Ab heute kann sich die Schweizer Bevölkerung auch mit einem Antikörpertest ein Zertifikat holen. Doch bei den Bluttests gibt es keine klaren Richtwerte.
Coronavirus Zertifikat
Das Zertifikat für Genesene des Coronavirus könnte wohl bald verlängert werden. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Bundesamt für Gesundheit legt keinen fixen Richtwert für die Antikörpertests fest.
  • Labore sollen der Empfehlung der Schweizerische Gesellschaft für Mikrobiologie folgen.
  • Ergebnis soll dann lediglich positiv (Zertifikat) oder negativ (kein Zertifikat) sein.

Während längerer Zeit war die Regierung zögerlich, wenn es um die Einführung des Zertifikats für Personen mit genügend Antikörpern ging. Doch nun hat sich der Wind gedreht, ab dem 16. November sind solche Abklärungen und damit ein weiterer Weg zum Zertifikat möglich.

Ab heute erhalten auch Personen mit genügend Antikörper im Blut nach einem Test ein Zertifikat. Doch an welche Antikörper-Grenzwerte sich die Labore halten sollen, ist vom BAG nicht wirklich fixiert.

Coronavirus zertifikat
In Illgau SZ geht das Covid-Zertifikat vielen Bewohnern zu weit. - Keystone

BAG: «Gegenstand aktueller Forschung»

«Bezüglich eines quantitativen Antikörper-Schutzkorrelates (Antikörper-Titer), gibt es bisher international keine Festlegung. Auch nicht darüber, wie lange ein solcher wirksam ist. Ein solches Korrelat zu ermitteln ist Gegenstand aktueller Forschung», schreibt das BAG auf Anfrage. Der Titer ist ein Mass für die Anzahl Antikörper im Blut.

Lassen Sie sich auf Antikörper testen?

Das BAG verweist auf die Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Mikrobiologie (SGM). «Diesen Empfehlungen soll gefolgt werden», schreibt das BAG. Diese liegen aber erst seit Ende letzter Woche vor und ziemlich ausgeklügelt, was der geneigte Genesene aber nicht mitbekommt.

So führt der Antikörpertest zum Zertifikat

Massgeblich sollen demnach die Angaben der Hersteller sein, ab welchem Grenzwert ein Antikörper-Titer als «positiv» oder «negativ» gilt. Damit umgeht die SGM das Problem, dass die verschiedenen kommerziell verfügbaren Test-Sets untereinander nicht direkt vergleichbar sind. Als Sicherheitsmarge soll dann noch die dreifache Standardabweichung dazugerechnet werden.

Antikörpertest Blut
Für den Antikörpertest braucht es eine Blutprobe (Symbolbild). - Keystone

Liegt der im Labor bestimmte Wert über der Sicherheitsmarge, gilt das Resultat als «positiv» und berechtigt damit zu einem Zertifikat. Darunter, auch innerhalb der Sicherheitsmarge, soll «negativ» zurückgemeldet werden. Der eigentliche, gemessene Wert bezüglich Antikörpern soll dagegen nicht kommuniziert werden.

Genauigkeit der Antikörpertests

Die SGM empfiehlt zudem, dass ausschliesslich Tests mit einer Genauigkeit von über 98 Prozent in Betracht kommen sollen. Die grosse Mehrheit der Antikörpertests, die in den von Swissmedic zugelassenen Labors verwendet werden, erfülle diese Bedingung.

Antikörpertests Zertifikat Siemens
L-förmige Anordnung von drei Modulen zur Probenhandhabung und vier Analysensystemen vom Typ Atellica der Firma Siemens Healthineers. - siemens-healthineers.com

Gemessen werden sollen nur Antikörper vom Typ Immunglobulin-G (IgG), oder dann die totalen Antikörper. Dies empfiehlt sowohl das BAG als auch die Schweizerische Mikrobiologische Gesellschaft. IgM oder IgA seien ungeeignet. Diese könnten auch von anderen Infektionen als Coronavirus stammen oder im Frühstadium einer Infektion auftauchen.

Die Messung wäre also sehr genau und nur ein vergleichsweise hoher Wert an Antikörpern berechtigt auch zu einem Zertifikat. Andersherum gilt auch für Genesene derselbe Vorbehalt wie für Geimpfte. In ihrem Schreiben warnt die SGM nämlich auch vor voreiligen Schlüssen. «Der Nachweis von SARS-CoV-2-spezifischen IgG-Antikörpern ist kein garantierter Schutz vor einer Infektion oder schwerer Erkrankung durch SARS-CoV-2.»

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