Swisscom erhöht Preise – Kunden wandern zu kleinen Anbietern ab
Die Swisscom erhöht die Abo-Preise demnächst. Die Folge: Kleinere, lokale Telekomanbieter registrieren vermehrt Kunden, die von der Swisscom zu ihnen wechseln.

Das Wichtigste in Kürze
- GGA Maur, SAK oder Quickline schliessen viele Abos mit ehemaligen Swisscom-Kunden ab.
- Ein Marketing-Experte weiss, warum die Zielgruppe gerne auf kleine, lokale Anbieter setzt.
- Ein Telekom-Experte ist jedoch skeptisch.
Internet- und Mobil-Abos kosten bei der Swisscom bald 1.90 Franken mehr, TV- und Festnetz-Abos 90 Rappen: Nach den neusten Preiserhöhungen schlägt die Stunde der lokalen Telekomanbieter.
Ein Beispiel ist die «GGA Maur», ein Telekommunikationsunternehmen mit Sitz in Maur ZH. «Wir stellen ein erhöhtes Interesse für unsere Internet- und Mobile-Angebote fest», sagt Mediensprecherin Annette Schär auf Anfrage.
Sie hätten bei den Anfragen den Eindruck, dass viele Kundinnen und Kunden ihre Abos stärker verglichen, sagt Schär. «Sie prüfen, ob sie ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis finden können. Regionale Anbieter wie wir profitieren davon.»
Zürcher Anbieter erhält Kunden-Zuwachs
Ende Januar kündigte die Swisscom per April höhere Abopreise an. Damals hatten auch langjährige Abonnenten die Nase voll.
Einige von ihnen wandern nun etwa zur «GGA Maur» ab. «Ein Teil der Neukundinnen und -kunden hat zuvor Angebote der Swisscom genutzt», sagt Annette Schär. Das weiss die Firma aus Gesprächen mit der Kundschaft.
Demnächst dürfte der Anbieter noch mehr Neukunden anlocken. In der Region macht er zurzeit mit einer Werbeoffensive auf Plakaten, Flyern und im Radio auf sich aufmerksam.
Auch die SAK St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke profitieren von der Swisscom-Abkehr.
«Wir stellen vermehrt Anfragen fest und können auch einige Swisscom-Kundinnen und -Kunden gewinnen», sagt Sprecher Andreas Schwizer. Erfahrungsgemäss würden viele Neukunden von Swisscom zu den SAK wechseln.
Auch Quickline, ein Verbund zahlreicher regionaler Kabelnetz-Betreiber, registriert eine erhöhte Nachfrage. Bei wie vielen der Neuabonnenten es sich um ehemalige Swisscom-Kunden handelt, kann der Anbieter aber nicht zuordnen.
Kleine Anbieter wollen mit «lokaler Verankerung» punkten
Die kleineren Anbieter stellen ihren persönlichen Service in den Vordergrund.
Sie lege «grossen Wert auf persönlichen Kundenkontakt, lokale Verankerung und Offenheit für Neues», verspricht etwa die GGA Maur.
Ähnlich klingt es bei den SAK. Der Telekom-Markt sei hart umkämpft, ein Wachstum nur beschränkt möglich, sagt Andreas Schweizer.
Die SAK setze weniger auf Lockvogelangebote. «Sondern wir fokussieren uns auf faire Preise und überzeugen mit persönlichem und kompetentem Service.»
Ex-Kunden wollen Qualität
Marketingexperte Felix Murbach weiss, warum solche Anbieter für ehemalige Swisscom-Kunden attraktiv sind.
«Die Swisscom hat immer noch den Nimbus der Vertrautheit und hohen Qualität», sagt er. Die Swisscom hat also einen guten Ruf. Die Qualitäten, die ihr nachgesagt werden, suchen ehemalige Kundinnen und Kunden nun in lokalen Anbietern.
In ihnen sieht gerade langjährige Swisscom-Kundschaft eine interessante Alternative, sagt Der Experte.
«Ihnen geht es nicht nur wie bei den Jungen um das günstigste Abo.» Wichtig sei dieser Kundschaft auch die lokale Verankerung und ein Service in der Nähe.

Eine weitere Rolle dürfte das Netz spielen. Ab Sommer 2026 kündigt GGA Maur einen Wechsel vom Sunrise-Netz auf das Swisscom-Netz an.
«Für uns heisst dies, dass wir attraktive Tarife auf dem besten Netz der Schweiz anbieten können», Anette Schär.
Auch die SAK kündigen an, «im Laufe des Jahres», von Sunrise auf das Mobilnetz von Swisscom zu wechseln.
«Swisscom-Kunden zahlen und zahlen»
Ralf Beyeler, Telekom-Experte beim Online-Vergleichsdienst Moneyland.ch, ist skeptisch.
«Das Preisniveau bei lokalen Anbietern ist häufig doch auch ziemlich hoch», sagt er. Etwa im Vergleich zu Handy-Abo-Anbietern wie Spusu.
Die Frage sei auch, wie sich die Konkurrenzsituation vor Ort entwickle, sagt Beyeler. «Es ist nicht ausgeschlossen, dass die lokalen Anbieter die Preise erhöhen, wenn sie einen hohen Marktanteil haben.»

Beyler rechnet nicht damit, dass lokale Anbieter massenweise Swisscom-Kunden anziehen. Bei der Swisscom könne ein Handy-Abo fünfmal so viel kosten wie bei einem günstigeren Anbieter, sagt er.
«Aber viele Swisscom-Kunden zahlen und zahlen, weil ihre Familie schon seit Generationen bei der Swisscom ist.» Deshalb sei es generell schwierig, Swisscom-Kunden abzuwerben.
Namen der kleinen Anbieter «nicht wirklich prickelnd»
Felix Murbach sieht zudem in den Markennamen der kleinen, lokalen Anbieter Verbesserungspotenzial.
«Namen wie GGA Maur oder SAK klingen funktional, aber nicht besonders attraktiv», sagt er. Bei einer jüngeren Zielgruppe könnten diese deshalb weniger punkten.
«Viele dieser Anbieter stecken in einem Dilemma», sagt er. «Sie sind etabliert und bekannt – wirken aber kommunikativ wenig inspirierend.»
Die Swisscom teilt mit, dass die Anzahl der gekündigten Abos «dem erwarteten Rahmen» entspreche.
«Wir verstehen, dass eine Preisanpassung für die Kunden keine gute Nachricht ist», sagt Mediensprecherin Annina Merk. Aktuell sei keine weitere generelle Preisanpassung geplant.

















