Galaxus scannt bei Konkurrenz – und schickt Kunden ins Netz
Galaxus zeigt in einem Video für die App ein Verhalten, das stationären Läden eigentlich schaden kann. Trotzdem bleibt die Reaktion auffallend mild.
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Das Wichtigste in Kürze
- Galaxus bewirbt seine Bildersuche mit einer Szene im Laden.
- Der grosse Aufschrei im Detailhandel bleibt bislang aus.
- Fust betont Beratung, Service und stationären Mehrwert.
- Der Branchenverband warnt nur allgemein vor Druck auf Fachgeschäfte.
Galaxus zeigt in einem Social-Media-Video eine Szene, die viele Ladenbetreiber eigentlich nerven müsste. Kundinnen und Kunden schauen sich Produkte im Geschäft an, zücken das Handy und suchen danach online weiter.
Der Onlinehändler selbst spricht von einem Video «mit einem Augenzwinkern». Negative Reaktionen habe es bisher keine gegeben, wie es auf Anfrage heisst.
Kein Aufreger, sondern Alltag
Gerade das ist bemerkenswert. Denn der offene Werbeeffekt ist klar: Laden vor Ort anschauen, online weitersuchen, womöglich günstiger kaufen.
Doch der ganz grosse Protest aus dem stationären Handel bleibt aus. Weder Verbände noch grosse Händler gehen frontal auf Galaxus los. Statt Empörung dominiert ein anderer Ton: Das Phänomen ist alt, Der Markt hat sich daran gewöhnt.

So schreibt der Buchhändler Orell Füssli Thalia, Kundinnen und Kunden nutzen heute «selbstverständlich verschiedene Kanäle». Viele liessen sich online inspirieren oder stöbern in den Buchhandlungen und entschieden dann situativ, wo sie einkaufen.
Die Verbindung von stationärem Erlebnis und digitalem Angebot gehöre für viele Leserinnen und Leser «ganz selbstverständlich» dazu.
Galaxus spricht von Humor
Galaxus selbst weist den Vorwurf zurück, bewusst zum Ausnutzen von Läden aufzurufen. Kommunikationsmanager Tobias Heller erklärt gegenüber Nau.ch, im Video werde die neue Bildersuch-Funktion in «den absurdesten Alltagssituationen» eingesetzt. Typisch Galaxus, «stets mit einem Augenzwinkern».

Die Laden-Szene zeige laut Galaxus sogar die Grenzen der Technik auf. Denn das Foto vor Ort führe gerade nicht zum gesuchten Produkt, sondern zu einem ganz anderen Artikel im Onlineshop.
Damit versucht Galaxus, die Kritik zu entschärfen. Die eigentliche Fairnessfrage beantwortet der Onlinehändler aber nicht direkt.
Fust verteidigt das Konzept Laden
Am klarsten äussert sich noch Fust. Die Haushalts- und Elektrogerätekette schreibt: Es gehöre «zur Realität im Detailhandel», dass Kunden Produkte im Laden anschauen und danach online vergleichen.

Gleichzeitig hebt Fust den stationären Mehrwert hervor: «Kundinnen und Kunden können Produkte vor Ort erleben, sich individuell beraten lassen und profitieren von umfassenden Serviceleistungen.»
Der Betrieb solcher Filialen sei jedoch teuer. So schreibt Fust: «Der Betrieb von Filialen, Beratungsflächen und qualifiziertem Verkaufspersonal ist mit erheblichen Investitionen verbunden.»
Verband bleibt vorsichtig
Auch die Swiss Retail Federation will aus dem Spot keinen Grosskonflikt machen. Der Verband begrüsse den Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Detailhandelskonzepten, egal ob stationär oder online.
Showrooming und Preisvergleiche seien «keine neuen Erscheinungen» und Teil der Realität des heutigen Marktes.
Ganz folgenlos sei das Verhalten aber nicht. Kritisch wird es laut Verband dann, wenn sich Kundinnen und Kunden im Geschäft ausführlich beraten liessen.
Auch Produkte testen und Infrastruktur nutzen gehöre dazu. Der eigentliche Kauf erfolge dann aber ausschliesslich über einen reinen Onlineanbieter.
Dann trage der Laden Aufwand und Kosten für Beratung, Fläche und Personal, «während der Abschluss anderswo stattfindet». Gerade kleinere Fachgeschäfte setze das zusätzlich unter Druck.
Das beklagte kürzlich etwa die Hochzeitskleiderbranche bei Nau.ch: Immer wieder erwarten Kundinnen aufwändige Dienstleistungen vor Ort, ohne etwas zu kaufen. Einige bestellen nach einer Beratung auch einfach billig im Netz.
Kritik ja, Frontalangriff nein
Auffällig ist vor allem: Der Handel sieht das Problem, greift Galaxus aber nicht an. Verbände und Händler sagen selbst, dass Beratung, Fläche und Personal im Laden bezahlt werden. Doch bei dem Video bleibt die Kritik erstaunlich zahm.
Damit wird vor allem eines sichtbar: Das Problem ist im Handel längst bekannt. Galaxus zeigt mit dem Video nur offen, woran sich viele längst gewöhnt haben.















