Höhere Abopreise: Swisscom vergrault auch treue Kunden
Die Abos bei der Swisscom werden im Frühling teurer. Jetzt haben auch langjährige Kundinnen und Kunden die Nase voll – selbst bei Rabatten.

Das Wichtigste in Kürze
- Ab April verlangt die Swisscom für ihre Abos mehr Geld.
- «Zum Dank für meine Treue bekomme ich eine Preiserhöhung», sagt ein langjähriger Kunde.
- Die Swisscom begründet den Aufschlag mit mehr Leistung.
Die Abo-Rechnung fällt künftig höher aus.
Ab 1. April verlangt die Swisscom für Internet- und Mobile-Abos pro Monat je 1.90 Franken mehr. Bei den TV- und Festnetzangeboten beträgt der Preisaufschlag je 90 Rappen.
Kundinnen und Kunden sind sauer. Sie bezahlten mehr als 70 Franken pro Monat für ein Kombi-Angebot, schreibt ein Nau.ch-User. «Werden uns nun auch umschauen und wahrscheinlich wechseln.»
Ein weiterer User schreibt: «Ich bereue gerade, dass ich zu Swisscom wechselte.» Andere schätzen sich glücklich, dem Anbieter schon länger den Rücken gekehrt zu haben. «Ich bin da weg, zum Glück», schreibt ein User. «Es werden noch mehr gehen oder sind schon weg», behauptet er.
Swisscom sei bereits heute «massiv teurer»
Mit der Preiserhöhung wird Swisscom laut Ralf Beyeler, Telekom-Experte beim Online-Vergleichsdienst Moneyland.ch, noch teurer. «Obwohl die Abos von Swisscom bereits heute massiv teurer sind als viele Konkurrenzangebote», schreibt er in einem Beitrag.
Ein Handy-Abo mit einer Flatrate zum Beispiel gibt es bei mehreren Anbietern bereits für weniger als 20 Franken pro Monat. Bei der Swisscom müssen Kundinnen und Kunden für ein vergleichbares Handy-Abo neu 71.80 Franken hinblättern.
2024 machte der Telekomkonzern bereits die bisher kostenlose Bluewin-E-Mail-Adresse für zahlreiche Kundinnen und Kunden kostenpflichtig. Auch stellte der Anbieter Kundinnen und Kunden mit älteren, günstigeren Abos auf teurere Abos um.
Gross war der Ärger, als die Swisscom 2023 festlegte, die Teuerungsrisiken vollständig auf die Kundschaft abzuwälzen.
Aber: Gleichzeitig trumpft die Swisscom als regelmässige Testsiegerin für das beste Netz der Schweiz auf.
«Jetzt reicht es auch mir»
Tatsächlich haben inzwischen selbst treue Kundinnen und Kunden die Nase voll.
Er sei jahrzehntelang Swisscom-Kunde gewesen, sagt Rolf J.* zu Nau.ch. Internet, Handy und TV hängen in seinem Haushalt am Netz des grössten Schweizer Anbieters.
Am Dienstag habe er seinen Vertrag jedoch gekündigt, sagt J. «Zum Dank für meine Treue bekomme ich eine Preiserhöhung – jetzt reicht es auch mir», sagt er.
Enttäuschender Anruf
Ursprünglich wollte Rolf J. der Swisscom weiterhin treu bleiben.
«Ich wollte mir den Ärger mit Empfangsschwierigkeiten von billigeren Anbietern und einen mühsamen Wechsel ersparen», sagt der Rentner. Nach «reiflicher Überlegung» habe er sich entschieden, den Vertrag seines Abo-Pakets auf zwei Jahre zu verlängern.
Dabei habe er sogar einen Rabatt von 30 Franken bekommen. «Ich hatte klargemacht, dass ich zu einem anderen Anbieter wechsle, wenn die Swisscom mir kein attraktives Angebot macht.»
Kaum hat J. per E-Mail am Dienstag das Angebot bestätigt, klingelt das Telefon. Ein Mitarbeiter der Swisscom bestätigt ihm, demnächst die Vertragsverlängerung zuzuschicken.
«Er teilte mir aber auch mit, dass die Abopreise ab April steigen würden», sagt der Kunde. «Da platzte mir der Kragen und ich kündigte mein Abo auf der Stelle.» Die Swisscom locke treue Kunden mit Rabatten an und drücke ihnen gleichzeitig höhere Abopreise auf. «Das ist unverschämt.»
Swisscom gewährt vorzeitige Vertragsauflösung
Gefallen lassen muss sich die Preiserhöhung niemand. «Die Kunden erhalten aufgrund der einseitigen Anpassung ein Sonderkündigungsrecht.» Dies sagt Swisscom-Mediensprecherin Anina Merk auf Anfrage. «Das heisst, sie können den Vertrag auf Wunsch vorzeitig auflösen.»
Treue Kundinnen und Kunden vor den Preiserhöhungen zu verschonen, kommt für den Anbieter nicht infrage.

Swisscom passe die Preise aufgrund der strukturellen Veränderungen im Telekommunikationsmarkt an, sagt Sprecherin Anina Merk.
Kundinnen und Kunden erhielten heute deutlich mehr Leistung als noch vor wenigen Jahren. «Teilweise bis zu zwanzig Mal.» Anders als in anderen Branchen seien die Preise jedoch stetig gesunken.
Dadurch gehen laut Merk die Gesamtmarktumsätze und die Umsätze pro Kunde zurück. «Dieser Umsatzrückgang im Telekommunikationsmarkt lässt sich nicht mehr allein durch Kostensenkungsmassnahmen und Effizienzsteigerungen auffangen.»
«Weniger preissensitiv»
Die Stiftung für Konsumentenschutz sieht es anders. «Im Falle von Swisscom sind die Preiserhöhungen nicht zwingend», sagt André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft. Das Unternehmen habe bereits heute überdurchschnittlich hohe Abo-Preise. «Und machte 2024 einen Reingewinn von über 1,5 Milliarden Franken.»
Trotzdem rechnet Bähler nicht mit einem Swisscom-Exodus. «Swisscom gehört zu den teureren Anbietern, die Kundinnen und Kunden sind weniger preissensitiv», sagt er. Ausserdem sei der Wechsel, insbesondere des TV- und Internetabos und den dazugehörigen Geräten, immer mit einem Aufwand verbunden.
«Wir gehen daher davon aus, dass es nicht allzu viele Wechsel geben wird», sagt Bähler. Kunden, die wechseln wollen, empfiehlt er, sich bei einem neutralen Vergleichsportal wie zum Beispiel dschungelkompass.ch zu informieren.
*Name der Redaktion geändert.

















