilnehmer eine Schweigeminute ein und gingen dann friedlich zur Mauer des Stadtteils Prélaz, dem Schauplatz des Unfalls, wo sie ihm die letzte Ehre erwiesen.
Ausschreitungen in Lausanne
Der 17-jährige Schweizer mit Wohnsitz in Lausanne war auf der Flucht vor einer Polizeipatrouille mit einem Roller heftig gegen eine Mauer geprallt und dabei um Leben gekommen. Der Roller war als gestohlen gemeldet, wie die Waadtländer Kantonspolizei später mitteilte.
Danach kam es im Lausanner Quartier Prélaz während zwei Nächten zu Ausschreitungen. Zwischen 100 und 200 Personen versammelten sich an beiden Abenden in der Nähe des Unfallortes.

Es kam zu Sachbeschädigungen, Mülltonnen wurden in Brand gesetzt, und die Polizei wurde unter anderem mit pyrotechnischen Gegenständen beworfen. Die Polizei reagierte mit Tränengas und setzte einen Wasserwerfer ein. Verletzte gab es laut Polizeiangaben nicht.
Waadtländer Staatsanwaltschaft teilt erste Erkenntnisse zum Unfallhergang mit
Aufgrund der angespannten Lage in Lausanne veröffentlichte die Waadtländer Staatsanwaltschaft bereits am Dienstag erste Erkenntnisse der Ermittlungen zum Unfallhergang. Demnach geht sie davon aus, dass der Jugendliche auf der Flucht vor der Polizei die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor.
Das Polizeiauto habe ihn gemäss Zeugenaussagen in «erheblichem Abstand» verfolgt. Es habe zum Zeitpunkt des Unfalls keinen Kontakt zwischen den beiden Fahrzeugen gegeben. Zudem habe der jugendliche Rollerfahrer einen Helm getragen, hiess es.