Balmer: «Junge Frauen arbeiten heute»
Ehepaare sollen nicht mehr gemeinsam besteuert werden. Laut Hochrechnung sagt das Volk Ja zur Individualbesteuerung.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Steuern sind für verheiratete und unverheiratete Paare unterschiedlich hoch.
- Die Individualbesteuerung fordert die Abschaffung der «Heiratsstrafe».
- Laut Hochrechnung sagen 54 Prozent der Stimmbürgerinnen und -bürger Ja.
Ob verheiratet oder nicht – dies wird in der Steuererklärung künftig keinen Unterscheid mehr machen. Das Schweizer Stimmvolk nimmt die Vorlage zur Individualbesteuerung gemäss Hochrechnung mit rund 54 Prozent an.
Die sogenannte «Heiratsstrafe» wird demnach abgeschafft. Bis anhin wurden Paare gemeinsam besteuert. Dies sorgt bei Ehepaaren und unverheirateten Paaren für unterschiedlich hohe Steuern.
56 Prozent sagen Ja und 44 Prozent Nein zur Individualbesteuerung. Dies zeigt die Hochrechnung von GFS Bern im Auftrag der SRG.
«Hervorragender Tag für die Gleichstellung»
«Es ist ein hervorragender Tag für die Gleichstellung», sagt SP-Nationalrat Cédric Wermuth zu Nau.ch. Die Annahme der Individualbesteuerung sei ein «Sieg für die Frauen und die Männer».
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Bei der Entscheidung, ob man heiraten wolle oder nicht, sollten die Steuern keine Frage sein, sagt der SP-Co-Präsident.
Wermuth erwartet, dass die Gegnerinnen und Gegner das Verdikt des Stimmvolks akzeptieren.
«Ist eine Blackbox»
Die Mitte hat die Abstimmung verloren. Den Gegnerinnen und Gegner der Vorlage ging es laut Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy nicht um die Heiratsstrafe.
«Sondern sie realisierten, dass die Individualbesteuerung insbesondere für die Steuern der Kantone und Gemeinden eine Blackbox ist.» Dies sagt Bregy zu Nau.ch.
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Die Abstimmung der Mitte «Ja zu fairen Bundessteuern auch für Ehepaare – Diskriminierung der Ehe endlich abschaffen!» steht immer noch an.
Diese Initiative sei einfacher und schneller umsetzbar, seien sie weiterhin überzeugt, sagt Philipp Matthias Bregy. In den nächsten Tagen werde die Partei über das weitere Vorgehen entscheiden.
«Alleinerziehende abgestraft»
Im Abstimmungsstudio von SRF weist Mitte-Nationalrätin Yvonne Bürgin auf die Nachteile der Initiative hin. «Einverdiener und Familien mit ungleichem Einkommen sind die Verlierer von heute», sagt sie. Diese würden in Zukunft mehr steuern bezahlen.
Auch SVP-Nationalrätin Monika Rüegger sieht negative Folgen. «Gerade auch Alleinerziehende werden massiv abgestraft», sagt sie.
«Ist ein Auslaufmodell»
Bettina Balmer, FDP-Nationalrätin und Präsidentin der FDP Frauen, sieht dies anders. Viele Personen profitierten von der Steuervorlage, sagt sie. 50 Prozent seien Gewinner, 14 Prozent bezahlten moderat mehr.
Diese Nachteile erachtet sie aber nicht als problematisch. «Das traditionelle Familienmodell ist ein Auslaufmodell, junge Frauen arbeiten heutzutage», sagt sie.
Yvonne Bürgin macht zudem darauf aufmerksam, dass die Kantone nun ihr Steuersystem «komplett umstellen» müssten. Bettina Balmer entgegnet jedoch, dass jede Neuerung anfangs einen moderaten Mehraufwand mit sich bringe. «Aber danach läuft es wie auf Schienen. Mittelfristig sei der administrative Aufwand gleich bis einfacher.












