Hotel in Blatten VS droht Konkurs – weil Versicherung nicht zahlt

Simon Ulrich
Simon Ulrich

Oberwallis,

Das Hotel Fafleralp blieb vom Bergsturz verschont, doch ohne Strasse und Versicherungsgeld droht Aus. Der Betreiber fordert 1,5 Millionen Franken Soforthilfe.

Hotel Fafleralp
Blick auf das Hotel Fafleralp. - Hotel Fafleralp

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Hotel Fafleralp ist seit dem Bergsturz isoliert, aber unversehrt.
  • Weil das Gebäude intakt ist, zahlt die Versicherung nicht.
  • Fixkosten laufen weiter, ein Konkurs droht ohne finanzielle Hilfe bis Jahresende.

Der Bergsturz in Blatten bedroht nicht nur die Existenz der Einwohner, sondern auch die Zukunft des traditionsreichen Hotels Fafleralp.

Während drei Hotels im Mai verschüttet wurden, blieb die Fafleralp als einziges Haus unversehrt. Ist aber seitdem von der Aussenwelt abgeschnitten. Eine neue Strasse soll frühestens 2027 gebaut werden.

Pascal Indermitte, Verwaltungsratspräsident der Hotel Fafleralp AG, steht seither vor immensen Problemen: Obwohl er eine Betriebsausfallversicherung hat, zahlt diese nicht, da das Gebäude intakt ist. Darüber berichtet die «NZZ».

Die Kosten laufen jedoch weiter – Hypotheken, Versicherungen, laufende Investitionen. Allein der Neustart nach der Winterpause kostete 200'000 Franken.

Fixkosten treiben Hotel in Richtung Konkurs

Indermitte spricht von monatlichen Fixkosten in fünfstelliger Höhe und warnt: Ohne Hilfe drohe Ende Jahr der Konkurs.

Die kantonale Soforthilfe von zehn Millionen Franken für Blatten kommt nur langsam in Gang, und ihre Vergabekriterien sind unklar.

Zudem sind Gelder aus dem Lotteriefonds rechtlich an gemeinnützige Zwecke gebunden, was die Auszahlung an private Unternehmen erschwert.

Zwar kündigte der Kanton eine Härtefallregelung an, doch diese deckelt die Unterstützung bei 100'000 Franken. Für die Fafleralp, die 120 Betten und 20 Arbeitsplätze bietet, ein Tropfen auf den heissen Stein.

Indermitte beziffert den Gesamtschaden auf 4,5 bis 5 Millionen Franken.

Bauern und Hoteliers kämpfen um Perspektiven

Ähnlich betroffen ist Landwirt Hans-Peter Siegen, der Stallungen und sechs Hektaren Weideland verlor. Versicherungsgelder für die Gebäude lindern die Not, zudem unterstützen ihn die Landwirtschaftsgenossenschaft und kantonale Hilfsprogramme.

Steht Blatten im Jahr 2029 wieder?

Doch auch er blickt unsicher in die Zukunft, insbesondere wegen fehlender Perspektiven für den Wiederaufbau.

Im Tal wächst derweil die Kritik an der langsamen Auszahlung und fehlender Transparenz. Während Hoteliers von verschütteten Betrieben bereits Subventionen für ein neues Modulhotel erhielten, wartet Indermitte weiterhin auf konkrete Zusagen.

«Wenn es irgendwo möglich ist, ein Berghotel zu retten, dann in der Schweiz»

Er fordert mindestens 1,5 Millionen Franken à fonds perdu, um die Fafleralp zu retten und 2029 wieder voll zu eröffnen.

Trotz der Unsicherheit zeigt er sich kämpferisch: Er setzt auf Gespräche mit der Gemeinde und hofft auf private Unterstützung.

«Wenn es irgendwo möglich ist, ein traditionelles Berghotel zu retten, dann in der Schweiz», sagt Indermitte. «Für viele Leute sind drei oder vier Millionen Franken ein Klacks.»

Kommentare

User #1149 (nicht angemeldet)

Fremdlöhne fallen ausserhalb dem Verwaltungsrat keine mehr an, da entweder die Kurzarbeit greift oder gekündigt werden kann. Der Betrieb sollte bei Wiederstart dort finanziell weiterfahren können, wo er im Mai stoppen musste, alles andere wäre eine nicht legitime Finanzsanierung durch die Öffentlichkeit. Es fehlt die Dankbarkeit jeder Hilfe und wird eine Hilfe in nicht nachvollziehbarer Höhe regelrecht verlangt. P.S. Whistlblower der Redaktion unbekannt.

User #2898 (nicht angemeldet)

Also das war ja absehbar. Mitarbeiter kündigen und schon reichts mit der Portokasse... Warum 20 Leute bezahlen, die gar nicht arbeiten können??

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