Galaxus führt Kauflimite ein – hilft das wirklich?
Online-Händler Galaxus führt eine Ausgabenübersicht ein, um seine Kundschaft vor Kaufsucht zu schützen. Ein Experte glaubt nicht an eine grosse Wirksamkeit.

Das Wichtigste in Kürze
- Galaxus hat eine Ausgabenübersicht und eine Ausgabenlimite für Kunden eingeführt.
- So komme man einem Kundenbedürfnis entgegen, erklärt der Online-Händler.
- Für den Konsumpsychologen ist das eher «ein sanfter Hinweis» als ein wirksamer Schutz.
Viele Kundinnen und Kunden verlieren beim Onlineshopping rasch den Überblick über ihre getätigten Ausgaben.
Das ist auch Onlineshop-Riese Galaxus bewusst. Nun bietet der Händler ein neues Tool zur Ausgabenübersicht an. Dieses soll die Kundschaft dabei unterstützen, das eigene Budget einzuhalten.
Kunden können jetzt ihre Käufe der letzten Jahre auf einen Blick nachvollziehen. Man wolle so mehr Transparenz schaffen, so der Online-Händler. Auch wenn dies die Kundschaft möglicherweise vom Kauf abhalte.
Zudem gibt es künftig die Möglichkeit, ein Ausgabenlimit zu setzen. Wenn dieses überschritten wird, erhält der Kunde oder die Kundin eine Warnmeldung.
So will das Unternehmen mehr Transparenz beim Ausgabeverhalten der Kunden schaffen. Auch wenn sich die Warnung einfach wegklicken lässt und man weiter einkaufen kann.
Hälfte der Kundschaft trackt Ausgaben bereits
Thomas Bachmann von Galaxus erklärt dazu: «Wir wollen unsere Kundinnen und Kunden beim bewussten Konsum unterstützen.»
Die Idee sei wegen eines Blogposts von «Wolkenbruch»-Autor Thomas Meyer entstanden. Dieser erklärte in einem Text: «Ich bin kaufsüchtig.»
Und auch aus einer Kundenumfrage wisse man, dass die Hälfte der Kundschaft ihre Ausgaben bereits aktiv tracke.
Galaxus erklärt bei Nau.ch: «Dieses Bedürfnis nach Transparenz über die eigenen Ausgaben hat uns bestärkt, eine solche Funktion zu integrieren.»
Experte: Onlineshopping für Süchtige «besonders problematisch»
Konsumpsychologe Christian Fichter gibt bei Nau.ch zu bedenken: «Onlineshopping ist für Menschen mit Kaufsucht besonders problematisch.»
Denn es senke die klassischen Hemmschwellen des Kaufens. Es gebe «keine Öffnungszeiten, keine soziale Kontrolle und sofortige Bedürfnisbefriedigung per Klick».
«Zudem wirken Mechanismen wie Personalisierung, Empfehlungen und einfache Bezahlprozesse stark verstärkend», erklärt Fichter. «Insofern sind die Risiken tendenziell höher als beim stationären Handel oder Teleshopping.»
Die neue Initiative von Galaxus überzeugt ihn nicht ganz. «Transparenz über das eigene Ausgabeverhalten kann grundsätzlich helfen, impulsives Verhalten zu reflektieren – das ist psychologisch sinnvoll.»
Aber: «Gleichzeitig bleibt eine Kauflimite, die sich mit einem Klick umgehen lässt, letztlich eine eher schwache Intervention. Man könnte sagen: Es ist ein ‹sanfter Hinweis›, aber kein wirksamer Schutz.»
Galaxus will Kundschaft «nicht bevormunden»
Dazu meint Galaxus gegenüber Nau.ch: «Wir wollen unsere Kundinnen und Kunden nicht bevormunden.»
Die Ausgabenübersicht und das Ausgabenlimit seien als Hilfsmittel gedacht. Diese sollen der Kundschaft mehr Transparenz und Kontrolle über ihr Einkaufsverhalten ermöglichen.
Denn: «Die Verantwortung über die eigenen Finanzen liegt letztlich bei jeder Person selbst.»
Kauflimite könnte Verkäufe sogar noch erhöhen
Ein Online-Händler also, der für die Kundschaft mehr Ausgabentransparenz schafft. Ist das schlecht fürs Geschäft?
Galaxus schreibt bei der Vorstellung der Ausgabenübersicht dazu: «Es fördert unser Geschäft vermutlich nicht», will aber gegenüber Nau.ch keine erwarteten Zahlen kommunizieren.
«Ich gehe nicht davon aus, dass Galaxus dadurch relevante Umsatzeinbussen erleidet», meint derweil Konsumpsychologe Christian Fichter.
Denn: «Solche Funktionen wirken oft eher vertrauensbildend und stärken die Kundenbindung. Paradoxerweise kann genau das langfristig sogar verkaufsfördernd sein.»


















